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Arbeitsmarkt-Entwicklung Festanstellungen nehmen stark zu

Legende: Audio Stellenvermittler melden Anstieg der Festanstellungen abspielen. Laufzeit 02:44 Minuten.
02:44 min, aus Info 3 vom 13.05.2018.

Für manche macht eine Temporärstelle Sinn, andere haben keine Wahl. Viele sehnen sich jedoch auch im Beruf nach Sicherheit – nach einer Festanstellung.

Die Chance eine solche zu finden, ist mit dem wirtschaftlichen Aufschwung deutlich gestiegen. Den Unternehmen geht es wieder besser. Sie investieren und stocken das Personal auf. Die Arbeitslosigkeit ist so tief wie seit Jahren nicht mehr. Die Unternehmen bieten vermehrt auch wieder Festanstellungen an.

Das bestätigen die grössten Stellenvermittler in der Schweiz auf Anfrage von SRF News wie Adecco. Bei den Festanstellungen gäbe es im ersten Quartal ein Wachstum von 20 Prozent, erklärt Adecco-Chef Alain Dehaze – im Vergleich zum ersten Quartal des letzten Jahres.

Angebot an Festanstellungen stark gestiegen

Auch andere Stellenvermittler können Arbeitsuchenden in der Schweiz wieder häufiger zu Festanstellungen verhelfen: CareerPlus verzeichnet im ersten Quartal ein Plus von 17 Prozent. Bei Michael Page sind es 20 Prozent, bei Kelly Services gar 40 Prozent. Adecco-Chef Dehaze begründet diese Entwicklung mit dem weltweiten konjunkturellen Aufschwung sowie der verbesserten Wechselkurs-Situation für Schweizer Export-Unternehmen.

Dies führe dazu, dass die Unternehmer Vertrauen in die Zukunft hätten und damit bereit sind zu investieren – auch in Festanstellungen, sagt Dehaze. Seit gut einem halben Jahr beobachten die Stellenvermittler diese Entwicklung.

Profitieren könnten vor allem Fachkräfte, die auf dem Markt schwer zu finden seien: «Im EDV-Bereich, Engineering, Vertrieb, Marketing, aber auch Banking und Financial Services, wo ausgebildete Leute gesucht werden», sagt Dehaze.

Unia dämpft Euphorie

Und genau das bremst die allgemeine Euphorie bei den Gewerkschaften etwas. Unia-Geschäftsleiterin Véronique Polito freut sich zwar auch, dass Fachkräfte wieder vermehrt Dauerstellen angeboten bekommen. Sie gibt aber zu bedenken, dass viele andere nicht davon profitieren könnten.

«Wir haben festgestellt, dass es Baustellen gibt mit keinem einzigen Festangestellten, ausser vielleicht dem Teamleiter. Und auch in der Industrie gibt es Betriebe, wo die Mehrheit der Angestellten nicht mehr Festangestellte, sondern temporär Angestellte sind.»

Gemäss dem Arbeitgeber-Verband Swissstaffing leisteten 2017 rund 340'000 Personen in der Schweiz Temporär-Arbeit. Diese Zahl nahm in den letzten Jahren stetig zu. Gerade tiefer qualifizierten Arbeitskräften und Ausländern würde häufig nur eine Temporär-Stelle angeboten, sagt die Gewerkschafterin.

Das bedeute für diese einige Nachteile: «Man hat viel kürzere Kündigungsfristen, man hat auch einen weniger guten Schutz. Zum Beispiel, wenn es eine Massenentlassung gibt. Und es gibt zum Beispiel in der Industrie viele Bereiche, die keinen Mindestlohn in der Temporärbranche haben.» Oft würden die Temporär-Angestellten deshalb weniger Lohn erhalten, erklärt Polito.

Aus diesem Grund will Véronique Polito noch mehr Unternehmen zum Gesamt-Arbeitsvertrag der Temporär-Branche verpflichten. Dieser läuft nämlich Ende Jahr aus. Und weil sich Gewerkschaften und Arbeitgeber nicht einig sind, steht er auf der Kippe.

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15 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande (begulide)
    Und wie hoch ist die effektive Zahl derer, welche "ausgesteuert" sind und von Sozialhilfe leben..., also immer noch zu den "Arbeitslosen" gezählt werden müssten....??
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  • Kommentar von Ruedi Hammer (Ruedi Hammer)
    "Die Anzahl der Erwerbstätigen steigt um 0,6%; die Erwerbslosenquote gemäss ILO liegt bei 4,5%". https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/arbeit-erwerb/erhebungen/els-ilo.assetdetail.4342108.html Wie doof ist das denn alles!
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  • Kommentar von Werner Christmann (chrischi1)
    Festanstellungen sind sehr relativ bei unseren neoliberalen Arbeitsverträgen, da beträgt die Kündigungsfrist zwischen 1 und 3 Monaten, ohne jedwelche Begründung.
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    1. Antwort von antigone kunz (antigonekunz)
      Es braucht Politiker vom Format eines Ambroise Croizat und Menschen, die zu verstehen beginnen, dass der FinanzKapitalismus, der einst eine revolutionäre Kraft war, er hat die Menschen aus dem Feudalismus 'gebracht', jetzt zu einer reaktionären, zerstörerischen Kraft mutiert, der seinerseits von einer neu sich bildendenden 'revolutionären' Klasse überwunden werden muss. Zurück in die Arbeitsverhältnisse des 19.Jh. wie das ultralibertinäre Wirtschaften es anstrebt, ist keine Option.
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