Biotech: Know-How aus der Schweiz, Geld aus dem Ausland

In der Pharmabranche sind die Biotech-Firmen derzeit die grossen Stars. Auch in der Schweiz boomt die Branche. Ihr Kapital muss sie sich allerdings vornehmlich im Ausland beschaffen.

Zwei Hände halten eine Glasplatte mit DNA vor eine UV-Lichtquelle.

Bildlegende: Die Biotechnologie ist die Anwendung von Wissenschaft und Technik auf lebende Organismen. Keystone

Die Lausanner Firma AC Immune forscht an Wirkstoffen gegen Alzheimer und die Basler Firma Crispr arbeitet an einer Methode, mit der sich gentechnisch veränderte Organismen erzeugen lassen. Beide Unternehmen sind inzwischen so stark gewachsen, dass sie mehr Kapital benötigen. Sie wagen daher den Schritt an die Börse – aber nicht an die Schweizer Börse, sondern die amerikanische Nasdaq. AC Immune hat den Börsengang bereits erfolgreich hinter sich gebracht, bei Crispr ist es geplant.

Mehr Mut zu Risiko

Warum geht ein Schweizer Unternehmen an die US-Börse? Biotech-Experte Jürg Zürcher von Ernst & Young Schweiz sagt, diesen Weg wählten vor allem Firmen, die bereits in der Startphase von Geldgebern aus den USA unterstützt worden seien. «Sie glauben, es gebe in den USA bessere Investoren oder man finde sich mit den dortigen Regeln besser zurecht.»

Die Investoren aus den USA sind generell risikofreudiger. Laut einem Bericht von Ernst & Young haben innovative Firmen aus Europa und den USA 80 Prozent ihres Kapitals von US-Investoren bekommen. Schweizer Kapitalgeber steuern nur gerade drei Prozent Kapital bei.

Grössere Aufmerksamkeit

Es gibt aber noch weitere Gründe für den Gang an die Nasdaq. Die USA seien in Sachen Biotech «en vogue», wie es Zürcher beschreibt. Bereits über 430 Firmen seien dort an der Börse kotiert. Deshalb werde ihnen grosse Aufmerksamkeit geschenkt. Viele Bankanalysten beobachteten den Geschäftsgang dieser Firmen genau.

Die Schweizer Biotech-Unternehmen versprechen sich an der Börse in den USA mehr Aufmerksamkeit und mehr Investoren. Dass 280 solche Firmen ihren Hauptsitz in der Schweiz haben, hat andere Gründe: gut ausgebildetes Personal und steuerliche Vorteile.

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    Karin Wenger

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