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Wirtschaft Beim US-Pass sehen Schweizer Banken rot

Sie sind Schweizer, doch ein Konto bei einer Schweizer Bank dürfen sie nicht mehr haben. Und das nicht etwa, weil sie sich etwas hätten zu Schulden kommen lassen. Sondern bloss, weil sie im Ausland leben oder neben dem Schweizer auch einen amerikanischen Pass besitzen. Das ist ein Problem.

Eine Hand reicht einer anderen zwei Pässe: Den Schweizer und den US-Pass.
Legende: Schwierige Situation für Doppelbürger: Der US-Pass ist bei Schweizer Banken nicht mehr gern gesehen. Keystone

Die US-Justiz springt mit den Schweizer Banken hart um. Das hat Folgen – auch für die Kundschaft. Es häufen sich die Fälle, bei denen Banken sogenannte US-Personen vor die Tür stellen. Darunter sind zum Beispiel Schweizer, die in den USA wohnen.

Porträt von Bankenombudsman Franchetti (Bild von 2013).
Legende: Franchetti vertritt Kunden, die vor die Tür gesetzt wurden. Keystone/Archiv

Das Problem beschäftigt Marco Franchetti, den neuen schweizerischen Bankenombudsmann. Er kann die Banken zwar nicht zwingen, mit den betroffenen Kunden im Geschäft zu bleiben: «Das ist eine geschäftspolitische Frage, für die der Bankenombudsmann nicht zuständig ist.»

Doch er kann zumindest an die Fairness appellieren: «Wir schauen, dass die Kunden korrekt behandelt werden. Es gibt Fälle, bei denen wir intervenieren, wenn wir sehen, dass diese Fairness nicht erfolgt ist.»

Angst, mit US-Recht in Konflikt zu kommen

Manchmal erhöht die Bank drastisch die Gebühren, um den Kunden los zu werden. Manchmal führt sie Kontoüberweisungen nicht mehr aus, oder sie verweigert die Auszahlung in Bar. Die Bank fürchtet, mit dem Recht im Ausland in Konflikt zu kommen. «Jetzt überlegen sich die Banken generell, mit welchen Kunden, mit welchen Ländern sie noch arbeiten wollen. Denn die Risiken und Kosten sind höher.»

In einigen Fällen konnte Franchetti den Konflikt entschärfen, indem er zwischen den Parteien vermittelte. Etwa im Falle einer betagten Schweizer Kundin, die in den USA lebt. Die Bank kündigte ihr Konto. Sie musste zuerst nachweisen, dass sie ihr Geld versteuert hatte. Danach durfte sie es doch noch überweisen.

Weitreichende Konsequenzen für Betroffene

Nicht immer gehen die Konflikte so glimpflich aus. «Ich hatte einmal einen schweizerisch-amerikanischen Doppelbürger, der in der Schweiz geboren ist und immer hier gelebt hat. Er war Unternehmer und hatte ein Haus und andere Aktivitäten in der Schweiz. Das heisst, für seine Privatkonten, seine Hypothek und sein Unternehmen war es ein Problem, als die Bank nicht mehr mit ihm arbeiten wollte.»

Kunden mit ausländischem Pass müssen sich auf solche Schwierigkeiten gefasst machen. Ab und zu kann der Ombudsmann vermitteln. Doch häufig ist auch er machtlos.

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35 Kommentare

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  • Kommentar von Ch. Gerber, Basel
    Eine diskriminierung ist das.
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  • Kommentar von Arnold Piehl, San Frncisco
    Amerika mit 300 millionen Einwhohnern braucht die Schweiz mit 7 millionen nicht, aber umgekehrt sieht es anders aus. Das beweist das jetzige Verhalten nur schon der schweizer Banken die fast alle FACTA unterzeichnet haben. Ihr Kommentar, Herr Dreier, zeugt von halb informierter Kleinstirnigkeit die der Schweiz nicht bekommt.
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    1. Antwort von Eddy Dreier, Burgdorf
      Im Gegenteil. Man muss sich nicht mit dem Teufel einlassen, nur weil man da auch noch etwas verdienen könnte. Wissen Sie, um das richtige zu tun, verzichte ich noch gerne auf etwas Wohlstand. Das ist Grösse.
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  • Kommentar von Eddy Dreier, Burgdorf
    Es gehört doch in jeden Kauf-, Nutzungs-, Miet-, oder anderweitigen Vertrag, das man keine Amerikaner erwünscht und auch nicht akzeptiert. Wer will schon auf 80 mio. $ verklagt werden, weil sich der Mieter beim Kochen am Herd verbrannt hat!? Wer will schon auf 80 mio. $ verklagt werden, weil der Software-Nutzer den Zug verpasst hat. Es ist letztlich die folgerichtige Konsequenz, den Boomerang des amerikanischen Verhaltens. US-Bürger gehört eine Zusammenarbeit verweigert.
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