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Wirtschaft CS-Chefs noch nicht aus dem Schneider

Die Credit Suisse gesteht kriminelle Machenschaften ein, trotzdem kann ihre Führung im Amt bleiben. Doch die Bankspitze muss sich in den kommenden Monaten neu bewähren. Mehr als Rücktrittsforderungen beschäftigt die Politik, ob die Milliardenbusse von den Steuern abgezogen werden kann.

Legende: Video Führung muss Vertrauen wieder herstellen können abspielen. Laufzeit 02:27 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 20.05.2014.

Für viele mag am CS-Deal mit den US-Justizbehörden störend sein, dass weder Konzernchef Brady Dougan noch Verwaltungsratspräsident Urs Rohner nach dem Schuldeingeständnis der Bank persönliche Konsequenzen ziehen wollen. «Ist diese Bankspitze noch tragbar», fragen sich manche.

Rücktritt für CS-Spitze kein Thema

Rohner und Dougan haben klare Antworten darauf: Für den Bankpräsidenten gehen die Gesetzesverstösse weit zurück, während die gegenwärtige Führung die CS in schwieriger Zeit geleitet und nun in eine bessere Zukunft führen wolle.

Legende: Video CS-Präsident Urs Rohner im Interview abspielen. Laufzeit 09:41 Minuten.
Aus News-Clip vom 20.05.2014.

In diesem Sinn übernehme sie Verantwortung: «Wir wollen die Bank durch die nun nicht einfache Zeit hindurch weiterführen; dafür haben wir von Aktionären, Kunden und Mitarbeitern auch Zuspruch erhalten», sagte Rohner gegenüber SRF. «Deshalb werden wir das ganz sicher auch so tun.»

Dougan äusserte sich an einer Telefonkonferenz ähnlich. Auf die Frage nach seinem Rücktritt erklärte er: «Das stand nie zur Diskussion».

Auf Bewährung im Amt

Und SRF-Wirtschaftsredaktor Christian Kolbe antwortet auf die Frage, weshalb niemand an der CS-Spitze Verantwortung für die kriminellen Machenschaften der Bank tragen müsse: «Das war genau das Ziel des Deals. Damit die Bank nicht zu viel Kundenvertrauen verliert und normal weiter arbeiten kann, einigte man sich drauf, dass die Kapitäne an Bord bleiben sollen.»

Für Kolbe ist aber klar, dass Dougan und Rohner nur unter der Voraussetzung im Amt bleiben können, dass sie das durch den Steuerstreit verlorene Vertrauen in die CS wiederherstellen können. «Schaffen sie das nicht, müssen sie wohl bald ihre Sessel räumen.»

Zunächst in ruhigere Gewässer steuern

Für Finanzprofessor Alfred Mettler sind personelle Konsequenzen auf der Führungsebene nicht vom Tisch, auch wenn das US-Justizministerium kein Köpferollen verlangt hat. «Mich würde erstaunen, wenn es nicht trotzdem kurz- oder mittelfristig personelle Konsequenzen geben würde, die aber von der Bank selber initiiert werden müssen», sagte er im Gespräch mit Radio SRF. Juristisch sei den beiden Managern ja nichts nachgewiesen worden.

Andere Experten glauben ebenfalls, dass es bei der Credit Suisse in den kommenden Monaten zu Veränderungen an der Unternehmensspitze kommen wird. Um die Bank mit dem Schuldeingeständnis nicht zu gefährden, müsse sie aber erst einmal ganz normal weiterarbeiten können.

Politik reagiert gelassen

Die Schweizer Politik hält sich mit Rücktrittsforderungen zurück. Nur die Sozialdemokraten wollen Köpfe rollen sehen. Weder BDP, CVP, FDP noch SVP sehen Handlungsbedarf. Über das Schicksal der Führung hätten allenfalls der Markt und die Aktionäre zu entscheiden.

Legende: Video Busse von den Steuern abziehen? abspielen. Laufzeit 00:50 Minuten.
Aus News-Clip vom 20.05.2014.

Steuerabzug für Busse umstritten

Mehr beschäftigt die Parteien hingegen die Frage, ob der mögliche Abzug von Bussen bei den Steuern gesetzlich neu geregelt werden muss. Auf Bundesebene ist laut Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf die Busse abzugsfähig, soweit sie Gewinnabschöpfungscharakter hat. Nicht abzugsfähig sei dagegen jener Teil der Busse, der Strafcharakter habe. Einige Kantone folgten dieser Auslegung ebenfalls.

Ihr Finanzdepartement strebe eine einheitliche Regelung an, sagte Widmer-Schlumpf weiter. Im Fall der CS dürfte aber noch das heutige Recht gelten. Für die BDP, CVP und die SP wäre ein solcher Abzug «störend» bis «unannehmbar». «Aber wir können Gesetze nicht von heute auf morgen ändern; der Ball liegt bei den Kantonen», sagte BDP-Präsident Martin Landolt.

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14 Kommentare

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  • Kommentar von Max Hug, Luzern
    Das andere Sprichwort: - Hängt die Grossen und lässt die Kleinen laufen.
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  • Kommentar von W. Blatter, Winterthur
    Solange diese Verbrecher für ihr tun & handeln ein Trinkgeld bezahlen dürfen solange wird das alles nie besser.... Wenn man bedenkt was die Finma taugt und die Kommentare unserer Politiker hört, guet nacht! 100 Milliarden wären meiner Meinung nach noch zu wenig.
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  • Kommentar von Resi Weber, Lausanne
    Anfangs 70iger Jahre arbeitete ich in der Vermögensverwaltung der damaligen SBG. Nummerkonten, Korrespondenz banklagernd, Gründung von Pseudofirmen in Liechtenstein, Pseudonamen für Geldeinheiten bei Telexverkehr (z.b. Assugrin für belg. Franken) usw. = tägliche Arbeitsbeschäftigung. Obwohl ein 14. Monatslohn bezahlt wurde, gab es keine Bonis. Die Ermunterung durch mehr Bonis ist am Zerfall des Systems schuld!
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