Das Ende der BRIC-Party

Jahrelang floss viel internationales Kapital in die aufstrebenden BRIC-Staaten. Die Schwellenländern waren attraktiv mit hohen Renditen und grossartigen Wachstumsmöglichkeiten. Inzwischen stottern dort aber die Wachstumsmotoren.

Die Staats- und Regierungschefs der BRIC-Staaten im Jahr 2012.

Bildlegende: Ein Foto zu besseren Zeiten: Die Staats- und Regierungschefs der BRIC-Staaten im Jahr 2012. Keystone

Jahrelang floss viel internationales Kapital in aufstrebende Schwellenländer wie Brasilien, Russland, Indien und China. Verglichen mit den Industrieländern lockten in den sogenannten BRIC-Ländern hohe Renditen und grossartige Wachstumsmöglichkeiten. Inzwischen stottern die einstigen Wachstumsmotoren – und rasch fliesst ein Teil dieses schnellen Geldes bereits wieder ab.

Schwellenland ist nicht gleich Schwellenland

Indien hat es in den letzten Wochen besonders hart getroffen. Der Subkontinent ist dringend auf ausländisches Kapital angewiesen. Nur so kann er seine Defizite finanzieren. Aber statt das Geld in das Land reinfliesst, fliesst es neuerdings raus. Die Gründe dafür sind teilweise hausgemacht: Korruption, Misswirtschaft, Inflation.


Ende der Party in den BRIC-Ländern

2:41 min, aus HeuteMorgen vom 13.08.2013

Ankündigung von US-Notenbank hat Folgen

Ein anderer wichtiger Faktor war allerdings die Ankündigung der US-Notenbank, die Zinsen würden nicht ewig auf dem aktuellen Rekordtief bleiben. Das hat bereits genügt, um die internationalen Kapitalströme umzudrehen. Rund sieben Prozent der Gelder, die in Staatsanleihen von BRIC-Staaten investiert waren, sind seither zurückgeflossen. Zurück in die Industrieländer – vor allem in die USA. Etwas tiefer dürfte der Rückfluss von Kapital sein, das in Aktien investiert war, sagt Beat Schumacher, Spezialist für Schwellenländer bei der Zürcher Kantonalbank ZKB.

Chinas Wirtschaft wächst langsamer

Auch wenn die einstigen Lieblinge der internationalen Investoren wegen der Kapitalabflüsse nicht gleich in eine Rezession abstürzen: Die Folgen sind sehr wohl bereits spürbar. Die Börsen- und Wechselkurse geben nach. Ein Problem das China weniger kennt. Denn Peking lässt keinen freien Kapitalverkehr zu. So floss in den letzten Jahren nur wenig ausländisches Geld ins Land, jetzt fliesst dafür auch nur wenig ab.

Trotzdem wächst Chinas Wirtschaft langsamer als auch schon. Jahrelang hatten die internationalen Investoren nur die hohen Renditen im Blick, die sie in den aufstrebenden Ländern erzielen konnten. Seit die Schwellenländer schwächeln, rückt jetzt zunehmend der Risiko-Aspekt in ihr Blickfeld. Schumacher erwartet, dass deshalb noch weiteres Kapital aus BRIC-Ländern wie Indien oder Brasilien abfliesst.

Boom ist vorläufig vorbei

Denn um trotzdem einigermassen attraktiv zu bleiben für ausländisches Kapital, müssen die Regierungen und Zentralbanken dieser Länder Gegenmassnahmen ergreifen und beispielsweise die Zinsen erhöhen. Nur so lassen sich die Investoren bei der Stange halten. Gleichzeitig drücken höhere Zinsen zusätzlich auf das Wirtschaftswachstum. Mit dem Boom ist es deshalb vorläufig vorbei.