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Börsenrally an der Wall Street «Es wird kaum so weitergehen wie bisher»

Das Jahr an der US-Börse war von Rekorden geprägt, die sich so im kommenden Jahr kaum wiederholen dürften.

Blick an die Wall Street.
Legende: Das Jahr 2017 geht als Rekordjahr in die Geschichte ein. Keystone

SRF News: Jens Korte, geht das Börsenjahr 2017 in die Geschichte ein?

Jens Korte: Es war ein sensationelles Börsenjahr. Ich bin seit 1998, also seit 19 Jahren in New York, und so ein Börsenjahr habe ich noch nie erlebt. Der Dow Jones hat 70 neue Rekorde aufgestellt, so etwas gab es in einem Kalenderjahr auch noch nicht. Es war schlichtweg ein Jahr der Rekorde, ohne dass wir – zumindest an der Wall Street – grössere Rücksetzer im Jahresverlauf erlebt hätten.

Es war auch das erste Amtsjahr von US-Präsident Donald Trump. Welchen Einfluss hatte er auf das Börsengeschehen?

Er hat zumindest einmal an der Börse den Aktienkursen nicht geschadet. Das war vor seinem Amtsantritt so nicht klar. Ich erinnere mich noch gut an die Wahlnacht im November 2016: Damals hiess es, wenn Donald Trump die Wahl gewinnen würde, das würde Unsicherheit bringen und Unsicherheit bedeutet Druck auf die Aktienkurse. Das ist nicht passiert, sondern wir haben diese gewaltige Rally gesehen.

Vieles hängt gar nicht mit Donald Trump zusammen: Die wirtschaftliche Erholung, dass es fast Vollbeschäftigung am Arbeitsmarkt gibt, dass die amerikanischen Unternehmen wieder Gewinne schreiben. Aber Donald Trump war in gewissem Sinne wichtig für die Psychologie auf dem Parkett der New Yorker Börse. Die Aussicht auf weniger Regulierung, die Steuerreform, die er durchgebracht hat, und jetzt vielleicht auch noch grosse Infrastrukturmassnahmen, das sind alles Punkte, die einzelnen Aktien und insgesamt die Kurse an der Börse getrieben haben.

Blicken wir voraus auf 2018. Geht es da im gleichen Stil weiter an der US-Börse?

Im selben Stil vermutlich nicht. Dazu ist das Jahr 2017 einfach zu gewaltig gewesen. Es gibt viele Experten, die sagen, es ist durchaus möglich, dass wir nochmals einen Kursanstieg im zweistelligen Bereich erleben könnten.

Es gibt aber auch mögliche Stolpersteine: Wenn sich die US-Wirtschaft überhitzen würde, dann wäre die amerikanische Notenbank gezwungen, aggressiver vorzugehen als bisher. Das könnte die Kurse an der Wallstreet belasten.

Eins darf man nicht vergessen: Diese Rally, die wir ähnlich schon seit sieben oder acht Jahren erleben, ist getrieben durch das ganze billige Geld. Wenn Geld nicht mehr ganz so billig ist, dann könnte das durchaus zu einer Belastung für die Wirtschaft und damit auch für die Aktienmärkte führen.

Das Gespräch führte Roger Aebli.

Jens Korte

Jens Korte

Nach einer Lehre als Kaufmann schloss Jens Korte das Studium in Volkswirtschaft in Berlin ab. Seit 1998 ist er in New York und seit 1999 Korrespondent an der Wall Street.

9 Kommentare

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  • Kommentar von M. Kaiser (Klarsicht)
    Wir befinden uns schon wieder in einer gewaltigen Geldblase - die Nationalbanken der Welt drucken Geldscheine die schon lange nicht mehr durch reale Gegenwerte gedeckt sind. Der Büezer wird unten gehalten, damit er ergeben mit dem Inflationsgeld seinen Konsum decken kann - Ersparnisse die waren einmal ! Man lebt sozusagen in den Tag hinein - hilflos dem Treiben der Geldgaukler ohne Zinsbremse ausgeliefert zu sein. Die Masse der Waren eigentlich nicht lebensbereichernd - reine Müllwirtschaft !
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    Pro Transaktion einen Obolus ... klein, effektiv und robinhoodmässig ... wer britischen Humor mag: Ein Filmschmankerl von knappen 4 Minuten mit dem Titel: 'Banker loses it on Future News' ... Das wäre dann einer der wenigen und richtigen Trickle-down Effekte.
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  • Kommentar von antigone kunz (antigonekunz)
    'Es war schlichtweg ein Jahr der Rekorde' das heißt im Kleingeschriebenen für Alle und Alles auf diesem Planeten, die da nicht mittun und mitgemeint sind? Es 'Raubtierirgendwas' zu nennen widerstrebt mir, denn, auch wenn ich mit Großkatzen und Co nicht vertraut bin, da meine ich zu wissen, die jagen, erlegen und fressen bis sie genug haben, dann tun sie oft das wonach so manche streben, ein elegantes und höchst entspanntes Nichtstun.
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