SNB zur Lage der Banken Bald nicht mehr «Too Big To Fail»?

Die Nationalbank attestiert den Schweizer Grossbanken allmähliche finanzielle Gesundung. Noch gibt es aber Luft nach oben.

  • Die Schweizerische Nationalbank (SNB) bezeugt den Schweizer Grossbanken eine weitere Verbesserung ihrer Kapitalsituation.
  • Im Hypothekarmarkt warnt die SNB vor zu grosser Risikobereitschaft.

Zumindest die Schweizer Grossbanken haben laut Stabilitätsbericht der Schweizer Nationalbank SNB ihre Kapitalsituation weiter verbessern können. Wie die SNB schreibt, habe diese sowohl in Bezug auf die risiko-gewichteten Kapitalquoten wie auch in Bezug auf die Verschuldungsquote im vergangenen Jahr weitere Fortschritte gemacht.

Mit diesen weiteren Verbesserungen in Bezug auf verlustabsorbierendes Kapital seien sowohl Credit Suisse wie auch UBS auf Kurs, um die verschärften Anforderungen der «Too big to fail»-Gesetzgebung (TBTF2) zu erfüllen. Anlass zu weniger Zuversicht gibt der «Financial Stability Report 2017» in Bezug auf die Situation am Hypothekarmarkt.

Es drohen grosse Verluste

Der Druck auf Margen und Profitabilität biete starke Anreize, bei der Hypothekenvergabe mehr Risiken einzugehen, schreibt die SNB. Der Wettbewerbsdruck von Banken und anderen Playern auf dem heimischen Hypothekarmarkt steige.

Sollten die Zinsen ruckartig steigen, würden insbesondere viele Inlandbanken hohe Verluste einfahren, schreibt die SNB. Die meisten Banken sollten demnach zwar fähig sein, diese Verluste aufzufangen, ohne dass ihre Kapitalisierung unter die regulatorischen Vorgaben fällt. Allerdings würden einige Banken mit einem signifikanten gemeinsamen Marktanteil nahe oder unter das regulatorische Minimum fallen, heisst es im Bericht.

Einschätzung von Wirtschaftsredaktorin Eveline Kobler

Die Schweizerische Nationalbank hat den Immobilienmarkt schon länger im Visier: Sie fürchtet eine Immobilienblase, deren Platzen sowohl für Banken als auch für Eigenheimbesitzer sehr schmerzhaft wäre. Entsprechend mahnt die Nationalbank die Banken regelmässig und inständig, Hypotheken nicht leichtfertig zu vergeben. Das tut sie auch am Tag ihrer jüngsten Lagebeurteilung.

Laut Nationalbank stehen die inlandorientierten Banken zwar robust da: Die meisten könnten beispielsweise eine Krise oder einen Zinsschock gut auffangen. Aber die tiefen Zinsen könnten Banken dazu verleiten, auf der Suche nach Geschäften und Renditen Hypotheken noch aggressiver zu vergeben.

In normalen Zeiten könnte die Nationalbank diese Lust auf Risiko bremsen, indem sie die Zinsen anhebt. Doch das wird sie in absehbarer Zeit kaum tun, aus Furcht, dass sonst der Franken noch stärker wird. So werden sich die Währungshüter wohl auch dieses Mal darauf beschränken, die Schweizer Banken zur Vorsicht zu mahnen und damit zu drohen, dass sie sonst bei Bedarf die Eigenkapital-Anforderungen für die Banken verschärft.