CS streicht 1600 Stellen in der Schweiz

Seit Juli ist Tidjane Thiam der neue Kopf der Credit Suisse. Nun gibt er bekannt, was sich bei der Bank ändern wird: Die CS baut weltweit 5000 Stellen ab und fährt das Investmentbanking zurück.

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SRF-Wirtschaftsredaktor Christian Kolbe zu Abbau und Aktie

2:25 min, aus Tagesschau am Mittag vom 21.10.2015

Seit seinem Amtsantritt im Juli wird darüber spekuliert, in welche Zukunft der neue CEO Tidjane Thiam die Credit Suisse führen wird. Nun greift er rigoroser durch als erwartet.

Ein grosses Sparprogramm soll bis Ende 2018 3,5 Milliarden Franken Einsparungen bringen. Das riskante Investmentbanking, das im dritten Quartal einen Verlust von 125 Millionen einfuhr, wird zurückgefahren. Hier will Thiam künftig deutich weniger Kapital einsetzen; den Standort London gibt er praktisch auf.

Um die Bilanz weiter zu stärken, wird die CS neues Eigenkapital in der Höhe von 6 Milliarden. Gegenüber Radio SRF begründet Thiam diese Kapitalerhöhung damit, dass sich das regulatorische Umfeld geändert habe. Geld generiert der CS-Chef auch, indem er etwa das wenig rentable Vermögensverwaltungsgeschäft in den USA an Wells Fargo verkauft.

5000 Stellen weltweit abbauen

Betroffen vom grossen Sparprogramm sind laut Thiam 1600 Stellen in der Schweiz. Sie sollen in den kommenden drei Jahren abgebaut werden. Thiam zeigte sich zuversichtlich, dass dies zum grossen Teil über die natürliche Fluktuation geschehen kann.

Weltweit streicht die Grossbank 5000 Stellen. Vor allem das Geschäft in den USA wird verkleinert, weil es in der derzeitigen Grösse nicht konkurrenzfähig ist.

Die Kosten für den Konzernumbau beziffert Finanzchef David Mathers auf insgesamt 1,3 Mrd. Franken. Darüber hinaus kommen weitere Belastungen auf die CS zu: Im Investmentbanking sei mit einem substantiellen Abschreiber zu rechnen.

Auch Top-Manager müssen gehen

Thiam baut die Konzernführung fast komplett um: Er schart teilweise ehemalige Weggefährten um sich. Sie sollen die heute präsentierten Ziele erreichen.

Der bisherige Chef des Schweizer Geschäfts, Hans-Ulrich Meister, muss gehen. Das Schweizer Geschäft soll in einer eigenen Einheit an die Börse gebracht werden, und die globale Führungsstruktur wird umgebaut. Mit Meister müssen drei weitere Top-Manager die Bank verlassen.

Weniger Gewinn erzielt

Die CS hat im dritten Quartal einen Gewinn von 780 Millionen Franken erzielt; das ist etwas weniger als im Vorquartal und auch im Vergleich zum Vorjahr.

Zufrieden ist die CS mit dem Nettoneugeldzufluss von 16,4 Milliarden Franken. Dieser ist höher als in den beiden Quartalen zuvor.

Bankenpersonal sorgt sich

«Bereits in den letzten Jahren hat die CS 2300 Stellen abgebaut, deshalb machen uns die weiteren 1600 Stellen nun schon Sorge», sagt Denise Chervet vom Bankenpersonalverband. Immerhin habe die CS in der Vergangenheit ein gutes Begleitprogramm für die Betroffenen auf die Beine gestellt. So hätten etliche von ihnen denn auch eine neue Stelle innerhalb der Bank gefunden.

Aber: «Wir erwarten, dass die CS ihre soziale Verantwortung wahrnimmt», so Chervet weiter. Denn die Begleitmassnahmen der CS würden keine Geldleistungen wie etwa finanzielle Abfindungen vorsehen. Vor allem für ältere Betroffene über 50 Jahren könne es schwierig werden, eine neue Stelle zu finden.

Anleger reagieren enttäuscht

Die Aktien der Credit Suisse notieren gegen 13 Uhr zwar weiter mit deutlichen Abgaben, haben sich aber vom Tiefstkurs etwas erholt. Die Aktie lag noch mit rund 2 Prozent im Minus. Neben den enttäuschenden Zahlen für das dritte Quartal beurteilen die Analysten die neue Strategie zumindest in ihren ersten Reaktionen zurückhaltend. SRF-Wirtschaftsredktor Christian Kolbe verweist zudem auf den geplanten Börsengang des Schweizer Geschäfts, der die Börse überrascht habe.

Was bedeutet das? Eine Einschätzung der Wirtschaftsredaktorin Eveline Kobler

«Tidjane Thiam krempelt die Credit Suisse stärker als erwartet um und schart dazu ein praktisch komplett umgebautes Top-Management um sich. Insbesondere mit dem 3,5 Milliarden schweren Sparprogramm sowie mit der 6 Milliarden schweren Kapitalerhöhung verschafft sich Thiam mehr Spielraum. Mit der Kapitalerhöhung soll die Credit Suisse international wieder robust positioniert sein und auch die künftigen Kapitalvorschriften, die nicht nur in der Schweiz demnächst verschärft werden, erfüllen können.»

Die Ziele des Konzernumbaus

Die CS verfolgt mit dem Spar- und Umbauprogramm drei Ziele:

  • Die CS soll in der Schweiz gestärkt werden. Der heimische Unternehmensteil kommt an die Börse.
  • Die Vermögensverwaltung und das Private Banking werden ausgebaut, vor allem in Asien.
  • Die Investmentbank soll profitabler, ihr Geschäft gleichzeitig weniger volatil und kapitalintensiv werden.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Credit Suisse tritt auf Sparbremse

    Aus Tagesschau vom 21.10.2015

    Die CS will und muss 3,5 Milliarden Franken einsparen. Dazu soll die Grossbank umgebaut und Personal abgebaut werden - im grossen Stil. Einschätzungen von Wirtschaftsredaktor Christian Kolbe.

  • Umbau auf dem Buckel der Angestellten

    Aus Tagesschau vom 21.10.2015

    Den Umbau der CS bekommen vor allem die rund 47‘000 Angestellten zu spüren. Denn tausende Stellen werden abgebaut oder verlagert. Allein in der Schweiz sind 1‘600 Jobs betroffen.

  • Start mit Rückenwind für den neuen Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam. Doch er will mehr.

    Tidjane Thiam und der neue Stil von Credit Suisse

    Aus Echo der Zeit vom 23.7.2015

    Der neue Mann an der Spitze von Credit Suisse hat seinen ersten offiziellen Auftritt gehabt. Anlässlich der Präsentation der guten Zahlen zum 2. Quartal gab sich der 52-jährige französisch-ivorische Doppelbürger Tidjane Thiam als vorausdenkender Teamplayer.

    Jan Baumann