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Wirtschaft Argentiniens Dilemma: Was heisst «technisch zahlungsunfähig»?

Argentinien hat zwar genügend Geld, um seine Schulden zu bezahlen. Trotzdem gilt das Land als technisch zahlungsfähig. Wie geht das?

Bank in Buenos Aires
Legende: Bank in Buenos Aires: Lange sah es nach einer Lösung aus, dann aber platzten die Verhandlungen mit den Gläubigern. Reuters

«Technischer Zahlungsausfall» heisst einfach gesagt, dass ein Schuldner zwar genug Geld hat, um seine Schulden zu bezahlen. Er kann dies aber nicht tun, weil die Zahlung ihn in Teufels Küche bringen würde – aus rechtlichen, vertraglichen oder auch moralischen Gründen. Er würde mit der Zahlung gegen ein Gesetz verstossen oder eine bestimmte Vertragsklausel verletzen.

In der Privatwirtschaft tritt ein «technischer Default» dann ein, wenn zum Beispiel eine Liegenschaftsverwalterin zwar alle Hypothekarzinsen zahlen kann – aber nur, weil sie beispielsweise kein Geld in den Liegenschaftsunterhalt steckt. Oder ein Unternehmen kann zwar die Darlehenszinsen bedienen, hat dafür aber nicht mehr so viel Bargeld in der Kasse, wie im Darlehensvertrag eigentlich festgeschrieben ist.

Die einen zu bezahlen, die anderen nicht – ist keine Lösung

In einem ähnlichen Dilemma steckt derzeit Argentinien. Das Land hat mit der Mehrheit seiner Gläubiger vereinbart, dass diese auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Einige Hedgefonds wollten dabei nicht mitmachen. Nun fordern eben jene Hedgefonds die Rückzahlung der gesamten Schulden.

Argentinien hat eigentlich genug Geld, um diese Schulden zu tilgen. Das Land will diese aber nicht bezahlen, weil in diesem Fall auch jene Gläubiger Forderungen stellen könnten, die ursprünglich dem Schuldenschnitt zugestimmt haben.

Besonders kompliziert wird der Fall, weil ein amerikanisches Gericht verfügt hat, dass Argentinien den anderen Gläubigern keine Zinsen mehr zahlen darf, bevor die Schuld bei den Hedgefonds getilgt ist. Auch darf es keine neuen Kredite bei Banken aufnehmen, um die Schulden zu bezahlen.

Banken kennen keine Teilweise Zahlungsunfähigkeit

Würde sich Argentinien über diesen Richterspruch hinwegsetzen, würde das Land US-Gesetze verletzen. Was wiederum zu hohen Bussen in den USA führen könnte, welche den ohnehin angeschlagenen Staatshaushalt weiter schwächen.

Die Ratingagenturen sprechen in diesem Fall allerdings von einem «selective default». Denn die argentinischen Gläubiger können trotz US-Gericht weiter bedient werden. Dabei handelt es sich aber nur um einen kleinen Teil der Schuld. Die Banken machen diese Unterscheidung gar nicht. Für sie ist es ganz einfach ein «default». Wenn ein Land in einem Bereich zahlungsunfähig ist, so ihre Argumentation, ist es gesamthaft zahlungsunfähig.

Ein Teufelskreis

Fazit: Weil Argentinien den einen kein Geld zahlen will, dadurch aber den anderen kein Geld zahlen kann, ist das Land «technisch» zahlungsunfähig. Dies ist vor allem deshalb ein Problem, weil es für Argentinien dadurch schwierig wird, an dringend benötigtes frisches Geld zu kommen. Kaum jemand wird in dieser Situation neue Staatsanleihen kaufen.

Argentinien könnte allenfalls neues Geld drucken, was wiederum die Inflation anheizen würde. Dadurch würde die Wirtschaft gelähmt und die Kaufkraft der Bevölkerung weiter geschwächt. Ein Teufelskreis.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Karl Pfister, Gonolfingen
    Das Problem ist schon grundsätzlicher. Staaten und deren Verhalten nach Innen und Aussen werden als Spekulationsobjekte gehandelt. Nicht nur von Hedgefonds. Devisenhandel, Produktionsstandorte, Wirtschaftssysteme, Politische Systeme, Geldwirtschaft etc etc. Dies dürfte niemals stattfinden, denn dahinter stehen Korruption, Politik, Bank- und Geldwesen, Standortvorteile, Ressourcen etc etc.... Das ganze auf den Schultern einer Bevölkerung die keine Ahnung hat.
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  • Kommentar von Werner Christmann, Stein am Rhein
    Nun Tatsache ist: Eine Gruppe Hedgefonds (US-Spekulant Singer) kaufte billig Bonds mit der Absicht, die volle Bezahlung juristisch einzufordern. Mit 300% Gewinn wie die anderen Gläubiger angeboten bekamen, gab sich Singer nicht zufrieden. Das nenn ich ethisch einwandfreies Geschäftsgebaren! Hoffentlich können die sich ihre Bonds an die WC-Türe kleben. Für mich ist das hochkriminell.
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  • Kommentar von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
    Genügend Geld hat Argentinien nicht, wie es der Artikel von SRF sugeriert. Man rechnet mit bis zu 6 Mia. US$ weniger Einnahmen auf Grund der gefallenen Getreidepreise. Damit die Regierung aber das Vertrauen der Banken u. IWF zurückgewinnt müssten die Devisenreserven steigen, das wird jedoch kaum der Fall sein, da viele Firmen nun allfällige Investitionen zurückfahren werden. 17% der 500 grössten Firmen planen gem. dem Wirtschaftsprof. Di Tella von der Uni Bue Entlassungen!
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