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Umsatzplus und Gewinnrückgang China macht Nestlé zu schaffen

Legende: Video Mark Schneider: Konzernchef von Nestlé abspielen. Laufzeit 1:43 Minuten.
Aus Tagesschau vom 16.02.2017.
  • Nestlé hat 2016 zwar den Umsatz um 0,8 Prozent auf 89,4 Milliarden Franken gesteigert.
  • Der Reingewinn sank hingegen um rund 6 Prozent auf 8,5 Milliarden Franken.
  • Das operative Ergebnis legte letztes Jahr allerdings um rund 6 Prozent auf 13,2 Milliarden Franken zu.
  • Der Lohn von Nestlé-CEO Paul Bulcke betrug etwas mehr als 9 Millionen Franken.

Einer der Gründe für den Gewinnrückgang war der schleppende Geschäftsverlauf in China: So habe beispielsweise der zweistellige Rückgang bei Reisbrei das Wachstum beeinträchtigt, heisst es in einer Mitteilung. Mehrere Initiativen zum Turnaround des Geschäfts auf diesem Markt seien deshalb im Gange. Der Konzern erwarte daher im Verlaufe des Jahres eine Stabilisierung.

Aktionäre können sich freuen

In Indien – wo Nestlé 2015 wegen der vermeintlich mit Blei vergifteten Maggi-Nudeln einen schweren Rückschlag hinnehmen musste – habe man weitere Marktanteile zurückgewonnen. Um die künftige Profitabilität zu steigern, will Nestlé zudem die Restrukturierungskosten für das laufende Jahr deutlich erhöhen. Diese Kosten sollen dieses Jahr demnach rund 500 Millionen Franken betragen – dies nach 300 Millionen im vergangenen Jahr.

Der Verwaltungsrat hält trotz des Reingewinnrückgangs an seiner Politik der kontinuierlichen Dividendenerhöhung fest und schlägt eine Erhöhung um 5 Rappen auf 2,30 Franken je Aktie vor.

Weniger Gehalt für Nestlé-Chef

Nestlé-CEO Paul Bulcke erhielt für das abgeschlossene Jahr 2016 ein Gesamtsalär in Höhe von 9,01 Millionen Franken. Ein Jahr zuvor waren es noch 9,07 Millionen Franken gewesen. Der Grund: Die Aktienanteile, die Teil des Lohnes sind, waren weniger wert als im Vorjahr. Das Grundsalär des Nestlé-Chefs blieb konstant bei 2,5 Millionen Franken stehen.

Allerdings leistete Nestlé neben der Entschädigung für den Konzernchef wie schon im Vorjahr mitunter höhere Zahlungen an zukünftige Pensionskassenleistungen. Mit Sozialversicherungsbeiträgen kam Bulcke somit auf 11,21 Millionen Franken – etwas mehr als im Vorjahr mit 11,17 Millionen Franken. Das geht aus dem veröffentlichten Jahresbericht hervor. Die Entschädigung für die gesamte Geschäftsleitung des Nahrungsmittelriesen verminderte sich von 47,11 Millionen Franken auf noch 45,30 Millionen.

Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck seinerseits erhielt im abgelaufenen Jahr insgesamt 5,18 Millionen nach 5,73 Millionen Franken im Vorjahr. Die Auszahlungen an den gesamten Verwaltungsrat sanken von 10,58 Millionen auf noch 9,73 Millionen Franken.

Einschätzung von Wirtschaftsredaktorin Maren Peters

Es war ein enttäuschendes Jahr für Nestlé. Der grösste Lebensmittelkonzern der Welt ist weniger gewachsen, als erwartet und hat auch weniger verdient, als von vielen Branchenbeobachtern prognostiziert.
Die Probleme sind schon länger bekannt: Der Konzern leidet – wie seine Konkurrenten – unter dem schwachen weltwirtschaftlichen Umfeld: schwächerem Wachstum in Ländern Brasilien oder China, das auch die Konsumentenstimmung dämpft, deflationären Tendenzen und schwachen Rohstoffpreisen, die es Nestlé erschweren, die Preise wie gewohnt kräftig anzuheben. Aber auch der Skandal um angeblich bleiverseuchte Nudeln in Indien hat Spuren hinterlassen – Nestlé musste den Verkauf zeitweise einstellen, auch das hat Spuren in der Jahresbilanz hinterlassen.
Vor dem neuen Konzernchef Mark Schneider, der erst Anfang Januar mit grossen Vorschusslorbeeren angetreten ist, liegen also grosse Herausforderungen. Er hat bereits angekündigt, in diesem Jahr viel Geld in die Restrukturierung zu stecken, um den Konzern wieder auf Trab zu bringen. Ausserdem hat er Sparprogramme in Aussicht gestellt. Der Ausblick für das laufende Jahr ist sehr zaghaft, 2017 dürfte eher ein Übergangsjahr werden.
Und trotzdem: Verglichen mit Konkurrenten wie Danone schlägt sich Nestlé immer noch sehr gut. Und auch die Aktionäre dürften sich freuen: Die Dividende soll – wie gewohnt – steigen, auf 2,30 Franken pro Aktie.

11 Kommentare

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  • Kommentar von Armin Spreter (aspre)
    Klarstellung : kommt der Ruf nach Enteignung von einem selbsternannten "Anführer" , so könnte dies auf fruchtbaren Boden fallen. Ich selbst bin selbstverständlich dagegen!
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  • Kommentar von W Streuli (Wernu)
    Ich möchte lieber nicht wissen was wäre, wenn wir in der CH kein Grundrecht hätten auf sauberes Trinkwasser.Da wäre es nur eine Frage von Std und sämtliches Quellen wären angezapft und umgefüllt in Pet Flaschen, nicht wahr liebe Nestle? Ach ja liebe Nestle,was symbolisiert ihre Taube"noch" auf dem Firmensymbol? gewiss nicht das liebe Plastik, das so ziemlich grössten Umweltproblem dieser Welt gehören wird,oder doch?
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Japan und China sind ein schwieriger Markt, weil die Länder sich ihrer Macht bewusst sind und im Wesen teilweise stark von europ. Ethnien abweichen. Grosskonzerne und Finanzmächte spekulieren schon lange mit Grundnahrungsmitteln. Abgesehen davon, dass es hoch lukrativ ist, erhält man ungeheure Macht über Menschen und Länder. Bei allen Grossmächten ist Ernährungssicherheit für das eigene Volk von grosser strategischer Bedeutung. China mit seiner riesigen Bevölkerung hat da eine Achillesferse.
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    1. Antwort von Armin Spreter (aspre)
      Nestle hat m.E. ebenfalls eine Achillesferse : nämlich die wenigen Brunnen, die in ohnedies labilen afrikanischen Ländern noch Trinkwasser liefern, das sich die dortige Bevölkerung nicht leisten kann. Dies ist der Stoff, aus dem Revolutionen gestrickt sind, Enteignung wird wohl das Zauberwort sein.
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