«Banken sind gezwungen, vorsichtiger zu kalkulieren»

Wer hat Angst vor der Immobilienblase? Die Behörden warnen seit langem vor einer Überhitzung des Immobilienmarktes. Nun ziehen die Banken vorsichtig die Hypothekarschraube an. Ein Gespräch mit SRF-Wirtschaftsredaktorin Eveline Kobler.

Video «Banken restriktiver bei Hypotheken» abspielen

Banken restriktiver bei Hypotheken

1:53 min, aus Tagesschau vom 24.6.2014

SRF News Online: Die Banken haben selbstregulierend einer Verschärfung bei der Hypothekarvergabe zugestimmt. Was ist der der Hintergrund dieser Massnahme?

Eveline Kobler: Ziel ist, dass die Hypothekenvergabe nicht mehr so rasant wächst. Mit dieser Massnahme sehen die Banken ihre Aufgabe erfüllt, einer möglichen Immobilienblase vorzubeugen. Nationalbank und Finanzmarktaufsicht (Finma) warnen seit langem davor. Etwa die Nationalbank betont seit geraumer Zeit, die Hypothekarvergabe wachse zu schnell gemessen an der Einkommensentwicklung oder am Bevölkerungsniveau.

Was bedeuten die neuen Hypothekarregeln für den Kunden?

Banken und Kunden sind gezwungen, die Rückzahlung der Hypothekarschulden strenger zu regeln und somit vorsichtiger zu kalkulieren. Im Zuge einer bereits bestehenden Selbstregulierung der Banken, müssen Kunden nun mehr Eigenkapital besitzen und können beispielsweise ihre Pensionskassengelder nicht mehr im gleichen Umfang einbringen wie zuvor.

Welche Hypotheken sind betroffen?

Betroffen sind nur neue Hypotheken, die zukünftig über die Belehnung von zwei Drittel hinausgehen. Wenn der Immobilienbesitzer beispielsweise seine bestehende Hypothek auf 80 Prozent erweitern möchte, muss er gemäss der neuen Vorgaben diese zusätzliche Hypothek schon in 15 und nicht wie bisher in 20 Jahren vollständig abzahlen und das künftig in regelmässigen Tranchen.

Warum gehen die Behörden von einer möglichen Immobilienblase aus?

Sie vertreten die Ansicht, dass die Banken Hypotheken zu schnell und zu leichtfertig vergeben würden und fürchten deshalb eine Überhitzung des Immobilienmarktes wie Anfang der 1990er-Jahre. Viele Eigenheimbesitzer konnten damals ihre gestiegenen Hypothekarzinsen nicht mehr bezahlen. In der Folge gerieten die Banken in Zahlungsnot und das Wirtschaftswachstum wurde abgebremst. Ein solches Szenario wollen die Behörden um jeden Preis verhindern. Darauf wollen sie es nicht noch einmal ankommen lassen. Die Gefahr besteht eben dann, wenn die Zinsen steigen.

Was wäre die Folge?

Dann steigen auch die Hypothekarzinsen. Das heisst, Eigenheimbesitzer müssen plötzlich höhere Hypothekarzinsen an ihre Banken bezahlen. Entsprechend wichtig ist es, trotz der gegenwärtig rekordtiefen Zinsen schon heute zu prüfen, ob der Eigenheimbesitzer auch höhere Zinslasten tragen könnte.

Die Bankiervereinigung hat mitgeteilt, dass man nun hoffe, dass von staatlicher Seite bis auf weiteres keine zusätzlichen Massnahmen getroffen werden.

Ob das der Bund, die Nationalbank und die Finma allerdings auch so sehen, ist offen.

Das Gespräch führte Oliver Roscher

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Thomas Jordan, Präsident des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank, am 19. Juni 2014 in Bern.

    Inland-Banken vergeben zu günstige Hypotheken

    Aus Rendez-vous vom 19.6.2014

    Mehr Eigenkapital aufbauen und Risiken abbauen: Die Nationalbank ermahnt die Schweizer Banken noch einmal. Diesmal bereiten der Schweizerischen Nationalbank aber nicht die Grossbanken Sorgen, sondern immer mehr die Inland-Banken.

    Klaus Bonanomi

  • Hypotheken noch immer günstig

    Aus Tagesschau vom 15.6.2014

    Für Hypothekenbesitzer herrschen nach wie vor paradiesische Zeiten: Die Zinsen für Festhypotheken bleiben rekordtief. Eine 10-jährige Hypothek bekommt man wieder unter der psychologischen wichtigen Grenze von 2 Prozent.