Ambühl: «Verhandlungen mit USA eigentlich zum Abschluss gekommen»

Der höchste Diplomat des Landes verlässt seinen Posten. In Interviews mit «ECO» und «Echo der Zeit» stellt Michael Ambühl eine Lösung im Steuerstreit mit den USA in Aussicht und zieht Bilanz in einer für die Schweiz schwierigen Phase.

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Michael Ambühl zu den Verhandlungen im US-Steuerstreit

0:48 min, vom 26.8.2013

Nur noch bis Ende Monat ist Michael Ambühl im Amt. Dem Chef des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen (SIF) bleiben also bloss noch fünf Tage, um eine Lösung im drängendsten Dossier zu finden: dem Steuerstreit mit den USA.


Michael Ambühl nimmt Abschied

8:37 min, aus Echo der Zeit vom 26.08.2013

Laut Ambühl steht weiterhin eine Lösung für den gesamten Schweizer Bankenplatz im Vordergrund. Gegenüber «Echo der Zeit» sagte er, es sei wichtig, «dass wir eine globale Lösung haben und nicht eine Lösung, die nur zwei oder drei Banken betrifft, sondern den ganzen Finanzplatz, damit man das Problem möglichst ein für allemal gelöst hat».

Den Weg zur Beilegung des Streits hatte der Bundesrat schon mit einem Sondergesetz im Juni ebnen wollen. Das Parlament lehnte die Vorlage indes ab. Es widersetzte sich so dem Druck der Schweizer Regierung, die Klagen der US-Behörden befürchtete, wenn das Gesetz nicht durchkäme. Ambühl relativiert nun: «Es wurde nicht überdramatisiert. Es wurde gesagt: ‹Falls es nicht gelingt, eine Lösung zu finden, sind wir wohl in einer schwierigen Situation.› Ich glaube nach wie vor, diese Aussage ist absolut richtig.»

Andere kamen und gingen – Michael Ambühl blieb

Die Schweiz sei nicht eingeknickt

Im Gespräch mit «ECO» zeigt sich der 62-Jährige durchaus zufrieden mit dem Verhandlungsgeschick der Schweizer Delegation: «Bei den Amerikanern sind wir überhaupt nicht eingeknickt – und wir werden auch nicht einknicken.» Ambühl ist zuversichtlich; die Verhandlungen seien «eigentlich schon zu einem Abschluss gekommen, so dass es mich diesbezüglich nicht mehr braucht».

Daher ist der erfahrene Diplomat, der die Schweiz während der letzten 31 Jahre in den verschiedensten leitenden Funktionen auf dem (aussen-)politischen Parkett vertreten hat, überzeugt, keine entscheidende Lücke mit seinem Abgang zu hinterlassen. «Ich glaube nicht, dass das Schiff sinkt. Und ich glaube nicht, dass es mich braucht, um das Schiff weiterhin gut zu steuern.»

Ab nächstem Montag wird Michael Ambühl an der ETH Zürich eine Professur für Verhandlungsführung und Konfliktmanagement innehaben. In dieser Rolle wolle er künftig «die Praxis in die Theorie überführen», sagte er heute.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Heikle Missionen: Michael Ambühls Bilanz

    Aus ECO vom 26.8.2013

    Seit Jahren steht der Schweizer Finanzplatz unter Druck. Und seit Jahren versucht Michael Ambühl, als Verhandlungsführer hinter den Kulissen diesen Druck zu mildern oder gar ganz zu beseitigen. Doch das ist zuletzt immer seltener gelungen – etwa im Steuerstreit mit den USA, der immer noch viele Schweizer Banken bedroht. Ende Monat, mitten in dieser heiklen Phase, tritt Michael Ambühl ab und wird Professor an der ETH Zürich. Im «ECO»-Interview zieht er Bilanz.

    Mehr zum Thema

  • Michael Ambühl zieht Bilanz als Staatssekretär

    Aus Tagesschau vom 26.8.2013

    Kommt der Schweizer Finanzplatz international unter Beschuss, war Michael Ambühl gefragt. Per Ende August tritt der Staatssekretär für Finanz- und Steuerfragen in Bern ab und wird Professor an der ETH.