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Wirtschaft CS verlässt nicht-rentable Länder

Die Credit Suisse zieht sich aus kleineren Ländern mit wenigen Kunden zurück. Der Grund: Das Geschäft lohnt sich nicht mehr. Unter den Staaten sollen sich etwa Kongo, Angola, Usbekistan oder Weissrussland befinden. Der Banken-Experte Maurice Pedergnana hat dafür Verständnis.

Ein Handwerker schraubt ein CS-Logo ab.
Legende: In den nicht-rentablen Ländern werden die CS-Schilder abmontiert. Keystone

Angesichts von Vorschriften und hohen Kosten arbeitet die Credit Suisse (CS) weiter an der Stromlinienförmigkeit ihres Offshore-Geschäfts. Betroffen sind laut dem «Tages-Anzeiger» bis zu 50 Länder, in denen sich das Geschäften schlicht nicht mehr lohnt.

Genaue Angaben über Anzahl Länder, Kunden und betroffene Vermögenswerte machte die CS zwar keine. Immerhin bestätigte ihre Medienstelle gegenüber der Nachrichtenagentur sda aber einzelne Angaben aus dem Zeitungsbericht.

Statt Gewinn ein Verlust

Für Banken-Professor Maurice Pedergnana von der Hochschule für Wirtschaft in Luzern ist der Rückzugsentscheid der CS «absolut nachvollziehbar», wie er gegenüber SRF sagt. ‎Es sei für eine Bank sehr aufwendig, eine bestimmte Kundengruppe aus einem bestimmten Land zu betreuen.

Bei kleinen Anlage-Volumen würden die Infrastrukturkosten – etwa in einem Land wie Turkmenistan – durch die Kommission, welche die Bank verrechnen könne, nicht gedeckt. Als Beisiel rechnet Pedergnana vor: Bei einer Anlage in Höhe von 100'000 Franken reiche das eine Prozent Kommission nicht weit. Trotzdem müssten teure Anlage-Spezialisten und teure Infrastrukturen bezahlt werden. Am Ende resultiere statt eines Gewinns ein Verlust für die Bank.

Nur noch grosse Vermögen sind interessant

Vor allem im IT-Bereich entstünden hohe Kosten: Jedes Land habe eine andere Sprache, andere Vorschriften oder Steuern. Deshalb müsse die Banken-Software für jedes Land individuell ausgestaltet werden, was sehr teuer sei. «Das kann sich nur lohnen, wenn ich als Bank einige sehr vermögende oder viele recht vermögende Kunden habe», so der Banken-Professor. Er spreche hier von zu verwaltenden Vermögen ab einer Million Franken.

In den letzten Jahren habe sich viel geändert in der Vermögensverwaltung. Es werde nun viel mehr darauf geschaut, nur noch Kundensegmente zu bedienen, bei denen auch Gewinne herauszuolen seien. Beispielsweise betreut die CS in Dänemark nur noch Kunden, die ein Vermögen von mindestens einer Million Franken verwalten lassen. Dabei stünden alle Banken – auch die UBS oder Privatbanken – vor den gleichen Problemen und Entwicklungen, erklärt Pedergnana.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Kathriner, Sarnen
    wo ist da das Problem, der Markt regelt das und das ist in einem seriösen Geschäft auch richtig
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    1. Antwort von H. Bernoulli, Zürich
      Wenn die Akteure so mächtig werden (oder auch too big to fail), dass sie selbst die Spielregeln beeinflussen oder sogar diktieren, dann stimmt die Aussage nicht mehr. Ein freier Markt ist eh eine Utopie, ist immer eingebunden in ein gesellschaftlichen Kontext mit Regeln, Bräuche usw. Was wir heute haben sind aber durch die Marktverhältnisse selbst schon lange keine möglichst frei funktionierende Märkte mehr. Siehe z.B. Liborskandal.
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