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Berufliche Vorsorge Axa bietet KMU keinen Rundumschutz mehr

Legende: Video Bessere Rendite, höheres Risiko abspielen. Laufzeit 01:09 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 10.04.2018.

Axa Schweiz zieht sich aus dem Geschäft mit Vollversicherungen bei der beruflichen Vorsorge zurück. Man wolle künftig auf teilautonome Vorsorgeangebote setzen, teilte Axa mit. Das Geschäft mit den Vollversicherungen rentiere für den Versicherungskonzern nicht mehr, erklärt SRF-Wirtschaftsredaktorin Charlotte Jacquemart.

Vor allem KMU betroffen

Kleine und mittlere Betriebe (KMU) wählten für ihre Angestellten Vollversicherungen. So konnten sie alles, was mit der Pensionskasse zu tun hatte, von der Axa erledigen lassen. Für die betroffenen Unternehmen mit ihren 260'000 Versicherten bedeutet die Ankündigung nun aber: Sie tragen künftig das Anlagerisiko ihrer Pensionskassengelder selbst, dafür sinken die Risikoprämien durchschnittlich um 30 Prozent (siehe Box).

Zudem kann ein grösserer Teil des Kapitals der Versicherten in Aktien angelegt werden. Bei der Vollversicherung war das praktisch nicht der Fall, wegen der hohen Sicherheiten, die die Axa garantieren musste.

So unterscheiden sich die Versicherungslösungen

Bei Vollversicherungen muss der Versicherer die Altersguthaben mit dem gesetzlichen Mindestzinssatz verzinsen - unabhängig davon, ob er auf den investierten Altersguthaben die entsprechende Rendite erzielt. Vor allem kleine Betriebe entscheiden sich oft für diese Lösung. Bei teilautonomen Vorsorgeangeboten trägt der Versicherer das Risiko von Todesfall und Invalidität, das Anlagerisiko lagert er aber aus. Grosse, kapitalkräftige Unternehmen führen oft eine eigene, autonome Pensionskasse. In diesem Fall trägt die Vorsorgeeinrichtung des Unternehmens das Todesfall- und Invaliditätsrisiko ihrer Mitglieder sowie das Anlagerisiko selbst.

Laut Axa bevorzugten in den vergangenen Jahren immer mehr Unternehmen eine teilautonome Versicherungslösung. Der Trend weg von Vollversicherungen betrifft den gesamten Schweizer Vorsorgemarkt, wie Zahlen der Finanzmarktaufsicht Finma zeigen.

Demnach ist das Prämienvolumen der privaten Schweizer Lebensversicherer in der beruflichen Vorsorge 2016 um 6 Prozent auf 23 Milliarden Franken gesunken.

Finma: Lebensversicherer beschränken das Geschäft

Das zeige, dass die Lebensversicherer das Neugeschäft in der Vollversicherung immer stärker beschränkten, schrieb die Finma letzten September. Kein Lebensversicherer bot zusätzliche Kapazität an, und neue Anbieter habe es seit über zehn Jahren keine mehr gegeben.

Hauptursache ist gemäss Finma, dass das Kapital, das die Versicherer für die Vollversicherung bereitstellen müssen, zu wenig hoch verzinst wird.

Axa begründet den Rückzug aus den Vollversicherungen in einer Mitteilung vom Dienstag mit den anhaltend tiefen Zinsen, einer zunehmenden Umverteilung zulasten der Berufstätigen und einem engen Anlagekorsett.

Das habe in den letzten Jahren zu einem immer unvorteilhafteren Preis-Leistungs-Verhältnis für die Firmen und ihre Angestellten geführt. Bestehende Vollversicherungen werden 2019 in drei teilautonome Sammelstiftungen umgewandelt.

Die Konkurrenz bleibt im Geschäft

Einen anderen Weg als die Axa geht Marktführerin Swiss Life. Sie wolle weiterhin Vollversicherungen anbieten, heisst es in einer Mitteilung. Insbesondere für Unternehmen, die selber über eine eingeschränkte Risikofähigkeit verfügten, sei dieses Angebot sehr wichtig.

Die Bâloise schreibt in einer Stellungnahme, sie verfolge seit einigen Jahren die Strategie, nur noch selektiv Vollversicherungsverträge zu zeichnen. Unabhängig von strategischen Entscheidungen von Mitbewerbern werde man aber an diesem Geschäft festhalten.

Auch die Helvetia will im Geschäft mit Vollversicherungen bleiben. Aber auch sie agiere beim Zeichnen von neuen Kundenverträgen selektiver als früher.

Das sagt SRF-Wirtschaftsredaktorin Charlotte Jacquemart:

Die betroffenen Unternehmen habe nun drei Möglichkeiten: Entweder sie bleiben bei der Axa und wechseln dort in eine teilautonome Versicherungslösung. Oder sie suchen einen anderen Anbieter einer teilautonomen Versicherung. Sie können auch zu einem Institut wechseln, das noch Vollversicherungen anbietet.

Das ändert: Unternehmen, die zu einer teilautonomen Versicherung wechseln, tragen das Anlagerisiko künftig selber. Das heisst: Sollte die betreffende Pensionskasse in eine Unterdeckung geraten, müssten Arbeitgeber und -nehmer Sanierungsbeiträge leisten. Im Gegenzug sinken die Risikoprämien.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von Andrea Esslinger (weiterdenken)
    War stehts ein Winterthur-Versicherter. Als die Franzosen die Winterthur übernommen haben, hab ich alle meine Policen gekündigt und bin zu einer Genossenschaftsversicherung gewechselt. Hab's nie bereut.
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  • Kommentar von Adrian Flükiger (Ädu)
    Ein folgerichtiger Entscheid, den ich trotzdem falsch finde. Aber, die KMU müssen nicht jammern. Sie sind es nicht nur, die bisher jede Verschlechterung des Umwandlungssatzes für ihre Angestellten klaglos hinnehmen, nein noch schlimmer: sie sind es die ihren politischen "Vertretern" dazu jederzeit blindlings folgen. Das ist und bleibt das Hauptproblem. Denn, das Risiko bleibt abermals auch an den Angestellten hängen. Leute, wehrt euch endlich!
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  • Kommentar von lukas Dieterle (lucky)
    Das Wirtschaftsmagazin ECO hatte mal berichtet, dass die Kosten für dass Vollversicherungsmodell für die Kunden ca. 5x höher sind im Vergleich zu den normalen Pensionskassen. Somit ist es nur gut für die Leute, wenn die AXA aus dem Geschäft aussteigt. Die sogenannten Garantien werden ja eh nicht eingehalten, ob Vollvwesicherung oder nicht!
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