Bei der CS muss das Thema Kapital weg vom Tisch

Die Credit Suisse krempelt ihr Geschäft um: Sie spart, organisiert sich neu und stockt Kapital auf. Letzteres Thema ist für Verwaltungsratspräsident Urs Rohner ein leidiges. Doch gleichwohl ist der CS-Verwaltungsratspräsident der Ansicht, dass es eine dickere Kapitaldecke braucht.

Urs Rohner

Bildlegende: Als Verwaltungsratspräsident der CS hat Urs Rohner an der neuen Strategie massgeblich mitgearbeitet. Keystone

Eine neue Struktur, neues Kapital, neue Sparmassnahmen und eine neue Wachstumsstrategie: Die Credit Suisse steht vor einem radikalen Umbau. «Wir haben ein neues Kapitel aufgeschlagen», sagt Urs Rohner, seit 2011 Verwaltungsratspräsident der Credit Suisse. Ein neues Kapitel – ein Befreiungsschlag.

«Ich wollte, dass man alles anschaut», so Rohner. Angeschaut wird insbesondere das Schweizer Geschäft der Credit Suisse – und dessen Kosten. 1600 Arbeitsplätze von insgesamt 17'000 sollen hierzulande abgebaut werden. Und das, obschon die CS auf ihrem Heimmarkt ambitiöse Wachstumspläne hat.

«Wir werden ganz bestimmt auch einen Aufbau haben von Stellen, insbesondere auch von Kundenberatern in der Schweiz. Wir wollen ja in der Schweiz wachsen in den einzelnen Geschäftsbereichen. Aber es ist auch ganz bestimmt so, dass es in den sogenannten Shared Services zu Stellenverlagerungen kommt – also in den mehr technischen und administrativen Bereichen, insbesondere der IT.»

400 Millionen Franken will die Credit Suisse in der Schweiz investieren – eine Kampfansage an die Nummer 1, die UBS. Wachsen will die CS nicht zuletzt, indem sie andere Banken übernimmt. Das Vermögensverwaltungsgeschäft soll gestärkt werden – auch ausserhalb der Schweiz. Die Credit Suisse interessiert sich vor allem für sehr reiche Kunden in Asien.

«  Wenn Sie die Frage gestellt bekommen, ob Sie genug Kapital hätten, ist es eigentlich schon ein Beleg dafür, dass Sie zu wenig haben. »

Urs Rohner
Verwaltungsratspräsident der CS

Das risikoreiche, kapital-intensive Investment-Banking wird verkleinert. Dennoch stockt die CS ihr Eigenkapital um 6 Milliarden Franken auf. Auch weil der Bundesrat diese Woche schäfere Vorgaben gemacht hat. Die Credit Suisse trägt diese Vorgaben mit – wenn auch mit Zähneknirschen. Verwaltungsratspräsident Urs Rohner ist gleichwohl der Ansicht, dass es eine dickere Kapitaldecke brauche.

«Wenn Sie die Frage gestellt bekommen, ob Sie genug Kapital hätten, ist es eigentlich schon ein Beleg dafür, dass Sie zu wenig haben. Nicht technisch gesehen und in der Verlustabsorbierung – aber in der Wahrnehmung. Das heisst, das Thema Kapital muss weg vom Tisch.»

«  Sie können auch den Weltuntergang als Basis nehmen für ihre Prognosen. »

Urs Rohner
Verwaltungsratspräsident der CS

Diese leidige Kapital-Diskussion wolle die Credit Suisse nun ein für allemal hinter sich lassen. Ob ihr das gelingt, ist nicht unumstritten unter Bank-Experten. Einige sagen, dass die CS weiteres Kapital brauchen werde. Urs Rohner lässt das aber kalt:

«Offen gestanden teile ich diese Auffassung nicht. Aber sie können auch den Weltuntergang als Basis nehmen für ihre Prognosen. Dann werden sie sagen, dass alle noch zu wenig Kapital haben.»

(srf/bers; muei)

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