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Wirtschaft Beliebte Trusts: Wie Geld am Fiskus vorbeigeschleust wird

Die jüngsten Enthüllungen über Steueroasen sorgen weiter für Schlagzeilen. Auch der verstorbene Millionär Gunter Sachs soll mit Hilfe von Trusts Geld in Steueroasen angelegt haben. Nicht alles sei bei den Steuerbehörden deklariert gewesen, schreiben verschiedene Medien. Alles legal?

Die Abgrenzung zwischen legal und illegal sei nicht so einfach, sagt Monika Roth, Wirtschaftsstrafrechtlerin an der Hochschule Luzern. Zu sagen, alle Trusts dienten per se der Steuerhinterziehung, sei sicher falsch. «Man kann das nicht generalisieren, sondern man muss von Fall zu Fall beurteilen, was der Zweck des Trusts war.»

Eine Art Stiftung

Ein Trust sei erst einmal eine rechtliche Beziehung, in der ein Geldgeber einem Treuhänder sein Vermögen oder Teile davon anvertraue – eine Art Siftung. Mit dem Ziel, dass der Treuhänder – eine Bank oder ein Notar – dieses Vermögen verwaltet und dann Zahlungen etwa an Erben vornimmt. Es gebe durchaus wirtschaftlich nachvollziehbare Argumente, warum man so einen Trust einrichte, sagt Roth.

Dem stimmt auch Andreas Missbach von der Nichtregierungsorganisation Erklärung von Bern zu. Aber warum sollte man für Erbzwecke extra einen Trust einrichten, womöglich noch mit Sitz in einer Steueroase? «Der Vorteil des Trusts ist, dass der Vermögensbesitzer sein Geld in Trusts nicht versteuern muss. Denn er hat ja keinen Zugriff mehr darauf.»

Person mit steuerfreiem Einkommen

Wenn aber der Stifter dieselbe Person sei wie der Begünstigte, bedeute das, dass die Person ein steuerfreies Einkommen habe. «Und genau das ist passiert. Das sollte theoretisch nicht sein.» Es sei aber sehr einfach machbar. «Zum Beispiel gründet der Begünstigte offiziell eine panamesische Firma. Hinter dieser Firma steht aber der eigentliche Stifter.» Die panamesische Firma habe dann ein Konto bei einer Schweizer Bank. «Und über die kann man sogar eine Kreditkarte laufen lassen.»

Aktenkoffer gefüllt mit Schweizer Geld.
Legende: Wie viel Schweizer Geld ist in Trusts versteckt? Keystone

Deshalb sei das Instrument Trust so beliebt. Es erlaube, ziemlich wasserdicht, Vermögen vor den Steuerbehörden zu verstecken und gleichzeitig relativ einfach Zugriff darauf zu haben.

Die Grenzziehung zwischen legal und illegal sei allerdings sehr schwierig, sagt Wirtschaftsrechtlerin Roth. Es gebe einen grossen Graubereich. «Der Eindruck kann entstehen, dass es eine ganze Schicht von Leuten in der Gesellschaft gibt – sehr Reiche – die sich diese Strukturen leisten können, und sich so jeglicher Verpflichtungen entziehen.»

Spitze des Eisbergs

Die jetzt veröffentlichten Daten erwecken erst recht den Eindruck, dass Trusts zum Zweck der Steuerhinterziehung sehr verbreitet sind. Und selbst sie dürften nur die Spitze des Eisbergs abbilden.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Kurt E. Müller, Zürich
    Es ist aber ein Unterschied, ob die Person wirklich "ein steuerfreies Einkommen" hat (wie es im Artikel heisst) oder ein hinterzogenes Einkommen. Vom mir aus gesehen müsste die Person die Zahlungen aus Panama als Einkommen versteuern. Macht sie das nicht, ist es eben Steuerhinterziehung, einfach schwieriger nachzuweisen als ein Schwarzgeldkonto direkt auf den Namen dieser Person.
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