Belasten die Probleme in Asien Nestlés Bilanz?

Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé hat zuletzt vor allem mit dem Streit um angeblich bleiverseuchte Nudeln in Indien Schlagzeilen gemacht. Wie sich der Skandal auf die Gesamtbilanz auswirkt, zeigt sich heute Morgen. Dann veröffentlicht Nestlé seine Zahlen für 2015.

Indische Kinder halten Nudelpackungen von Nestlé in die Höhe und protestieren.

Bildlegende: Kinder-Protest: Monatelang stritt Nestlé mit indischen Behörden über angeblich zu hohe Bleiwerte in Instant-Nudeln. Keystone

Was die Fertignudeln angeht, ist das Schlimmste vorbei: Nestlé darf seine Maggi-Gerichte seit November wieder in Indien verkaufen. Das dürfte das Wachstum im vierten Quartal etwas beschleunigt haben.

Doch der Konzern kämpft nicht nur in Indien mit Problemen: Auch in China, einem weiteren wichtigen Markt, gab es im vergangenen Jahr Gegenwind. Nestlé hatte die Bedürfnisse der chinesischen Konsumenten falsch eingeschätzt und den Trend zu e-Commerce zu spät erkannt.

Um das China-Geschäft in Ordnung zu bringen, schickte Nestlé Mitte des Jahres die frühere Finanzchefin Wan Ling Martello ins Reich der Mitte. Sie gleiste unter anderem eine Kooperation zwischen Nestlé und dem Online-Händler Ali Baba auf.

Tiefkühlsparte in den USA wieder fit

Auch in den USA hat der Konzern aufgeräumt und seine lange darbende Tiefkühlsparte auf Vordermann gebracht. Ob das alles schon Früchte trägt, wird sich in Kürze zeigen, wenn Nestlé die Bücher öffnet.


Das Jahr, das war: Nestlés 2015

1:44 min, aus HeuteMorgen vom 18.02.2016

Eines steht aber schon fest: Seine eigenen Umsatzziele – mit 5 bis 6 Prozent organisches Wachstum – dürfte der Nahrungsmittelkonzern ein weiteres Mal deutlich verfehlt haben. Analysten, die im Vorfeld ihre Schätzungen abgegeben haben, rechnen im Durchschnitt nur noch mit einem Plus von 4,3 Prozent.

Sonderdividende ist gut möglich

Gewisse Ermüdungserscheinungen zeigen sich aber nicht nur bei Nestlé: Auch Konkurrenten wie Danone oder Unilever leiden unter schwachem Wachstum. Was auch daran liegt, dass Schwellenländermärkte wie Brasilien, die noch vor einigen Jahren das Geschäft befeuert haben, in der Wirtschaftskrise stecken. Die Konsumenten dort kauften deshalb weniger Schokoriegel und Pulverkaffee.

Auch wenn die Zahlen schwächer ausfallen, dürfen Nestlé-Aktionäre hoffen: Gut möglich, dass Nestlé eine Sonderdividende ankündigt. Denn im 150. Gründungsjahr schlägt sich der Konzern alles in allem immer noch recht solide.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Nestlé enttäuscht im dritten Quartal

    Aus Tagesschau vom 16.10.2015

    Die Verkäufe des Nahrungsmittelkonzerns Nestlé sind im dritten Quartal auf 65 Milliarden Franken eingebrochen. Nestlé senkt darum seine Wachstumsprognosen von 5 auf 4.5 Prozent. Einschätzungen von SRF-Wirtschaftsredaktorin Marianne Fassbind.

  • China ist mittlerweile der zweitgrösste Markt für Nestlé - hinter den USA.

    Nestlé tut sich schwer in China

    Aus Rendez-vous vom 13.8.2015

    Nestlé hat schon bessere Zeiten erlebt: Im ersten Halbjahr hat nicht nur der Skandal um bleiverseuchte Nudeln in Indien das Geschäft gebremst, sondern auch die Zurückhaltung der Konsumenten in China.

    Trotz Milliarden-Investitionen trifft Nestlé scheinbar den Geschmack der Chinesinnen und Chinesen nicht.

    Maren Peters

  •  Indische Mädchen essen Nudeln in Ahmadabad, Indien. Die Maggi-Instant-Nudeln sind in Indien ungemein beliebt.

    Lebensmittelskandel um Nestlé in Indien

    Aus Echo der Zeit vom 5.6.2015

    Indien verbietet den Verkauf von Maggi-Nudeln. Begründung: Sie hätten zu hohe Bleiwerte. Nestlé versichert, die Nudeln seien nicht gesundheitsgefährdend, hat sie aber aus den Regalen genommen. Konzernchef Paul Bulcke reist extra nach Delhi, um die Wogen zu glätten.

    Beitrag und Gespräch mit NZZ-Korrespondent Volker Pabst.

    Klaus Ammann und Simone Fatzer

  • Wenn es drum ginge, weiter in der Schweiz zu investieren, würde er sich das zwei Mal überlegen, sagt Nestlé-Chef Paul Bulcke.

    Nestlé und der Standort Schweiz

    Aus Rendez-vous vom 19.2.2015

    Die flaue Wirtschaftslage in Europa hat dazu beigetragen, dass Nestlé 2014 das Ziel von fünf bis sechs Prozent Wachstum zum zweiten Mal in Folge verpasst hat. Trotz schwächerem Umsatz ist aber der Gewinn des Schweizer Nahrungsmittelkonzerns gewachsen. Was bedeutet dies für den Standort Schweiz?

    Maren Peters