Betonharte Lohnfronten im Baugewerbe

Der Lohnherbst ist in vollem Gange: In zahlreichen Branchen feilschen derzeit Arbeitgeber und Arbeitnehmer über Lohnerhöhungen. Nicht so im Baugewerbe: Dort sind sich der Baumeisterverband und die Gewerkschaften in die Haare geraten, noch bevor die Verhandlungen überhaupt angefangen haben.

Ein Helm und ein Hammer

Bildlegende: Helmpflicht für Verhandlungsführer? Angesichts der verhärteten Fronten im Baugewerbe vielleicht eine gute Idee. Keystone

Eigentlich hätten diese Woche die alljährlichen Lohnverhandlungen im Baugewerbe beginnen sollen. Eigentlich. Doch der Baumeisterverband hat abgewinkt und will nun zuerst im Zentralvorstand das weitere Vorgehen beraten.

Gewerkschaften vorgeprescht

«Sollen wir, bei der Atmosphäre, die bereits im Vorfeld der Verhandlungen herrscht, überhaupt auf diese Lohngespräche eintreten?», fragt Daniel Lehmann, der Direktor des Baumeisterverbandes. Sein Vorwurf: Die Gewerkschaften hätten im Vorfeld provoziert – sie hätten mit ihrer öffentlichen Forderung nach einer generellen Lohnerhöhung von 150 Franken pro Bauarbeiter böse Stimmung gemacht.

Bau-Konjunktur läuft gut

Alles pure Provokation? Der zuständige Unia-Fachmann Nico Lutz winkt ab. Sie hätten ihre Lohnforderungen schon immer bereits im Vorfeld publik gemacht, und auch auf den Baustellen dafür geweibelt: «Wir haben eher das Gefühl, den Baumeistern fehlen die Argumente.» Die Auftragsbücher auf dem Bau seien voll, die Angestellten würden hart arbeiten. Da gebe es keine Argumente gegen eine Lohnerhöhung.

Auch ohne dieses Gezänk über allfällige Provokationen der einen oder der anderen Seite gäbe die Lohnfrage an sich dieses Jahr genügend Stoff für harte Verhandlungen. Die boomende Bau-Konjunktur spricht für höhere Löhne; die fehlende Teuerung dagegen.

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