Bank Hottinger ist am Ende

Die Finma hat den Konkurs über die Zürcher Bank Hottinger eröffnet. Der Bank drohe eine Überschuldung. Solche Verfahren seien in der Schweiz sehr selten, sagt ein Finma-Sprecher. Die Bank wird liquidiert. Rund 50 Mitarbeiter verlieren die Stelle – einige Kunden möglicherweise Geld.

Firmen-Logo der Privatbank Hottinger vor einer Hausfassade

Bildlegende: Die Zürcher Privatbank Hottinger hat ihren Sitz in Zürich sowie Filialen in Genf, Basel, Sitten und Brig. PD

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht (Finma) hat den Konkurs über die Zürcher Bank Hottinger eröffnet. Der Bank drohe eine Überschuldung, schreibt die Finma in einer Mitteilung. Die Finma habe festgestellt, dass die Privatbank das gesetzlich geforderte Mindestkapital unterschreite. Gestolpert ist die Bank laut Mitteilung über stetige Verluste und ungelöste Rechtsfälle. Um welche Rechtsfälle es sich handelt, bleibt dabei unklar.

Man habe erfolglos Gespräche über eine Sanierung der Bank geführt, schreibt die Finma weiter. Zwar versuchte die Bank, eine Kapitalerhöhung durchzuführen, doch scheiterte sie damit. Irgendwann hatte die Bank weniger Kapital als gesetzlich vorgeschrieben. Auch ein geeigneter Investor zur Übernahme fehlte laut der Finma. Aus diesen Gründen müsse die Bank liquidiert werden.

Dies bringe allerdings Kosten mit sich, weshalb eine Überschuldung möglich sei. Aus diesem Grund habe die Finma den Konkurs über die Bank eröffnet.

Schon ein Fall im letzten Jahr

Laut Finma-Mediensprecher Tobias Lux kommt es sehr selten vor, dass die Finma über einer Bank den Konkurs eröffnet. Das sagte er gegenüber Radio SRF. Allerdings sei es bereits im letzten Jahr zu einem solchen Fall gekommen, als die Finma das Schicksal der Banco Espiritu Santo besiegelte. Die kleine Zürcher Bank musste in Konkurs geschickt werden, weil sie in den Jahren davor bedeutende Verluste eingefahren hatte und wegen offener Rechtsfälle hohe Rückstellungen machen musste.

Weil das Eigenkapital ungenügend gewesen sei, habe sich die Finma gezwungen gesehen, zu reagieren, so Lux. Offensichtlich wollte niemand die Bank übernehmen.

Nicht alle Kunden erhalten alles zurück

Im Fall der Bank Hottinger sei das Hauptziel der Schutz der Einleger, schreibt die Finma. Der Liquidator werde nun die Kundenguthaben bis 100'000 Franken zurückerstatten. Gemäss heutigen Berechnungen könnten diese privilegierten Einlagen mit den vorhandenen Mitteln vollumfänglich ausbezahlt werden.

Einige Kunden der Bank Hottinger hatten aber mehr als 100'000 Franken Bargeld auf dem Konto. Laut Mediensprecher Tobias Lux betrifft dies etwa 200 Personen. Ob auch sie ihr gesamtes Geld zurückerhalten, sei noch nicht sicher. Um dies herauszufinden, müssten zuerst alle Forderungen erfasst werden. Die

Gegründet wurde die Bank Hottinger im Jahr 1968. Ihre Wurzeln reichen aber weiter zurück: Seit über zwei Jahrhunderten sei die Familie Hottinger in der europäischen Banken- und Finanzwelt ein Begriff, heisst es auf der Homepage der Bank. Zuletzt beschäftigte die Bank noch rund 50 Angestellte. Sie werden die Stelle verlieren.

Fokus auf Vermögensverwaltung

Die Bank Hottinger weist eine Bilanzsumme von ungefähr 145 Millionen Franken auf, hat rund 1500 Kunden und etwa 50 Angestellte. Sie ist auf Vermögensverwaltung spezialisiert, hat ihren Hauptsitz in Zürich und Filialen in Genf, Basel, Sitten, Brig und New York.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Credit Suisse tritt auf Sparbremse

    Aus Tagesschau vom 21.10.2015

    Die CS will und muss 3,5 Milliarden Franken einsparen. Dazu soll die Grossbank umgebaut und Personal abgebaut werden - im grossen Stil. Einschätzungen von Wirtschaftsredaktor Christian Kolbe.

  • Umbau auf dem Buckel der Angestellten

    Aus Tagesschau vom 21.10.2015

    Den Umbau der CS bekommen vor allem die rund 47‘000 Angestellten zu spüren. Denn tausende Stellen werden abgebaut oder verlagert. Allein in der Schweiz sind 1‘600 Jobs betroffen.