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Unterbruch in Deutschland Bahnunternehmen könnten Kunden an die Strasse verlieren

Der Bund blickt mit Sorgen auf die seit dem Wochenende unterbrochene Bahnstrecke zwischen Basel und Karlsruhe.

Legende: Audio Der Bund reagiert auf den Streckenunterbruch in Deutschland abspielen. Laufzeit 1:54 Minuten.
1:54 min, aus HeuteMorgen vom 17.08.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Bund erwartet von Deutschland, dass die Störung des Bahnverkehrs zwischen Basel und Karlsruhe möglichst rasch behoben wird.
  • Wäre der Warentransport auf dieser Strecke länger unterbrochen, könnten die Bahnunternehmen Kunden an die Konkurrenz auf der Strasse verlieren.
  • Die Erfahrung zeigt laut dem Bund, dass eine kurzfristige Störung zwar zu sinkenden Marktanteilen der Bahn führt, dieser Rückgang später aber wieder mehr als kompensiert wird.

Der Güterverkehr in Europa ist seit dem Wochenende gestört. Wegen der Probleme auf einer Baustelle zwischen Basel und Karlsruhe ist der wichtigste Korridor zwischen Nord und Süd unterbrochen. Noch immer stecken Züge mit vollen Containern fest, der Warentransport muss sich neu organisieren.

Die Lage sei ernst. Das sagen nicht nur die Bahnunternehmen, sondern das stellt auch der Bund fest. Gregor Saladin, Sprecher des Bundesamts für Verkehr, sagt, es handle sich um eine «gravierende Situation». «Wir verfolgen das mit Sorgen und erwarten von den zuständigen deutschen Bahnen, dass sie die Störung möglichst rasch beheben.»

Strasse statt Schiene

Das liege im Eigeninteresse der Deutschen Bahn, aber auch der Schweizer Cargo-Unternehmen SBB und BLS. Würde der Bahntransport auf dieser wichtigen Strecke länger ausfallen, könnten sie Kunden an die Strasse – also an die Lastwagenunternehmen – verlieren. Das wäre nicht im Sinne des Bundes, sagt Saladin.

Wir erwarten von den zuständigen deutschen Bahnen, dass sie die Störung möglichst rasch beheben.
Autor: Gregor SaladinSprecher Bundesamt für Verkehr

Die Erfahrung zeige, dass rund zwei Wochen gut überbrückt werden könnten. Wenn es länger dauere, werde sich zeigen, ob tatsächlich Alternativrouten zur Verfügung stünden. Saladin vergleicht den Güterverkehr mit Wasser: «Wenn irgendwo etwas verstopft ist, sucht sich das Wasser neue Wege – der Verkehr in aller Regel auch.»

Bereits 2012 verlor die Bahn Marktanteile

Erfahrungen konnte man im Jahr 2012 sammeln. Damals war die Gotthard-Bahnstrecke nach einem Felssturz bei Gurtnellen einen ganzen Monat lang komplett gesperrt. In diesem Jahr wurden dann 13'000 zusätzliche Lastwagenfahrten in der Schweiz gezählt – etwa ein Prozent mehr als üblich.

Ausserdem gab es mehr Verkehr auf der Alternativroute über den Brenner. «Die Bahn verlor in diesem Jahr einen kleinen Teil ihres Marktanteils», sagt Saladin. Längerfristig sei dies aber überkompensiert worden. «Die Bahn hat seither deutlich gewonnen.»

Keine schnelle Entspannung

Im Moment sieht es nicht danach aus, dass sich die Lage im aktuellen Fall schnell entspannen könnte. Die Deutsche Bahn hat bereits eingestanden, dass sie die Probleme nicht wie geplant innerhalb von zwei Wochen bewältigen kann. Das heisst, die Bahnunternehmen verlieren kurzfristig Marktanteile. Langfristig bleibt ihnen die Hoffnung, dass sie diese wieder zurückgewinnen können.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von René Pfeifer (Whistler)
    Nicht nur in den 80er-Jahren wurde die Limmat untertunnelt. Mit dem Bau des zweiten S-Bahn-Astes ( Durchmesserlinie Loewenbahnhof nach Oerlikon ) wurde sogar noch die erste Linie samt Limmat und ich glaube sogar noch die Autobahn ( Milchbucktunnel vom Letten nach Schwamendingen ) " untergraben ".
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  • Kommentar von Hans Burri (BUR)
    Lucas Kunz. Schon in den 80er-Jahren hat man beim Bau der Zürcher S-Bahn für eine Untertunnelung der Limmat (ca. 3 m unter der Sohle des Flusses) erfolgreich das Gefrierverfahren angewendet. Daher muss man sich schon fragen ob dies in Rastatt auch der Fall ist. Offenbar nicht, da eine Tunnelbohrmaschine im Einsatz ist. Pech gehabt mit entsprechenden grossen Folgen. Aber ich bin angesichts des Riesen-Debakels beim Bau des Flughafens Berlin überhaupt nicht überrascht.
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    1. Antwort von Lucas Kunz (L'art pour l'art)
      Die Misere Flughafen Berlin - siehe Wikipedia- ist insbesondere politischer Querelen und Entscheidungen geschuldet - immerhin betrifft es mehrere Bundesländer, die dort mitmischen ... und weniger real technische Probleme. Bei der Bahn-Baustelle handelt es sich um einen völlig anders gelagerten Auftrag ... Man kann doch keine Äpfel mit Birnen vergleichen!
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  • Kommentar von W. Pip (W. Pip)
    Die Erbsenzähler der deutschen Bahn sollten sich vielleicht mal Gedanken machen über das Wort "überbrücken"... und dann bei der Bundeswehr anrufen...
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    1. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      Wenn auch die Wehrpflicht in Friedenszeiten ausgesetzt wurde, bleibt die Bundeswehr grundsaetzlich eine Wehrpflichtarmee. Da sich Deutschland noch an internationale Abkommen haelt, werden Wehrpflichtige nur zum Wehrdienst, aber nicht zu ziviler Zwangsarbeit gezwungen. Die Bundeswehr darf im Inland nur zur Rettung von Staat und Verfassung eingesetzt werden, wenn die auch mit Kriegswaffen ausgeruesteten Bereitschaftspolizeihundertschaften Landfriedensbruchpoebel nicht mehr aufloesen koennen....
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    2. Antwort von W. Pip (W. Pip)
      Dann gibt es in Gittes Namen noch das THW. auch die wissen, wie man Brücken innert Tagen baut...
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    3. Antwort von Charles Dupond (Egalite)
      @Pip - Ja, Deutschland hat zivile Organisationen, die mit Freiwilligen statt Zwangsarbeit privaten Organisationen Katastrofen- oder gar auch nur Veranstaltungshilfe leisten. Allerdings haben deren Ressourcen nicht das Level einer kriegsgenugenden Armeegenie- oder Luftschutztruppe....
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    4. Antwort von Hans Burri (BUR)
      Herr Kunz. Ich denke nicht, dass Sie Tiefbau-Ingenieur sind. Da dürfte bereits die Planung falsch gelaufen sein. Ohne Not untertunnelt man nicht in einer so geringen Tiefe. Da sind die Probleme vorprogrammiert. Beim Flughafen Berlin gab es ganz klar eine Menge von real technischen Fehlern, bereits in der Planung und auch während des Baus. Man spricht ja bereits davon, ob man die ganze Übung nicht besser abbrechen sollte.
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