Ausnahme für Hotels: Trotz Initiative immer mehr Zweitwohnungen?

Hoteliers verkaufen Ferienwohnungen, um Aus- und Neubauten finanzieren zu können. Das dürfen sie auch in Zukunft - trotz Zweitwohnungsinitiative. Die Ausnahme ist wenig umstritten. Unklar ist jedoch, wie viele Wohnungen die Hoteliers tatsächlich beantragen werden. Kritiker befürchten Missbrauch.

Drei Ferienhäuser in Walliser Bergdorf Morgins.

Bildlegende: Für Hoteliers gilt die Ausnahme: Trotz Initiative dürfen sie Neu- und Ausbauten über Zweitwohnungen finanzieren. Im B... Keystone

Kalte Betten – sie stehen in tausenden von Ferienwohnungen in der ganzen Schweiz. Aber nicht nur: Wegen des starken Frankens werden auch die Hotelbetten immer kälter.

In der ersten Hälfte dieses Jahres übernachteten 0,6 Prozent weniger Gäste in Schweizer Hotelbetten - verglichen mit der Vorjahresperiode. Das zeigen neuste Zahlen des Bundesamtes für Statistik.

Für Hoteliers gilt Ausnahme

Weniger Gäste, weniger Einnahmen. Viele Hotels kämpfen ums Überleben und können kaum Geld auf die hohe Kante legen. Deshalb beschaffen sich viele mit dem Bau von Ferienwohnungen Geld. Das geht auch mit dem neuen Zweitwohnungs-Gesetz – eine Ausnahme macht es möglich.

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FOKUS: Hotelbesitzer bauen Zweitwohnungen

3:48 min, aus 10vor10 vom 4.8.2015

Hoteliers dürfen mit Ferienwohnungen weiterhin Aus- und Neubauten mitfinanzieren. Auch wenn es in einer Gemeinde bereits mehr als 20 Prozent Zweitwohnungen gibt.

Zweitwohnungen ohne Grenzen?

Die Ausnahme hat allerdings Schranken: Maximal 20 Prozent eines Hotel-Neubaus dürfen als Ferienwohnungen verkauft werden.

Landschaftsschützer Raimund Rodewald hat nichts gegen die Ausnahme an sich. Das Gesetz regle jedoch nicht klar, ob ein Hotel mehrmals Zweitwohnungen bauen dürfe.

«Eine Hotellerie könnte nach 5 Jahren der Gemeinde wieder weismachen wollen, dass sie neue Wohnungen brauche, um den Hotelbetrieb zu retten.» Immer mehr Zweitwohnungen - die Initiative würde damit definitiv untergraben, sagt Rodewald.

Keine Investitionen ohne Zusatzkapital

Das Hotel La Colina im Engadiner Bergdorf Pontresina steht seit langem leer. Das soll sich nun ändern. Die Schweizer Hotelgruppe Sunstar will vier grosse Zweitwohnungen einbauen und mit dem Verkaufsgeld einen Neubau mit Wellness finanzieren. Könnte die Investition nicht durch Zweitwohnungen finanziert werden, würde sie sich laut Geschäftsführer Beat Hess nicht rechnen.

Ein weiteres Beispiel gibt das Hotel Schweizerhof in der Lenzerheide ab. Sein Besitzer, Hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig, hat das Hotel vor knapp zehn Jahren ausgebaut. Einen Viertel des 20-Millionen-Baus konnte Züllig mit dem Verkauf von Zweitwohnungen finanzieren.

Anfang 2016 tritt das neue Zweitwohnungsgesetz in Kraft. Zur Zeit arbeitet der Bund an der zugehörigen Verordnung. Ob er da noch mit härteren Vorschriften eingreift, ist offen.