BKB nimmt Geldabfluss in Kauf

Keine Schweizer Bank fährt eine so radikale Weissgeldstrategie wie die Basler Kantonalbank. Alle ihre Kunden müssen bestätigen, dass ihr Geld versteuert ist – egal ob im Ausland oder in der Schweiz. Damit macht sich die Bank bereit für den automatischen Informationsaustausch.

Lachappelle mit Krawatte und anzug vor einem Logo der Basler Kantonalbank «fair banking».

Bildlegende: Den Hinweis auf ein faires Bankgeschäft nun bereits im Logo: BKB-Chef Lachappelle. Keystone

Keine Bank verliert gern Kundengelder. Denn weniger verwaltete Vermögen bedeutet weniger Ertrag, weniger Gewinn und am Ende auch weniger Bonus. Trotzdem nimmt Guy Lachappelle, Chef der Basler Kantonalbank BKB, den Vermögensabfluss bewusst in Kauf: Minus fünf Prozent waren es allein letztes Jahr.

Manche Kunden ziehen Geld ab

Grund für den Rückgang der Kundengelder ist die rigorose Umsetzung der Weissgeldstrategie: Er sei überzeugt, dass man keine konsequente Weissgeldstrategie fahren könne, «ohne Assets zu verlieren», sagt Lachappelle. Offensichtlich hat es seinen Preis, nur noch versteuerte Vermögen zu verwalten.

Deshalb nehmen es die meisten anderen Banken auch weniger genau: Viele verlangen mittlerweile zwar Steuerehrlichkeit von ihren ausländischen Kunden und von Neukunden in der Schweiz. Aber eine schriftliche Bestätigung von allen bisherigen Kunden ohne Ausnahme fordert vorläufig nur die BKB.

Keine Steuerunehrlichkeit mehr

Das kommt nicht von ungefähr. Nach einer Reihe von Skandalen musste die Bank das Steuer herumreissen. Der Bankchef wurde ausgewechselt, der Verwaltungsratspräsident trat zurück. Zwar steht die Einigung mit den US-Behörden wegen allfälliger Beihilfe zur Steuerhinterziehung noch aus, doch für Lachappelle gibt es in der Frage der Steuerehrlichkeit der Kundschaft keine Kompromisse mehr: «Wir wollen unser Geschäftsmodell nicht auf Steuerunehrlichkeit aufbauen.»

Damit bereitet sich die BKB darauf vor, dass das Bankgeheimnis auch im Inland fällt. Denn sollten eines Tages alle Banken die Kundendaten an den Staat liefern, wäre das Basler Staatsinstitut fein raus: Seine Kunden wären dann längst alle im Reinen mit dem Fiskus.

Volksinitiative für Erhaltung des Bankgeheimnisses

Allerdings ist ungewiss, ob der automatische Informationsaustausch AIA tatsächlich auch im Inland kommt. Mit einer Volksinitiative versucht SVP-Nationalrat und Banker Thomas Matter genau dies zu verhindern. Der Bundesrat plane seit langem die Abschaffung des Bankgeheimnisses im Inland, sagt er. «Das haben wir vor zwei Jahren gespürt und diese Volksinitiative lanciert.»

Bei der Bankiervereinigung stösst Matter mit seinem Volksbegehren nicht auf Unterstützung, denn die Branche sträubt sich nicht grundsätzlich gegen den AIA im Inland. Allerdings will sie auch nicht vorgreifen. Es gehe hier um einen politischen Entscheid, betont Thomas Sutter von der Bankiervereinigung. «Der Stimmbürger muss entscheiden, wieviel Privatsphäre er noch haben will.»

Fit für die Weissgeld-Zukunft

Die Bankiers sind aber klar dagegen, allen Banken schon jetzt gesetzlich eine Weissgeldstrategie vorzuschreiben, wie sie die Basler Kantonalbank praktiziert. Der dortige Bankchef Lachappelle nimmt das gelassen. Auf der einen Seite gebe es die Bankiervereinigung, die gegen alle Gesetzesverschärfungen sei. Auf der anderen Seite stehe das neue Kantonalbankgesetz, «welches voraussichtlich so kommen wird, dass wir die Weissgeldstrategie sowieso umsetzen müssen».

Deshalb macht er bei seiner Bank unbesehen vorwärts. Heute bedeutet das Verlust von Kunden und deren Geldern. Dafür macht sich die Bank fit für eine Zeit, in der auch die hiesigen Kunden nur noch versteuertes Geld bei den Banken werden deponieren können.