Buchungsplattformen: Fluch oder Segen?

Hotelbuchungen über Plattformen im Internet liegen im Trend. Immer häufiger buchen Touristen ihre Unterkunft auf hotels.ch, booking.com oder expedia.com. An diese Entwicklung mussten sich auch die Schweizer Hoteliers anpassen.

Blick über die Schulter einer Frau auf den Bildschirm eines Laptops auf einem Tisch.

Bildlegende: Rege Nutzung vor allem für Städteübernachtungen: Weltweit gibt es rund 2000 Buchungsplattformen. Keystone/Symbolbild

Ein mittelgrosses Dreisterne-Hotel in Bern: Auch hier buchen immer mehr Kunden ihr Zimmer über eine der unzähligen Hotel-Buchungsplattformen im Netz.

Direktor Robert Kneubühler hat kaum mehr die Übersicht, wo überall auf dem Netz man ein Zimmer für sein Hotel buchen kann. «Es ist erstaunlich, wo wir überall erscheinen», sagt er. Die Angelegenheit sei nicht immer ganz transparent. «Aber auf den Hauptkanälen sind wir natürlich sattelfest.»

Die Hauptkanäle, das sind Expedia, HRS und vor allem booking.com, die beliebteste Website für Touristen, die Online ein Schweizer Hotel buchen. Von den weltweit rund 2000 Buchungsplattformen prägen diese drei das Geschäft der Hoteliers in der Schweiz.

Heute buchen Reisende hierzulande eine von fünf Übernachtungen über einen solchen Online-Vermittler – mehr in Stadthotels als in Ferienhotels auf dem Land. Insgesamt ist die Tendenz stark steigend.

Ohne Plattformen geht nichts mehr

«Die Buchungsplattformen werden in Zukunft weiter stärker werden», sagt Roland Schegg. Er ist Dozent an der Fachhochschule Westschweiz und erforscht am Institut für Tourismus die Hotelbuchungsplattformen. Schegg rechnet damit, dass in drei bis fünf Jahren die Hälfte der Hotelübernachtungen in der Schweiz via Online-Vermittler gebucht werde.

Doch wieso sind diese Plattformen so beliebt? Der Kunde wolle eine grosse Auswahl, Preistransparenz, gute Buchungsprozesse und Bewertungen von anderen Kunden, sagt Schegg. «All das findet er auf diesen Plattformen.»

Hoteliers, Verbände und Experte sind sich deshalb einig: Ohne diese Plattformen geht es heute nicht mehr. Ein Hotel muss auf diesen Plattformen präsent sein. Das jedoch kostet. «Die Kommissionsraten sind standardmässig zwischen 12 und 15 Prozent», sagt Schegg. Wenn man sehr gut sichtbar auf den obersten Plätzen sein wolle, lägen sie gar bei bis zu 30 Prozent.

Kunden auf eigene Homepage locken

Je weiter oben in der Liste von booking.com der desto eher klickt der Kunde auf das Hotel. Hoteldirektor Kneubühler sieht, wie die internationalen Konzerne mit diesen Ranglisten Geld machen: «Sie erfinden immer neue Formen, die uns reizen, die Kommissionen ein bisschen höher zu setzen, damit wir wieder etwas besser gelistet sind.» Dennoch will er sich nicht beklagen. Man habe es hier mit einer neuen Technologie zu tun, und da werde man halt überrollt. «Da muss man mitmachen und darf nicht jammern.»

«  Wir haben es hier mit neuer Technologie zu tun. Da muss man mitmachen, nicht jammern. »

Robert Kneubühler
Hoteldirektor, Bern

Vielmehr könne man die weltweite Präsenz auf den aufstrebenden Buchungsplattformen als Marketing-Tool nutzen, so Kneubühler. Dabei seien gute Kunden-Bewertungen auf diesen Plattformen enorm wichtig – und dass das Hotel die Aufmerksamkeit des potentiellen Gastes optimal nutze. Man versuche alles, damit die Gäste sich für mehr Informationen von der Buchungsplattform auf die Homepage begeben. «Da versuchen wir sie abzuholen. Das gelingt uns eigentlich nicht schlecht.»

Der Kunde zahlt auf der Vermittlerplattform den gleichen Preis wie über die Hotel-Homepage. Für Kneubühler entfallen aber die Kommissionen – und für den Kunden gibt es zur Übernachtung zusätzlich einen Taxigutschein oder einen Willkommensdrink, wenn er über die Hotel-Homepage bucht.