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Die CS ist nach dem Freispruch in einem Dilemma
Aus Rendez-vous vom 14.01.2020.
abspielen. Laufzeit 05:02 Minuten.
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Banken und Klimawandel «Das mit dem Klimapranger möchte ich relativieren»

Am Montag hat ein Waadtländer Bezirksgericht zwölf Klimaaktivisten freisgesprochen, die eine Filiale der Credit Suisse in Lausanne blockiert hatten. Am Dienstag gab die Staatsanwaltschaft bekannt, dass sie in Berufung gehen wird. Durch den Fall der Klimaaktivisten, sind die Banken und ihre Haltung zum Klimawandel in den Fokus geraten. Wie die Schweizerische Bankiervereinigung zu dem Thema steht, erklärt ihr Geschäftsleiter, Jörg Gasser.

Jörg Gasser

Jörg Gasser

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Jörg Gasser ist Geschäftsführer, Link öffnet in einem neuen Fenster der Schweizerischen Bankiervereinigung. Er war zuvor beim Bund Vorsteher des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen (SIF) im Rang eines Staatsserketärs.

SRF News: Ist nach dem Freispruch der Klimaaktivisten das Besetzen einer Bankfiliale als Mittel des konstruktiven Dialogs jetzt quasi statthaft?

Jürg Gasser: Das Gericht hat erstinstanzlich jedenfalls so entschieden. Allerdings ist das Urteil noch nicht rechtskräftig – und ob es einem konstruktiven Dialog tatsächlich förderlich ist, ist ebenfalls fraglich.

Die CS steht nun vor einem Dilemma: Akzeptiert die Bank das Urteil, ist dieses eine Einladung an andere Klimaaktivisten, ähnliche Aktionen durchzuführen. Wenn die CS das Urteil dagegen weiterzieht, dann steht sie am Klimapranger – und mit ihr die gesamte Bankenbranche.

Das mit dem Klimapranger möchte ich relativieren: Es ist ja nicht so, dass die CS nichts gegen den Klimawandel unternehmen würde. Wie alle anderen Banken in der Schweiz, engagiert auch sie sich stark in Sachen Nachhaltigkeit. So hat das Wachstum bei den nachhaltigen Anlagen 2019 um 80 Prozent zugenommen. Die Schweizer Banken haben momentan mit 720 Milliarden Franken in nachhaltige Anlagen investiert. Das ist fast doppelt so viel, wie in vergleichbaren Ländern.

Wir haben die Steigerung der nachhaltigen Investments als top-prioritäres Ziel definiert.

Trotzdem hat die CS rund drei Prozent ihrer Anlagen in fossile Energien investiert. Müsste dieser Anteil nicht möglichst rasch auf null Prozent sinken?

Tatsache ist: Wir müssen die Klimaziele des Pariser Abkommens möglichst rasch erreichen. Deshalb muss das Ziel der Banken sein, möglichst klimaneutrale Investments zu tätigen. Wir haben die Steigerung dieser Investments denn auch als top-prioritäres Ziel definiert, deshalb werden wir versuchen, diese Entwicklung weiter zu beschleunigen und das Investitionsvolumen in nachhaltige Anlagen rasch weiter zu vergrössern.

Wir wollen unseren Beitrag dazu leisten, die Klimaziele von Paris zu erreichen.

Gibt die Bankiervereinigung ein Ziel vor, bis wann alle Investments in fossile Energien bei Null stehen sollen?

Auch wir unterstützen die Klimaziele von Paris. Und diese definieren klar, was bis 2030 erreicht sein muss. Dazu möchten wir unseren Beitrag leisten.

Symbolbild: Windpark mit Solaranlage.
Legende: Die Bankiervereinigung setzt sich nach eigenen Angaben für nachhaltige Investments ein. imago images

Der WWF kritisiert, die Banken wüssten noch immer nicht, wie gross der CO2-Abdruck ihrer Tätigkeiten sei. Hat er damit recht?

Wir ermutigen alle Banken, am Klimaverträglichkeitstest mitzumachen, der vom Bund organisiert wird. Mit dem Test kann eine Bank feststellen, wie weit sie auf dem Weg zur Erreichung der Pariser Klimaziele schon vorwärtsgekommen ist. Wir gehen davon aus, dass viele Banken dabei mitmachen werden und wir danach wissen werden, wie es um den Fussabdruck der Schweizer Bankenbranche aussieht.

Braucht es Urteile wie jenes im Fall der Klimaaktivisten von Lausanne, um die Banken in die richtige Richtung zu bewegen?

Nein. Die Dynamik in Richtung nachhaltige Anlagen muss nicht forciert werden, sie ist schon vorhanden. Dabei darf man nicht vergessen, dass die Banken nicht selber darüber entscheiden, wie die Gelder investiert werden. Schlussendlich entscheiden das die Kunden – Anleger wie Sie und ich oder die Pensionskassen. Die Banken müssen also ihre Kunden dazu bringen, dass sie verstärkt in nachhaltige Finanzprodukte investieren. Das stellt sicher, dass wir die Pariser Klimaziele möglichst schnell erreichen.

Das Gespräch führte Simon Leu.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Ausbeuterische, vergiftende, zerstörerische (Natur, Umwelt, Tier und Menschen, Klima) Wirtschaft/Weltwirtschaft und deren mitschuldigen Befürworter/Unterstützer = verantwortungslose: Bundesrat - Parlament - Politische Parteien - Ämter/Behörden! Es geht um Geld, viel Geld und damit um verantwortungslosen "Lobbyismus- Vetternwirtschaft" (Spendengelder-Annahme, lukrative VR-Mandate)!? Verantwortungslose Schweizer Wirtschafts- und Weltwirtschafts-Politik! Konzern-Verantwortungs-Initiative = JA!
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  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Es ist defizit, dass die Schweizer Konzerne, endlich Verantwortung übernehmen müssen und entsprechend umsichtige Umwelt und Menschen schützende Schweizer- und Weltwirtschaft betreiben! Dazu bedarf es allerdings entsprechender klarer Gesetze und Kontrollen, welche weiteren Missbrauch und rücksichtsloses Handeln kontrollieren und rigide ahnden! Frage ist und bleibt weiterhin offen: wann handeln Bundesrat und Parlament endlich? "Spendengelder, lukrative VR-Mandate = Lobbyismus, Vetternwirtschaft"!?
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  • Kommentar von Konrad Pfister  (Konrad Pfister)
    Und kein Mensch scheint sich zu überlegen wie wir dran wären, wenn wir morgen keine Kohle oder Erdöl mehr hätten...
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