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Wirtschaft BIP-Prognosen verdüstern sich nach Euro-Kurs-Freigabe

Der Nationalbank-Entscheid vom Donnerstag hat Auswirkungen auf die Wachstumsprognosen. Zu diesem Schluss kommen verschiedene Ökonomen. Die UBS etwa verringert die BIP-Prognosen zum laufenden Jahr von 1,8 auf 0,5 Prozent. Auch die Jahresteuerung dürfte massiv geringer ausfallen.

UBS-Logo vor bewölktem Himmel.
Legende: Die UBS-Ökonomen erwarten, dass die Schweizer Wirtschaft nach dem SNB-Entscheid langsamer wächst. Keystone

Die Ökonomen sind sich einig: Der Entscheid der Schweizerischen Nationalbank (SNB), den Euro-Mindestkurs aufzuheben, wird die Schweizer Wirtschaft stark belasten. Gleichwohl rechnen sie nicht mit einer Rezession – und betonen auch die Vorteile.

Tatsächlich ist die Erstellung einer vernünftigen Prognose nach dem SNB-Entscheid nicht einfach. Für Jan-Egbert Sturm ist die zentrale Frage, wie sich der Wechselkurs Franken-Euro verhält, wie der Leiter der Konjunktur-Forschungsstelle KOF an der ETH Zürich in «10vor10» sagt.

Probleme hat die Exportindustrie

Mit dem aktuellen Wechselkurs könne die Gesamtschweiz zwar leben, aber «gerade exportorientierte Industrien und der Tourismus sind stark abhängig. Für sie wird es jetzt schwierig, gute Geschäfte im Ausland zu tätigen», meint Sturm. Auch die anstehenden Ereignisse wie am kommenden Donnerstag der Entscheid der Europäischen Zentralbank (EZB), Staatsanleihen von Euro-Ländern aufzukaufen, hätten Einfluss auf eine aussagekräftige Prognose.

Legende: Video Jan Egbert Sturm (KOF ETH) zum Euro-Wechselkurs abspielen. Laufzeit 1:27 Minuten.
Aus 10vor10 vom 16.01.2015.

Die sinkenden Preise würden tatsächlich ein wenig die Verluste kompensieren, die andernorts gemacht werden, sagt Jan-Egbert Sturm von der KOF ETH.

«Wenn der Wechselkurs bei der Parität verharrt, wird es aber zu Verlagerungen von Firmen ins Ausland geben und gewisse Firmen werden ihr Geschäft aufgeben. Dadurch sind Stellen gefährdet. Es wird wahrscheinlich weniger Zuwanderung geben als bis anhin. Das reduziert die Wachstumsrate. Dies wird kompensiert durch die Konsumenten wegen den niedrigeren Preisen.»

Generelle Aussage: sinkende Prognosen

Am konkretesten sind die Ökonomen der UBS: Sie senken die Wachstumsprognosen für 2015 von bisher 1,8 auf 0,5 Prozent und für 2016 von 1,7 auf immerhin noch 1,1 Prozent. Die anderen Prognose-Institute äussern sich weniger bestimmt: So geht die Konjunktur-Forschungsstelle der ETH bei einem Euro-Wechselkurs von 1,10 Franken von einer Wachstumsrate von unter 1 Prozent aus. Das BAK Basel sieht bei einem Wechselkurs leicht oberhalb der Parität eine Wachstumseinbusse bis Ende 2016 von 1,5 bis 2 Prozentpunkten.

Die Begründungen gleichen sich. Demnach hat die SNB hauptsächlich die Exportindustrie vor grosse Probleme gestellt. Unter dem Strich rechnen die Ökonomen der UBS nun mit einem Rückgang der Schweizer Exporte um 1,0 Prozent im laufenden Jahr. Sie befürchten knapp 5 Milliarden Franken geringere Warenexporte in die Eurozone, zusätzlich seien negative Auswirkungen auf Schweizer Dienstleistungsexporte und inländische Zulieferer zu erwarten.

Die Exporteure verlören durch die «abrupte und kräftige Franken-Aufwertung» an Wettbewerbsfähigkeit, heisst es auch bei BAK Basel. Vor allem Branchen mit preissensitiven Gütern und Dienstleistungen sowie starker Ausrichtung auf den Euroraum seien betroffen, zum Beispiel der Tourismus und die Maschinenindustrie.

