Chinas Banken in der Klemme

Ängstlich blickten die Akteure an den Finanzmärkten zum Wochenschluss auf China – den bisherigen Wachstumsmotor. Dort kam der Interbankenmarkt fast zum Stillstand. Das heisst: Keine Bank wollte der anderen mehr Geld leihen. Das gegenseitige Misstrauen kommt nicht von ungefähr.

Finanzdistrikt Pudong in Shangha

Bildlegende: Finanzdistrikt Pudong in Shanghai: Das Misstrauen zwischen Chinas Banken ist gross. Keystone

Sechs Prozent, das die Faustregel: Wenn sich Banken untereinander Geld leihen und dafür nicht mehr als sechs Prozent Zinsen bezahlen müssen, ist das Vertrauen intakt. Im Laufe der Woche schnellte der Zinssatz am chinesischen Interbankenmarkt aber auf 14 Prozent hoch. Am Freitag waren es immer noch mehr als 8 Prozent. Das ist alarmierend.

Denn eine Keditklemme und hohe Zinsen bedrohen die Wirtschaftsentwicklung in China. Das Wachstum ist ohnehin nicht mehr ganz so rosig wie in vergangenen Jahren. Und das hat wiederum direkte Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Darum auch die Nervosität an den weltweiten Finanzmärkten zum Wochenschluss. Parallel zu den Zinsen am Interbankenmarkt nahmen die Gerüchte zu: Die grösste Bank, die Bank of China, sei zahlungsunfähig, heisst es. Diese musste öffentlich dementieren. Ungewöhnlich.

Bisher versorgte die chinesische Zentralbank die Banken mit ausreichend flüssigen Mitteln. Jetzt scheint sie den Hahn sachte zuzudrehen. So will sie die chinesischen Banken zwingen, ihre Schuldenlast zu reduzieren und weniger Kredite zu vergeben.

Gegen die vielen Schattenbanken

Die Massnahme zielt aber auch auf die vielen Schattenbanken Chinas, die ihrerseits wegen des billigen Geldes grosszügig Kredite vergeben, fernab jeder Aufsicht. Das bläht die Immobilienblase weiter auf. Chinas Finanzmarkt steht zur Zeit auf sehr wackligen Beinen – genau wie die von China so abhängige Weltwirtschaft. 

(krua;galc)