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Wirtschaft Behrings Verteidiger vom Richter ermahnt

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Basler Financier Dieter Behring gewerbsmässigen Betrug und qualifizierte Geldwäscherei vor. Zum Prozessauftakt vor dem Bundesstrafgericht stellte einer seiner Verteidiger eine gewagte Hypothese auf.

Legende: Video Finanz-Jongleur Dieter Behring vor Gericht abspielen. Laufzeit 01:34 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.05.2016.

Gemäss Anklageschrift soll der 61-jährige Behring zwischen September 1998 und Oktober 2004 gewerbsmässig Anleger betrogen haben. Die rund 2000 Geschädigten hätten insgesamt 800 Millionen Franken verloren. Das Strafverfahren wurde vor knapp zwölf Jahren aufgenommen.

Der Prozess dauert einen Monat. Behring wird vom amtlichen Verteidiger Roger Lerf sowie seinem Privatverteidiger Bruno Steiner vertreten.

Dieter Behring auf dem Weg ins Bundesstrafgericht zieht einen Rollkoffer
Legende: Dieter Behring vor dem Bundesstrafgericht auf dem Weg in den Gerichtssaal. Keystone

Zweistellige Renditen versprochen

Den Anlegern hatte Behring vorgegaukelt, er habe den «Börsencode» geknackt und dafür ein eigenes Computerprogramm geschrieben. Mit diesem liessen sich Traumrenditen von mindestens zwölf Prozent erzielen.

Zum Prozessauftakt gegen den Financier am Montag hat dessen Privatverteidiger eine gewagte Hypothese aufgestellt: 2012 müsse es zwischen Bundesstrafgericht und Bundesstaatsanwaltschaft hinsichtlich der Anklage gegen die ursprünglich zehn Beschuldigten zu einer Abstimmung gekommen sein.

Richter ermahnt Verteidiger

Deshalb habe die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen neun Beschuldigte eingestellt. Nur jenes gegen Behring sei weitergeführt worden, weil der Fall sonst vom Bundesstrafgericht nicht mehr hätte bewältigt werden können. In den Akten sei von all dem nichts zu finden. Behring und sein Verteidiger machen damit formelle Fehler geltend, wie SRF-Reporterin Viviane Manz sagt. Das ganze Verfahren sei unfair, laute deren Strategie.

Der vorsitzende Richter des Bundesstrafgerichts Daniel Kipfer Fasciati ermahnte den Privatverteidiger, keine Behauptungen aufzustellen. Er nannte die Ausführungen von Steiner «abenteuerlich».

Legende: Video Viviane Manz zum Prozessbeginn gegen Dieter Behring abspielen. Laufzeit 01:44 Minuten.
Aus Tagesschau vom 30.05.2016.

Verteidiger stellt Gerichtsfahrplan auf den Kopf

Steiner hatte erklärte, er müsse zu Beginn des Prozesses ein Plädoyer halten zum Komplott des Gerichts und der Bundesanwaltschaft gegen seinen Mandanten. Damit habe er den ganzen Zeitplan des Gerichts über den Haufen geworfen, sagt Manz. Der Staatsanwalt hält dem entgegen, der Verteidiger spiele auf Zeit.

«Klar ist, die Zeit läuft für Behring», so Manz. Denn je länger es bis zu einem allfälligen Urteil daure, umso stärker müsse das Strafmass gemildert werden. Im Extremfall könnte der Fall sogar verjähren.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von tom rosen (tom rosen)
    Na, na, Herr Kipfer, so schnell eine Ermahnung und dann gleich den Bergriff "abenteuerlich" hinterherschieben? Uiuiui, das klingt sehr nach Gerichts-Kungelei. Die wird leider auch in der Schweiz gern zwischen Staatsanwälten und Gerichten ausgeübt (man orientiert sich an den schlechten Vorbildern EU und USA). Nicht, dass Herr Behring kein Betrüger ist - allerdings sind die gierigen "Investoren", die ihm Geld anvertraut haben und die Profiteure (Banken), die ihn unterstützt haben, mitschuldig.
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (SVP-Hinterfrager)
    Die Geschichte zeigt es schön: Es steht eben jeden Tag ein Dummer auf! - Gier ist der Treiber für solche Geschichten. Es sind eigentlich alles selber Schuld!
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  • Kommentar von Alex Bauert (A. Bauert)
    Auf gut Deutsch: 400'000.- pro Geschädigtem. «Börsencode geknackt» - wer so dumm und geldgierig ist, sollte behandelt werden, wie andere Tölpel. In Deutschland wurde Geräte angeboten, mit denen man in Nachbars Wohnung schauen kann, durch die Wand, für 35 Mark damals. Geliefert wurde ein Handbohrer und ein «Spion» (wie für Türen). Gerichte schützten das, denn es sei offensichtlich, dass man nicht durch Wände schauen kann. Genauso offensichtlich, dass es keinen Börsencode zum knacken gibt.
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