Zum Inhalt springen

Wirtschaft Cheflöhne: Ein Wertvernichter verdient am meisten

Transocean-Chef Steven Newman hat letztes Jahr über 14 Millionen Franken verdient, obwohl der Ölbohrkonzern an der Börse die Hälfte seines Wertes verlor. Newman war 2014 sogar der best bezahlte Manager eines Schweizer Unternehmens.

Transocean-Chef Steven Newman marschiert auf einer Strasse vor einem weissen Gebäude mit Bogenfenstern
Legende: Der zurückgetretene Transocean-Chef Steven Newman verdiente letzte Jahr 14,2 Millionen Franken. Keystone

Der Wert dieses Managers misst sich offensichtlich nicht am Aktienkurs seines Unternehmens: Denn mit 14,2 Millionen Franken hat Transocean-Chef Newman letztes Jahr so viel verdient wie kein anderer Top-Manager in der Schweiz. Derweil halbierte sich der Aktienkurs von Transocean. Newman trat im Februar dieses Jahres überraschend zurück.

Pharmariesen bezahlen Top-Gehälter

Er liess in der Rangliste der meist verdienen Manager von Schweizer Unternehmen Novartis-Chef Joseph Jimenez als letztjährige Nummer eins hinter sich. Jimenez belegt neu Platz 2 mit einer Gesamtvergütung von 12,6 Mio. Franken.

Auf Platz 3 liegt Severin Schwan vom Basler Pharma-Rivalen Roche, der 11,9 Mio. erhielt. UBS-Chef Sergio Ermotti bekam mit 11,2 Mio. Franken etwas weniger.

Drei der vier Topverdiener legten bei ihrem Spitzenlohn im Vergleich zum Vorjahr weiter zu. Einzig Jimenez musste einen Lohnrückgang um 4 Prozent in Kauf nehmen.

Keine Boni-Exzesse mehr

Die Vergütungen für die bestbezahlten Chefs in der Schweiz sind verglichen mit früheren Jahren nicht mehr exorbitant hoch: 2010 hatte CS-Chef Brady Dougan noch ein Bonuspaket von 70 Mio. eingesteckt, letztes Jahr musste er sich mit 9,7 Mio. begnügen (Platz 6).

Für Michael Otte, Chef des Aktionärsdienstleisters ZRating, hat die 2013 vom Stimmvolk angenommene Abzocker-Initiative und der öffentliche Druck auf übermässige Saläre Wirkung gezeigt: «Die Zeiten der 70-Millionen-Boni sind vorbei».

Teils markante Lohnerhöhungen

Letztes Jahr stiegen von 27 untersuchten Firmen die Vergütungen von 18 Konzernchefs, bei fünf von ihnen war der Anstieg stark. Acht Konzernchefs mussten Kürzungen hinnehmen – allerdings meist keine drastischen. «Die meisten Löhne sind leicht gestiegen, weil sich die positive Entwicklung der Aktienkurse im Bonus widerspiegelt», sagt Otte.

Durchschnittlich erhielten die Chefs der 30 grössten börsenkotierten Unternehmen der Schweiz vergangenes Jahr 6,4 Mio. Franken.

Schweizer Managerlöhne 2014 (in Franken umgerechnet zum Jahresendkurs)

Löhne in Euro oder Dollar und Boni wurden mit dem Wechselkurs Ende 2014 in Franken umgerechnet. Richemont schliesst das Geschäftsjahr nicht Ende Jahr ab.
Steven L. NewmanTransocean14'167'398 Fr.
Joseph JimenezNovartis12'648'490 Fr.
Severin SchwanRoche11'985'408 Fr.
Sergio ErmottiUBS11'163'347 Fr.
Bernard FornasRichemont
(schliesst Geschäftsjahr nicht Ende Jahr ab)
9'751'939 Fr. (für 2013)
Brady W. DouganCredit Suisse9'700'000 Fr.
Paul BulckeNestlé9'322'521 Fr.
Patrick De Maeseneire
Adecco7'945'500 Fr.
Ulrich SpiesshoferABB7'578'823 Fr.
Nick HayekSwatch
7'457'045 Fr.
Martin SennZurich7'200'000 Fr.
Michael MackSyngenta7'155'191 Fr.
Julián Díaz GonzálezDufry6'945'000 Fr.
Jean-Paul ClozelActelion
6'866'429 Fr.
Michael M. LièsSwiss Re
6'328'000 Fr.

Cheflöhne transparenter

Laut Michael Otte, Chef des Aktionärsdienstleisters ZRating, sind die Vergütungsberichte transparenter und weniger komplex geworden. So gebe es weniger Optionsprogramme für die Manager. Ausserdem sei bei einigen Unternehmen eine relative Vergütungsobergrenze eingeführt worden. Die Boni können deshalb nicht unbegrenzt steigen.

6 Kommentare

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Alfred Schläpfer, 8800 Thalwil
    Kleptokratie oder Kleptoremuneration ? Wo liegt der Unterschied? Wir bemitleiden Russland und andere Diktaturen wegen ihrer Kleptokratie („Herrschaft der Plünderer“, „Diebesherrschaft“) und merken nicht, dass bei uns trotz Abzockerinitiative die Kleptoremuneration ( „Diebstahl durch überrissene Entschädigung“) zum Alltag geworden ist. Die Liste der Schweizer Managerlöhne 2014 erklären unsere Wirtschaftsführer zum „Menschenrecht“ und die politische Elite nickt es wohlgefällig ab. Pfui Teufel.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von P.Meier, Zürich
    Aber es wurde doch die Abzocker-Initiative vom Volk angenommen...
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Hans Knecht, Zürich
      Die Abzocker-Initiative war von Mechanismus her vorhersehbarer Weise ein Schlag in Wasser. Aber es ist gut dass man sie annahm um ein Zeichen zu setzen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Tom Duran, Basel
    Ich mag es jedermann gönnen, so viel Geld zu bekommen. Ich würde ja auch nicht nein sagen. Allerdings gibt es in diesem System massiv Fehler. Der Verwaltungsrat und das Kader arbeiten zusammen, anstatt sich zu kontrollieren. Da werden dann gegenseitig Milliarden frei. Milliarden, die dem Arbeiter unter falschen Vorwänden weggenommen werden. Um auf die Schweiz zu kommen: hier herrscht das Paradies für Abzocker. Politiker und Bosse hocken im selben Boot! Kartell? Aber ja doch!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen