Banken wollen ein Stück vom europäischen Kuchen

Das Pfand ist hoch: Schweizer Bankhäuser akzeptieren den automatischen Informationsaustausch mit der EU. Sie wollen ihn sogar rasch selbst anbieten. Im Gegenzug wollen sie auch künftig Zugang zum begehrten europäischen Markt haben.

Der Paradeplatz in Zürichs Innenstadt.

Bildlegende: Das Wahrzeichen des Finanzsektors: Schweizer Banken sind dank des Bankgeheimnisses gewachsen. Reuters

Die Verwaltung von Vermögen aus Europa hat den Schweizer Bankenplatz im letzten Jahrhundert zu dem gemacht, was er heute ist. Das Schweizer Bankgeheimnis hat dabei eine zentrale Rolle gespielt. Es hat vielen Europäern geholfen, ihre Vermögen vor dem heimischen Fiskus zu verstecken.

Nun will die EU mehr Transparenz schaffen. Die Richtlinie «Market in Financial Instruments Directive» (Mifid) soll die europäischen Banken stabiler machen. Nur wer sich an die europäischen Regeln hält, soll mit europäischen Vermögen Geschäfte machen können.

Thomas Sutter von der Bankiervereinigung betont: Für die Schweizer Banken stehe viel auf dem Spiel. Europa ist vor allem für die Vermögensverwaltung ein wichtiger Markt. Es würden insgesamt bis zu 25'000 Arbeitsplätze an diesem Geschäft hängen. Anders gesagt: Jeder fünfte Schweizer Banker arbeitet direkt für ausländische Vermögende.

Zwei Szenarien möglich

Unter Mifid werden zurzeit grundsätzlich zwei Möglichkeiten diskutiert: In dem für die Schweizer Banken besseren Fall müsste die Schweiz ihre eigene Regulierung an die europäische anpassen.

Im schlechteren Fall – und der scheint laut Beobachtern zurzeit wahrscheinlicher – dürften Geschäfte mit EU-Kunden nur noch aus der EU heraus gemacht werden. Das würde bedeuten: Schweizer Banken, die die Vermögen von EU-Bürgern verwalten, müssten in der EU eine Niederlassung haben.

Schwerwiegende Folgen drohen

Das hätte weitreichende Folgen sagt Manuel Ammann, Bankenprofessor an der Universität St.Gallen. Nicht nur direkt für die betroffenen mittelgrossen Banken, sondern auch für die gesamte Schweizer Volkswirtschaft. «Man müsste damit rechnen, dass die Arbeitsplätze, die bisher in der Schweiz waren, sich in die EU verlagern könnten», sagt Ammann.

Denn auch die grossen Banken, die bereits eine Filiale in der EU haben, würden ihre zuständigen Mitarbeiter beziehungsweise deren Arbeitsplätze in die EU zügeln. Nicht betroffen wären einzig die Inlandbanken.

Banken preschen vor

Aus Sicht der Banken ist daher Eile angesagt: Bereits diesen Herbst könnte die EU die neuen Mifid-Richtlinien beschliessen. Die Schweizer Politik müsse deshalb möglichst schnell aktiv werden und der EU beispielsweise den automatischen Informationsaustausch anbieten, heisst es bei der Bankiervereinigung.

Die Schweiz müsste der EU und vor allem ihren wohlhabenden Bürgern aufzeigen, dass sie selbst von einem starken Bankenplatz Schweiz profitieren.

Dieses Argument findet auch Ammann grundsätzlich sinnvoll: «Wenn der EU-Kunde frei aus einem sehr breiten Angebot auswählen kann, findet er wahrscheinlich am Ende die bessere Dienstleistung. Ob die EU das Argument akzeptieren wird, daran habe ich noch gewisse Zweifel.»

Auch die Bankiersvereinigung wagt keine Prognose zum Ausgang möglicher Verhandlungen mit der EU über Mifid. Der Tenor ist: Hauptsache man versucht es.

(prus;galc)