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Wirtschaft Brüssel will tiefere Kartengebühren – Schweizer Handel horcht auf

Die EU-Kommission plant Maximalgebühren im Zahlungsverkehr mit EC- und Kreditkarten. Verbraucher und Händler sollen massiv entlastet werden. Für Visa und Mastercard geht es um Milliarden. Auch in der Schweiz sorgt die Interchange-Gebühr seit Jahren für Ärger im Handel. Der Druck auf die Weko wächst.

Eine Mastercard und eine Visa-Card als Symbolbild.
Legende: Die Gebühren gehen in die Milliarden. Der Kunde bezahlt dies – die EU-Kommission will jetzt bremsen. Keystone

Der Griff zur Plastikkarte ist einfach. Was viele Verbraucher nicht wissen: Bei Zahlung mit EC- und Kreditkarte muss die Bank des Händlers an die Bank des Kunden Gebühren zahlen. Die Händler schlagen die Gebühren häufig auf ihre Preise drauf.

«Die höheren Preise werden also von allen Verbrauchern getragen – auch von jenen, die bar bezahlen», sagte EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia. Dem soll nun mit Gebührenobergrenzen ein Ende gesetzt werden.

Bei Kreditkarten ist ein Limit von 0,3 Prozent des Zahlbetrags vorgesehen. Bei Debitkarten – das sind zum Beispiel EC-Karten – sollen es 0,2 Prozent sein. Derzeit liegen die Werte in Europa bei bis zu 1,5 Prozent. Nach EU-Angaben könnte der Einzelhandel dadurch insgesamt rund 6 Milliarden Euro einsparen. Die Kappung soll zunächst auf grenzüberschreitende Zahlungen beschränkt sein und nach zwei Jahren auch bei Zahlungen im Inland gelten.

Kartenanbieter drohen

Mit den EU-Plänen würden Anbieter wie Visa oder Mastercard Einnahmen entgehen. Die Branche droht bereits, den Kunden zum Ausgleich höhere Jahresgebühren für Kreditkarten zu belasten. Auf diese Weise würden die Pläne letztlich auf Kosten der Verbraucher gehen.

Mit ungewöhnlich scharfen Worten kritisierte die EU-Kommission die Lobbyarbeit des Kreditkartenanbieters Mastercard gegen die Gebührengrenzen. Binnenmarktkommissar Michel Barnier warf Mastercard vor, falsche Informationen verbreitet zu haben mit «angeblichen Studien, die sie bezahlt haben».

Der EU-Kommissar, der den Gesetzentwurf mitausgearbeitet hat, sagte: «Ich kann verstehen, dass ein grosses amerikanisches Unternehmen seine Interessen verteidigt. Aber ganz ehrlich finde ich diese Kampagne unannehmbar und auch kontraproduktiv.»

Mastercard kooperationswillig

Mastercard versicherte in einer Reaktion den «allergrössten Respekt für EU-Kommissar Barnier». Das Unternehmen will mit der EU konstruktiv bei der neuen Gesetzgebung zusammenarbeiten. Allerdings bringe der Vorschlag für eine Kappung der Gebühren Nachteile für Kunden mit sich. «Wir sind besorgt über den Schaden, den diese Vorschläge Verbrauchern und kleinen Unternehmen zufügen wird.» Dies werde Wettbewerb und Innovation in Europa behindern.

Schweizer Handel fordert Abschaffung

In der Schweiz beträgt die Gebühr aktuell maximal 0,95 Prozent, wobei Zahlungen mit Debitkarten wie EC-direct oder Postcard praktisch gratis sind. Die Schweiz sei eben auch im Kartenbereich ein Hochpreisland, erklärt Rolf Hartl. Er ist Geschäftsführer des Verbandes Elektronischer Zahlungsverkehr (VEZ) und vertritt die Interessen des Handels.

