Banken verschlafen Innovationen – wegen Vergangenheitsbewältigung

Die Schweizer Banken ächzen. Sie sind schwer beschäftigt mit der Bereinigung von Altlasten und dem Ausbaden von früheren Fehlern. Als Folge ziehen wichtige Veränderungen an ihnen vorbei.

Ein Smartphone und ein Bankautomat.

Bildlegende: Banken verschlafen wichtige Innovationen, etwa im mobile Banking. Wegen der Vergangenheitsbewältigung, sagen Experten. Keystone

Wichtige Veränderungen scheinen die Banken zu verschlafen, sagen Experten. Etwa neue, bessere Angebote im mobilen Banking via Smartphone. Das sei zwar schon ein Thema für die Banken, sagt Branchenexperte Patrick Schwaller vom Beratungsunternehmen Ernst & Young, aber nicht ihre Stärke. Und auch nicht ihre Priorität: «Die Banken setzen den Fokus auf die Vergangenheitsbewältigung. Ihnen fehlt die Kraft und Energie, um relevante, innovative Themen anzugehen.»

Konkurrenten agiler und innovativer

Das zeigt das neue Bankenbarometer von Ernst & Young, das auf einer Umfrage bei den Finanzinstituten beruht. In der Digitalisierung sei die Branche in Rückstand geraten. «Es gibt Konkurrenten, die haben keine Vergangenheit, die zu lösen ist, wie die Schweizer Banken», sagt Schwaller. Die seien innovativer und agiler und somit kurzfristig im Vorteil.

Im Zahlungsverkehr mischen neuerdings Telekom-Firmen, aber auch grosse Internet-Konzerne wie Apple und Google den Markt auf. Mit Altlasten, wie etwa den unversteuerten Kundengeldern bei den Schweizer Banken, müssen sich diese Player nicht herumschlagen.

Herkömmliches Banking zieht Junge nicht mehr an

Noch ist der Marktanteil der neuen Konkurrenten klein. Doch besonders bei jüngeren Kunden, die mit dem Internet gross geworden sind, gewinnen sie Punkte. Schlecht für das Image der etablierten Banken sei das, warnt Bankenprofessor Maurice Pedergnana von der Hochschule Luzern: «Der Imageschaden ist gross und breit. Das zeigt sich auch bei jungen Leuten, die sich nicht mehr angezogen fühlen vom herkömmlichen Banking.»

«  Der Begriff Kunde taucht bei den relevanten Themen unter den ersten zehn Begriffen nicht einmal auf »

Maurice Pedergnana
Bankenprofessor von der Hochschule Luzern

Eigentlich müssten die Banken also mehr tun für die Zufriedenheit der Kunden. Doch sie haben offenbar andere Themen zuoberst auf der Prioritätenliste, wie die Studie von Ernst & Young belegt. Bankenprofessor Pedergnana sagt: «Das Ergebnis hat mich sehr erstaunt. Der Begriff Kunde taucht bei den relevanten Themen unter den ersten zehn Begriffen nicht einmal auf.»

Kosten auf Kunden überwälzen

Stattdessen beklagt die Branche die zunehmende Regulierung. Namentlich das vom Bundesrat geplante Finanzdienstleistungsgesetz, das den Kundenschutz verbessern soll, kritisieren die Banken. Es verursache massiv höhere Kosten.

Kosten, die an die Kunden weiter gegeben werden, fürchtet Patrick Schwaller von Ernst & Young: «Die Banken werden versuchen, sie auf die Kunden zu überwälzen.» Im Klartext heisst das: höhere Bankgebühren zulasten der Kunden. Gut möglich, dass sich die deshalb vermehrt für das Angebot der neuen Konkurrenten interessieren, statt ihr Geld brav bei der angestammten Bank aufs Konto zu legen.