Darf Tamedia Ricardo übernehmen?

Tamedia will die Inserateplattform Ricardo kaufen. Dagegen könnte die Wettbewerbskommission ihr Veto einlegen. Sie befürchtet, Tamedia könnte mit einer Übernahme bei den Stellen-Rubrikanzeigen eine marktbeherrschende Stellung einnehmen.

Das Verlagshaus Tamedia in Zürich

Bildlegende: Weil Tamedia schon mehrere Anzeigen-Portale besitzt, will die Weko die Übernahme vertieft prüfen. Keystone

Das Zürcher Verlagshaus Tamedia plant, die Inserateplattform Ricardo zu kaufen. Nun will die Wettbewerbskommission (Weko) die Übernahme allerdings vertieft prüfen. Die Übernahme könnte eine marktbeherrschende bei den Stellen-Rubrikanzeigen begründen oder verstärken, teilte die Behörde mit. Auch im Bereich der Fahrzeug-Anzeigen in der Deutschschweiz bestünden Anhaltspunkte, dass eine kollektive Marktbeherrschung entsteht.

Die nun angekündigte vertiefte Prüfung durch die Weko muss innerhalb von vier Monaten erfolgen. Tamedia betreibe mit JobCloud schon mehrere Internetportale im Bereich Stellen-Rubrikanzeigen, heisst es weiter. Ricardo ist mit olx.ch ebenfalls in diesem Bereich tätig. Die allenfalls heute schon marktbeherrschenden Stellung von JobCloud könne sich verstärken.

Zwei grosse Auto-Plattformen

Bedenken hat die Weko auch, was die Fahrzeug-Plattformen betrifft. Die Übernahme könnte zur Konzentration von zwei grossen Anbietern von Auto-Inseraten führen, die zusammen den Markt zum grössten Teil abdecken.

Tamedia hatte im Februar die Übernahme der Ricardo-Gruppe vom südafrikanischen Medienkonzern Naspers angekündigt. Der Kaufpreis liegt bei 240 Millionen Franken für die Unternehmensgruppe mit 190 Mitarbeitenden und einem Umsatz von 40 Millionen Franken im Jahr 2014. Der Kauf wurde damals als ein «entscheidender strategischen Schritt» bezeichnet.