Banken buhlen online um die Reichen

Die Grossbanken UBS und CS tun es, aber auch einige kleinere Banken: Sie bieten vermehrt Finanzanlagen digital an. Das liegt im Trend. Dieser bringt neue Nischen mit sich, auf welche sich nicht zuletzt auch Jungunternehmen spezialisieren.

Vorbei sind die Zeiten, in denen der Kundenberater mit nur ein, zwei freundlichen Gesprächen im Jahr die betuchte Klientel zufriedenstellen konnte. Die Kunden erwarten zusätzlich digitale Dienste. Doch während sich manche Bank noch schwer tut mit der Digitalisierung, treten Jungunternehmen wie True Wealth auf den Plan.


Banken buhlen online um die Reichen

3:06 min, aus HeuteMorgen vom 24.10.2015

Die etablierten Finanzdienstleister sind entsprechend unter Druck. In Sachen Digitalisierung seien die Kunden oft schon weiter als die Banken, sagt Egbert Wege von der Beratungsfirma Roland Berger. Denn bestimmte Produkte können im Bankenbereich online noch nicht abgeschlossen werden.

Zudem fehle teilweise auch noch das Angebot der Banken, Geschäfte online abwickeln zu können, fügt Egbert Wege an. Und die Gebühren sind in der Vermögensverwaltung immer noch sehr hoch. Eine gewöhnliche Bank zwackt dem Kunden jährlich etwa ein Prozent oder mehr ab auf dem verwalteten Vermögen. Jungunternehmen sorgen jedoch vermehrt für Alternativen.

Jungunternehmen nutzen neue Nische

Das Zürcher Unternehmen True Wealth bietet digital automatisierte Finanzanlagen für ein halbes Prozent der Anlagesumme an, also deutlich günstiger im Vergleich zum bisherigen Angebot einer gewöhnlichen Bank. Geschäftsführer Felix Niederer sieht zudem den Vorteil der digital automatisierten Finanzanlage darin, dass der Kunde somit keine Zeit verschwendet: Er müsse nicht zum Bankschalter gehen und sich auch nicht mit einem «Bankverkäufer» herumschlagen.

Zu kaufen gibt es bei ihm allerdings nicht einzelne Aktien und Obligationen. Investiert wird programmgesteuert in ausgewählte Anlage-Fonds. Zocker, die auf den schnellen Börsengewinn spekulieren, werden bei True Wealth nicht glücklich. Sie sind nicht das Zielpublikum. Es geht ums Anlegen nach einer langfristig ausgerichteten Strategie; aber ohne den sonst üblichen Berater, der alles gemeinsam durchgeht mit dem Kunden.

Nicht mehr der Mensch kauft oder verkauft einzelne Wertschriften, um das Portefeuille im Einklang mit der Anlagestrategie zu halten. Das übernimmt die Maschine. «Wir haben die Beratung in eine Software, in eine Online-Plattform gegossen», sagt Geschäftsführer Niederer stolz.

«Roboter-Beratung» als Alternative zum persönlichen Dialog?

Mit seiner Plattform ist der Jungunternehmer in der Schweiz ein Pionier der sogenannten Roboter-Beratung. Rechner und Algorithmen ersetzen weitgehend den persönlichen Dialog. Die reine Robo-Beratung ist allerdings selten in der Schweiz.

Blick in die Handelszentrale der UBS in Opfikon.

Bildlegende: Die Summe online verwalteter Finanzanlagen wird steigen. Keystone

Das ist eine Nische und ein Experimentierfeld für Jungunternehmen wie True Wealth. Sie kommen dank innovativer Lösungen ohne kostspielige Kundenberater aus.

Die meisten Kunden jedoch wollen beides parallel: die digitale und die klassische Finanzanlage mit persönlicher Beratung. «Vor allem geht es darum, dass der Kunde selber wählen und entscheiden kann, über welche Kanäle er welche Produkte zu welchem Zeitpunkt bezieht», sagt Finanzprofessor Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern. Die Digitalisierung sei darum wichtig für alle Banken.

Strategisch hohe Relevanz

Tatsächlich führen nun auch viele Institute neue Lösungen ein. Manche sind bereits mit eigenen, digitalen Vermögensverwaltungs-Angeboten auf dem Markt. Andere werkeln noch daran. Finanzprofessor Dietrich rechnet der strategischen Bedeutung der Digitalisierung eine grosse Bedeutung zu. Er schätzt, dass der Anteil digital verwalteter Vermögen in der Schweiz in den nächsten fünf Jahren von derzeit nur etwa 2 Prozent auf 10 Prozent oder mehr steigen könnte.