Zuglinie quer durch Südamerika Bolivien plant einen «Panamakanal auf Schienen»

Das Wichtigste in Kürze

  • Die bolivianische Regierung will Pazifik und Atlantik mit einer Bahnlinie verbinden.
  • Für die Realisierung des Jahrhundertprojekts favorisiert sie ein deutsch-schweizerisches Konsortium.
  • Auch Konkurrenten aus Japan, Frankreich und China bemühen sich um den Auftrag.
  • Für den Bau der 3700 Kilometer langen Strecke sind bis zu 14 Milliarden Dollar einkalkuliert.
  • Auf der «Zwei-Ozean-Bahnlinie» sollen Waren von der brasilianischen bis zur peruanischen Küste viel schneller nach Asien verschifft werden können.

Die Zugverbindung soll vom brasilianischen Santos, dem grössten Containerhafen Südamerikas, über die bolivianische Hauptstadt La Paz bis zu einem Hafen im Süden von Peru führen. Ein Seitenast könnte auch die Warenströme von Paraguay und Argentinien aufnehmen.

Kartenausschnitt mit Bahnlinie in zwei Varianten

Bildlegende: Die transkontinentale Strecke soll den grössten Containerhafen Südamerikas in Santos mit dem Pazifik verbinden. srf

Für die Realisierung ihres Projekts möchte die bolivianische Regierung Schweizer und deutsche Firmen gewinnen. Sie hat sie aufgefordert, ein Konsortium zu bilden.

Weshalb gerade die Schweiz und Deutschland?

«Es liegt auf der Hand, dass zwei Länder wie die Schweiz und Deutschland, die in Eisenbahnprojekten beide einen herausragenden Ruf haben, sich zusammentun, um doppelt punkten zu können», sagt Michaela Stöckli, Direktorin von Swissrail, dem Dachverband von über Schweizer 100 Firmen aus dem Bahnbereich.

Allerdings haben die Schweizer und deutschen Firmen den Zuschlag der bolivianischen Regierung noch nicht erhalten. Und sie sind auch nicht die einzigen, die sich um den Milliardenauftrag bemühen.

Lokale Unternehmen würden Strecke bauen

Japanische, französische und chinesische Konkurrenten stehen parat. Bei diesen wäre aber die lokale Wertschöpfung sehr gering, wie Stöckli betont. «Denn sie kommen zwar mit der Finanzierung und dem gesamten Projekt, aber sie kommen auch immer mit ihren eigenen Arbeitern.»

«  Es liegt auf der Hand, dass die Schweiz und Deutschland, die in Eisenbahnprojekten beide einen herausragenden Ruf haben, sich zusammentun, um doppelt punkten zu können. »

Michaela Stöckli
Swissrail-Direktorin

Bei einer helvetisch-deutschen Lösung würden die europäischen Firmen vor allem für die Planung zuständig sein. Die Umsetzung überliesse man dann lokalen Unternehmen. Das passt der peruanischen und bolivianischen Regierung.

Alternative mitten durch den Amazonas

Die Chinesen möchten ihre Linie mitten durch das Amazonas-Gebiet führen. Der internationale Widerstand, so Michaela Stöckli, wäre wohl enorm. Sie räumt dieser Trassenvariante deshalb keine Chance ein.

Das Projekt muss allerdings noch viele Hürden nehmen. Wer die 14 Milliarden für den Bau aufbringt, ist noch unklar. Im Laufe des nächsten Jahres sollte man mehr wissen.