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Wirtschaft Angst vor Terror: Touristen aus China meiden Europa

Die Gäste aus Asien machen seit einigen Monaten einen Bogen um Europa. Das spüren auch die Schweizer Ferienorte. Das wird sich auch in den Übernachtungszahlen für das erste halbe Jahr zeigen, die heute publiziert werden.

Chinesische Touristen fotografieren auf der Rigi den Felsbrocken, der vom chinesischen Berg Emei Sha stammt.
Legende: Trotz enger Partnerschaft zwischen der Rigi mit China: Der Strom chinesischer Gäste ist versiegt. Keystone

Für asiatische Touristen ist die Sicherheit beim Reisen entscheidend. Doch der Ruf Europas ist nach den Terroranschlägen in Frankreich, Belgien und Deutschland beschädigt, wie Tourismus-Professor Christian Lässer sagt: «Europa steht schlecht da, weil die Anschläge hier überall verstreut sind. Man sieht auch bereits, wie die Asiaten diesen Sommer nur noch in geringerer Anzahl nach Europa kommen.»

Weniger chinesische Touristen in der Schweiz

Das zeigt sich besonders in Interlaken und Luzern. Bei vielen asiatischen Touristen – sowohl bei Gruppen- als auch bei Individualreisenden – gehörten die beiden Schweizer Orte zum Standardziel auf ihrer Tour durch Europa. Dieses Jahr sind die Übernachtungen dieser Feriengäste nun erstmals rückläufig, wie der Interlakener Tourismusdirektor Stefan Otz sagt. «In beiden Bereichen spüren wir im Moment eine Zurückhaltung aus dem bisher boomenden Markt China.»

Seit 2010 waren von Jahr zu Jahr deutlich mehr chinesische Touristen in die Schweiz gereist. Zuletzt gehörten sie für Interlaken und Luzern nach den Schweizern zur mit Abstand grössten Gruppe von Touristen. Jetzt ist der Boom aus China vorerst vorbei. Verglichen mit dem Vorjahr ist die Zahl der Logiernächte chinesischer Gäste in beiden Orten um gut zehn Prozent gesunken.

Rückgang leicht gebremst

Luzerns Tourismus-Direktor Marcel Perren warnt vor einer Überreaktion in der aktuellen Situation. Es wäre falsch, als Schweizer Feriendestination jetzt in China eine Werbekampagne zu starten. Die Lage habe sich schon etwas stabilisiert. «Ich bin guter Dinge, dass wir mittelfristig weiterhin wenn auch nicht mehr zweistellige, aber einstellige Wachstumszahlen aus China erzielen.»

Der Ruf Europas in Asien entscheidet also mit, ob chinesische Gäste weiterhin aufs Jungfraujoch kommen oder die Kappellbrücke besuchen.

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