Berlusconi baut sein Medienimperium weiter aus

Politisch zwar weitgehend kaltgestellt, ist Silvio Berlusconi wirtschaftlich mit seiner Familie mächtig wie eh und je. Mit Mondadori besitzt Berlusconi den grössten Verlag italienischer Sprache. Nun kauft er mit Rizzòli auch den zweitgrössten. Eine derartige Konzentration ist in Europa einzigartig.

Silvio Berlusconi

Bildlegende: Silvio Berlusconi, ehemaliger Premierminister Italiens, widmet sich nun wieder den Geschäften. Keystone/Archiv


Berlusconis wachsendes Verlagsimperium

2:54 min, aus Echo der Zeit vom 06.10.2015

Umberto Eco ist der Bekannteste. Auch er publiziert bei einem Verlag der Rizzoli-Gruppe. Eco und 50 weitere italienische Autorinnen und Autoren wehrten sich, als die Fusion ruchbar wurde, schrieben an gegen die Geburt dieses Monsterverlags, allerdings vergeblich.

Die Rizzoli-Gruppe ist hoch verschuldet, ihre Verlage waren damit eine leichte Beute. Einzig die italienische Wettbewerbsbehörde kann noch intervenieren, doch es ist unwahrscheinlich, dass sie die Übernahme stoppt.

40 Prozent Marktanteil bei den Büchern

Die Berlusconi-Verlage sind in den Händen seiner Tochter Marina. Sie wird wohl bald Herrin über ein Imperium, das seinesgleichen sucht, mit 40 Prozent Marktanteil. Bertelsmann in Deutschland bringt es auf 23 Prozent oder Penguin Random House in Grossbritannien auf 26 Prozent.

Dazu kommt bekanntlich die Fernsehmacht. Berlusconis TV-Kanäle dominieren den privaten Markt mit ihrem weitgehend kommerziellen Einheitsbrei. Gleiches drohe nun dem Verlagswesen, nämlich der freie Fall, befürchten die Kritiker.

Allerdings gibt es auch Autoren, die dagegen halten: Fernsehen und Verlage seien nicht zu vergleichen. Tatsächlich lässt sich festhalten: Während fast alle Italiener viel und häufig fernsehen, lesen nur wenige Bücher. Mehr als die Hälfte hat in den letzten Jahren nie ein Buch angerührt. In diesem schwierigen Markt hat Berlusconi den Verlagen und Autoren ihre Unabhängigkeit gelassen. Vor Jahren schluckte er den linken Traditionsverlag Einaudi, ohne ihm einen neuen politischen Kurs aufzuzwingen. Tatsächlich wissen Berlusconi und seine Tochter, dass Einaudi nur dann Bücher verkauft und Geld einbringt, wenn er seine Nische behält.

Kulturminister warnte vor Monopolisierung der Verlagswelt

Italiens Kulturminister Franceschini hat noch im Frühjahr eindringlich gewarnt. Die Monopolisierung der italienischen Verlagswelt sei eine grosse Gefahr. Zurückgepfiffen wurde Franceschini damals von seinem Chef, von Premier Renzi. Die Politik solle sich raushalten. Viele sahen darin ein stilles Zugeständnis an Berlusconi. ein böser Verdacht.

Tatsache ist: Renzi paktierte mit Berlusconi, um seine Reformen durchzubringen. Was der Preis dafür war, wurde selbstverständlich nie kommuniziert.