Offenbar sei die Zahlungsbereitschaft in der Schweiz grösser als anderswo. Die Interchange-Gebühr belaste die Volkswirtschaft mit jährlich rund 230 Millionen Franken. Laut Hartl gibt es keine handfesten Gründe für diese Gebühr. «Wir fordern deren Abschaffung oder mindestens kurzfristig eine massive Senkung.»

Von der Wettbewerbskommission (Weko), die das Problem seit Jahren untersucht, erwartet Hartl nun rasche Fortschritte. Man werde die Untersuchung fortführen, den derzeitigen Mechanismus genau überprüfen und dabei auch die aktuelle Entwicklung in Europa berücksichtigen, sagte Simon Bangerter vom Weko-Sekretariat.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Knecht, Torny
    Es wäre interessant zu erfahren wie die EU-Kommission auf die Idee gekommen ist die Gebühren zu vereinheitlichen. Ein Vergleichstest zwischen EC-Karten vor einigen paar Tage zwischen Belgien, Holland und Deutschland brachte erstaunliche Unterschiede an den Tag. Die Testpersonen aus Belgien (Brüssel!) und Holland konnten in jedem Land Geld beziehen ohne Gebühren zu zahlen! Die "Dumme" war leider die Deutsche. Wäre es eine Schweizerin gewesen wäre sie wohl noch mehr zahlen müssen.
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  • Kommentar von Peter H. WILLI, rHEINFELDEN
    WARNUNG: Nur fauler Trick als Vorstufe zur Abschaffung des Bargeldes – Ziel: bessere Kontrolle / Überwachung der Bürger !! Wenn Kontengebühren billiger, werden noch mehr Leute auf bargeldlose Zahlung umsteigen und damit rein technisch die Umstellung / Abschaffung des Bargeldes einfacher. Gipfeli künftig nur noch gegen Personalausweis ... Augen und Ohren auf und auch mal zwischen den Zeilen Lesen !
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  • Kommentar von S. Sugano, Therwil
    Ich zahle fuer meine Kreditkarten im Jahr ueber CHF 300, dennoch muss ich wenn ich mit dieser Bezahle, an vielen Orten die Karten Gebuehr des Haendlers auch noch mitzahlen. Das finde ich unter aller Sau, und gehoert Verboten, wie es auch damals um die 2000 so war, doch dann wurde dies eingefuehrt. Wenn ich auf diese Dumme teure Plastikkarte Verzichten koenne, wuerde ich es Sofort Tun, aber ein Auto Mieten ohne Kreditkarte ist nicht moeglich.
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    1. Antwort von Fabian Müller, Zürich
      Je nach Bank kosten Kreditkarten zwischen 0.- bis maximal 100.- pro Jahr. Wenn sie sich irgend eine Platinkarte aufschwatzen lassen, wieso auch immer, dann wählen Sie bewusst "mehr" als nur eine einfache Kreditkarte. Und falls sie mehr als eine besitzen frage ich mich wieso...? Eine der beiden bekannten reicht heutzutage überall aus.
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    2. Antwort von Hans Knecht, Torny
      Da muss man Herr Müller zustimmen; im Ausland, speziell in Nordamerika wird man ausgelacht und als naiv betrachtet wenn man sagt, dass für seine Kreditkarte eine Grundgebühr zahlen muss/müsste! Das beste ist daher die Bank zu wechseln. Somache Wahlschweizer-Arbeitskollegen beziehen daher ihre Kreditkarte nicht via CH-Bank, sondern mit besseren Konditionen vom Heimatland.
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    3. Antwort von h. anni, zürich
      @Sugano Also wenn ihnen eine ganz stinknormale Kreditkarte genügt und sie auch eine solche haben, dann werden sie mit 300 CHF Jahresgebühr ganz klar abgezockt. Ich bezahle prinzipiell nichts für meine Kreditkarten, wäre ja noch schöner. Da nimmt man den Banken/Geschäfter ganz viel Schreibkram etc. ab und sie wollen auch noch Geld dafür. Man muss halt reden mit den Leuten, dann gibt es plötzlich Dinge gratis, die sonst viel Geld kosten. Probieren sie es doch mal :)
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