Bauarbeiter fordern mehr Lohn und weniger Stress

Ende 2015 läuft der Gesamtarbeitsvertrag für das Schweizer Baugewerbe aus. Doch schon jetzt bringen sich die Gewerkschaften und die Baumeister in Stellung für neue Verhandlungen. Die Gewerkschaft Unia will mehr Ferien am Stück herausholen, doch die Baumeister wollen davon nichts wissen.

Ein Bauarbeiter montiert eine Verschalung.

Bildlegende: Die Unia beklagt die grosse Belastung und die langen Arbeitszeiten der Bauarbeiter. Keystone/Archiv

Die Baubranche boomt. Aber die Bauarbeiter klagen über steigenden Arbeitsdruck. Das zeigt eine Umfrage der Gewerkschaft Unia bei 15'000 Bauleuten. «Mit weniger Personal wurde in den letzten zehn Jahren 40 Prozent mehr Umsatz erarbeitet», sagt Gewerkschafter Nico Lutz. «Das spüren die Leute: Sie sind total am Anschlag, der Termindruck hat zugenommen.»

Die Belastung sei gross, die Arbeitszeiten lang, so Lutz. Oft seien die Bauleute länger am Arbeiten als die üblichen neun Stunden pro Tag. Die Arbeiter häuften bis zu 100 Überstunden an. Hinzu kämen Wegzeiten, die nicht zur Arbeitszeit gehören. Das gebe Arbeitstage von bis zu 13 Stunden. Die Ergebnisse der Umfrage unter den Bauarbeitern werden am Samstag an der Bau-Landsgemeinde der Unia diskutiert.

Anliegen stossen auf taube Ohren

Keinen Diskussionsbedarf sehen indes die Baumeister. Er habe keine Anhaltspunkte für einen steigenden Arbeitsdruck auf den Baustellen, sagt Daniel Lehmann. Er ist Direktor des Baumeisterverbands.

Auch die langen Arbeitstage und die weiten Anfahrtswege seien kein Thema. Das sei auch gar nicht im Interesse der Arbeitgeber, denn «ein Bauunternehmer, der seine Leute vier bis fünf Stunden Arbeitsweg pro Tag machen lässt, verdient nichts mehr», sagt Lehmann. «Denn abgesehen von den ersten 30 Minuten, muss er jede Minute Arbeitsweg bezahlen.»

Auch andere Anliegen der Unia finden bei den Baumeistern kein Gehör. Etwa das Recht auf drei Wochen Ferien am Stück. Dies käme vor allem Bauarbeitern aus Portugal oder Spanien entgegen, die ihre Ferien in der Heimat verbringen möchten. Heute haben sie ein Anrecht auf zwei Wochen am Stück.

«Wir haben den besten GAV der Schweiz»

Nach Ansicht der Baumeister gehört das aber nicht in den Landesmantelvertrag, sondern muss in den einzelnen Betrieben geregelt werden. Sowieso sieht Lehmann vom Baumeisterverband keinen Grund, den laufenden Gesamtarbeitsvertrag zu überarbeiten. «Wir haben den besten GAV in der Schweiz. Wir sehen überhaupt keine Veranlassung, materiell etwas daran zu ändern», erklärt er.

Lehmann zählt auf: Minimallöhne für Hilfsarbeiter ohne Berufsausbildung von 4600 Franken, Minimallöhne für qualifizierte Mitarbeiter von 5600 Franken, fünf Wochen Ferien, sechs Wochen für die über 50-Jährigen, flexibler Altersrücktritt ab 60 Jahren. «Das sind Errungenschaften, die man nicht einfach beliebig erweitern kann.» Ende der Fahnenstange auch beim Lohn, denn die Baumeister befürchten, dass der Bauboom nachlassen wird.

Konflikte um Lohn sind vorprogrammiert

Lutz von der Unia versteht das nicht. «Der Umsatz und die Produktivität sind gestiegen. Doch im Portemonnaie der Bauarbeiter ist davon praktisch nichts angekommen», sagt er. «Es braucht dieses Jahr eine anständige Lohnerhöhung, auch um diesen Beruf wieder attraktiver zu machen.»

Konflikte sind also absehbar und zwar nicht erst, wenn über einen neuen Landesmantelvertrag gesprochen wird. Sondern bereits diesen Herbst, wenn die Löhne für nächstes Jahr ausgehandelt werden.