Die KOF ETH führt als Beleg für die Ängste der Exportfirmen eine Umfrage aus dem Jahr 2012 an, in der nach den Auswirkungen einer Frankenaufwertung auf 1,10 von 1,20 Franken gegenüber dem Euro gefragt wurde. So gaben die befragten Industriefirmen damals an, dass sie bei einem solchen Szenario im Schnitt mit einem Umsatzrückgang von 3,4 Prozent in den nächsten sechs Monaten und 4,2 Prozent in den nächsten 18 Monaten rechneten.

Höhere Arbeitslosigkeit erwartet

Auch die befragten Dienstleister gingen bei einem solchen Szenario von Umsatzrückgängen von 1,7 Prozent und 2,2 Prozent aus. «Aufgrund der Umfrageergebnisse ist zu erwarten, dass der Maschinenbau, die Autozulieferer, die Chemie und Pharmaindustrie, die Hotellerie sowie die Textilbranche besonders von der Aufhebung des Mindestkurses betroffen sind», heisst es in der Mitteilung der KOF ETH.

Laut BAK Basel müssen sich jedoch auch Gewerbler und Detailhändler Sorgen machen. Es sei mit einer nochmaligen Zunahme des Einkaufstourismus zu rechnen. Viele Dienstleister, das Handwerk und das Baugewerbe seien einer «nochmals deutlich erhöhten Importkonkurrenz» ausgesetzt.

Volkswirtschaftlich rechnen die Ökonomen ausserdem mit einer geringeren Standortattraktivität der Schweiz und einer gebremsten Investitionstätigkeit der Unternehmen. Als weitere Folgen befürchtet BAK Basel und die UBS eine deutlich höhere durchschnittliche Arbeitslosigkeit (UBS für 2015: 3,6 Prozent statt 3,2 Prozent, BAK für 2016: 3,6-3,8 Prozent statt 3,1 Prozent).

Bessere Bedingungen für Produktion

Auch die Teuerung dürfte sich laut den Prognostikern im laufenden Jahr verringern. Die UBS-Ökonomen gehen für 2015 neu von -0,6 Prozent aus (bisher +0,3 Prozent), auch KOF ETH und BAK Basel rechnen mit deutlichen Rückgängen.

Trotz allem betonen die Ökonomen, dass es auch positive Auswirkungen des SNB-Entscheids gibt. So setzen die nochmals gesenkten Zinsen laut BAK Basel einen «Gegenimpuls für die Investitionstätigkeit». Ausserdem gingen die Kosten für ausländische Vorleistungen sowie für Öl und andere Rohstoffe zurück, was die Produktionskosten der Industrie senke.

Die BIP-Prognosen im Überblick

Institut20152016Publiziert am:
Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco)+2,1%+2,4%18. Dezember 14
Schweizerische Nationalbank (SNB)rund 2,0%-11. Dezember 14
Credit Suisse+1,6%-10. Dezember 14
UBS+0,5%+1,1%16. Januar 15
Raiffeisen Bank+1,6%-07. Januar 15
Konjunkturforschungsstelle ETH (KOF)+1,9%+2,1%17. Dezember 14
Economiesuisse+1,6%-01. Dezember 14
OECD+1,5%+2,5%25. November 14

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Sonja Jansch, Wien
    die egoitische Schweiz soll isoliert werden ,sämtliche Handelsbegünstigungen zur EU sollen ab sofort eingefroren werden : Mann kann sich nicht nur Vorteile auf Kosten anderer einheimsen wollen zur Gewinnmaximierung !!! So viele Firmen in der Schweiz ,die Entwicklungsländer in Afrika und Südamerika brutal ausnutzen ...Rohstoffe...und in der Schweiz kaum Steuern zahlen genauso wie viele Miliarden aus europäischen Ländern schwarz aus Steuerflucht auf Schweizer Banken lagern. Alles zum Kotzen !!!
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  • Kommentar von D. Eber, Rheinfelden
    Panik macherei, sonst nichts...
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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Der das BIP zurück, dann müsste auch der CHFr zurück gehen. Passiert dies nicht, dann muss man sich mal fragen was für Spiele hier gespielt werden. Soll die Schweiz etwa ähnlich in die Pfanne gehauen werden wie Ireland von 1998 - 2008?
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