Biomet: Für Schweizer Medizintechnik enden die goldenen Zeiten

Es ist eine Hiobsbotschaft für die 230 Angestellten der Biomet in Le Locle im Kanton Neuenburg. Das US-Unternehmen, das in der Medizin-Technik tätig ist, schliesst seine Produktion innert eines Jahrs. Es ist nicht das einzige Medizin-Tech-Unternehmen, das der Schweiz den Rücken kehrt.

Aufnahme zweier Technikerhände, die ein künstliches Hüftgelenk der Firma Sulzer halten.

Bildlegende: Weltweit wird gespart. Für Schweizer Hersteller von Medizintechnik eine bittere Pille. Keystone

Die Biomet-Angestellten haben noch etwas Zeit. Bis Juni 2014 gebe es keine Entlassungen. Das versicherten die Verantwortlichen ihrem Personal heute Nachmittag. Ein Sozialplan sei vorhanden, und das Unternehmen werde den Betroffenen helfen, eine neue Stelle zu finden.

Neuenburg und Unia enttäuscht

Das Werk in Le Locle (NE) beschäftigt derzeit noch rund 230 Angestellte. Die Gewerkschaft Unia und die Neuenburger Regierung sprechen gar von 245 respektive 260 Mitarbeitern, die betroffen sind.

Die Gewerkschaft Unia und die Neuenburger Regierung zeigten sich von der Schliessung enttäuscht. «Wir sind ziemlich verbittert über diese Entscheidung, denn wir haben uns sehr angestrengt, dem Unternehmen glaubwürdige Vorschläge zu unterbreiten, wie die Wettbewerbsfähigkeit des Werks verbessert werden könnte», sagte der Neuenburger Wirtschaftsdirektor Jean-Nat Karakash gegenüber den Medien. Seine Direktion will nun mit Biomet zusammenarbeiten, um eine Verbesserung des angebotenen Sozialplans zu erreichen.

Frankenstärke ist Schwäche der Branche

Biomet stellt unter anderem künstliche Hüft- und Kniegelenke her. Teure Qualitäts-Produkte für die Medizin. Und das rechnet sich offensichtlich nicht mehr im Neuenburger Jura. Die Produktion wird an andere Standorte von Biomet verlagert oder an Zuliefer-Firmen abgegeben.

Biomet begründet dies mit dem Kostendruck: Viele Länder sparen im Gesundheitswesen, und die Politik verlangt tiefere Preise für medizinische Spezialprodukte. In der zersplitterten Branche ist der Konkurrenzkampf hart. Die Margen schwinden. In der Produktion kommt es auf jeden Franken an.

Daher ist der starke Franken ein gewichtiger Nachteil für export-orientierte Medizin-Technik-Unternehmen, die in der Schweiz produzieren.

Steifer Gegenwind für die Branche

Aus den gleichen Gründen hat Anfang Monat bereits Medtronic im Thurgau einen Abbau angekündigt. Medtronic schliesst seine Tochtergesellschaft Invatec, die Herz-Kreislauf-Instrumente herstellt. Hier gehen fast 170 Stellen verloren.

Die Schweiz gilt als globaler «Hot Spot» für die Medizintechnik. Die Branche hat sich in den vergangenen Jahren zu einer eigentlichen Perle des hiesigen Werkplatzes entwickelt. Doch nun bläst den Schweizer Medizintechnik-Unternehmen mit ihren insgesamt über 50'000 Beschäftigten ein eisiger Wind entgegen.

Zweistellige Wachstumsraten, an die man sich schon fast gewöhnt hat, gehören der Vergangenheit an. Experten rechnen für das laufende Jahr mit einem Wachstum von noch etwa 6 Prozent. Immerhin.

Die Politik ist gefragt

Doch viele Unternehmen drohten aus der Schweiz abzuwandern, heisst es in einem umfassenden Branchenbericht, der im vergangenen Herbst veröffentlicht wurde. Vor allem kleinere Zuliefer-Betriebe stünden vor schwierigen Zeiten.

Aber auch die Grossen der Branche stehen unter Druck. Beispielsweise die Zahnimplantate-Hersteller Nobel Biocare und Straumann. Die Unternehmen reagieren unter anderem mit der Lancierung einer Art Billig-Linie für Länder, in denen sich die Kundschaft nicht die teuersten Produkte leisten kann. Aber auch das drückt auf Umsatz und Gewinn.

Lösungsansätze sehen die Autoren des Branchenberichts unter anderem in der Bildung von Netzwerken, so genannten Clustern, wo die Anbieter von Gesundheitsleistungen und -produkten enger zusammenarbeiten könnten. Die Politik solle solche Netzwerke fördern. Und sie wird aufgefordert, bei Freihandelsverhandlungen einen optimalen Marktzugang für Medizintechnik-Firmen in wichtigen Gesundheitsmärkten heraus zu handeln.