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Zertifikate für Lohngleichheit Das Geschäft mit der Gleichstellung

Immer mehr Firmen, die Frauen und Männern den gleichen Lohn zahlen, wollen das auch zeigen und beschaffen sich dafür Zertifikate. Die hohe Nachfrage nach solchen Gütesiegeln ruft viele neue Anbieter auf den Markt. Deren Analysemethoden sind aber nicht immer transparent.

Legende: Video «Zertifikat für Lohngleichheit» abspielen. Laufzeit 1:41 Minuten.
Aus Tagesschau vom 08.03.2017.

Mann und Frau haben Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit. Was seit 1981 in der Bundesverfassung steht, ist noch längst nicht bei allen Schweizer Firmen Realität. Fast 40 Prozent der Lohnunterschiede zwischen Mann und Frau bleiben unerklärt, das haben gestern veröffentlichte Zahlen des Bundesamts für Statistik gezeigt.

Beliebtes Geschäft, wenig Transparenz

Unternehmen, die sich in Sachen Lohngleichstellung an das Gesetz halten, wollen das auch zeigen. Einige Firmen lassen ihre Löhne deshalb mit einem Zertifikat bescheinigen. Die hohe Nachfrage nach Zertifikaten ruft immer mehr Anbieter von solchen Gütesiegeln auf den Markt. «Wir beobachten, dass immer mehr Beratungsunternehmen Zertifikate für Lohngleichheit anbieten wollen», sagt Sylvia Durrer, Direktorin vom eidgenössischen Büro für die Gleichstellung von Frau und Mann (EBG).

Eine Entwicklung, die das EBG begrüsse, wenn die angewandte Methode auch wissenschaftlich und juristisch korrekt sei. «Es gibt aber sehr viele private Anbieter. Und wir haben nicht genügend Ressourcen, um alle zu überprüfen», sagt Durrer. Das EBG empfiehlt auf seiner Webseite denn auch nur zwei Organisationen, die Zertifikate ausstellen: Die Schweizerische Vereinigung für Qualitäts- und Managementsysteme (SQS) und die Stiftung Equal-Salary, die mit dem Beratungsunternehmen PwC zusammenarbeitet.

Ein gutes Gewissen und bessere Wettbewerbsfähigkeit

Unternehmen, die sich von Equal-Salary bescheinigen lassen, müssen sich einer statistischen Analyse unterziehen. Zudem wird etwa überprüft, wie sich das Management der Firma für die Lohngleicht engagiert und wie die Mitarbeitenden dieses Engagement beurteilen.

Auch der Anbieter für Büroartikel Lyreco hat sich einer solchen Überprüfung unterzogen und ein Zertifikat von Equal-Salary erhalten. Lyreco habe den Druck der öffentlichen Diskussion gespürt: «Die Hälfte unserer Angestellten sind Frauen. In der Geschäftsleitung haben wir uns immer wieder gefragt, ob wir ein gutes Gewissen bezüglich der Lohngleichheit haben können», sagt Thomas Illi, CEO von Lyreco.

Das war aber nicht der einzige Grund. Auch die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens spielte eine Rolle: «In öffentlichen Ausschreibungen wurde immer wieder gefragt, ob wir die Lohngleichheit garantieren können», sagt Illi. Tatsächlich zeigte die Überprüfung, dass einige Frauen zu wenig verdienten. «Es gab Lohnunterschiede, die wir nicht erklären konnten. Diese Löhne haben wir nach oben korrigiert.»

3 Kommentare

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  • Kommentar von Thomas Mann (Freidenkerin)
    An SRF: Es ist ja löblich, wenn die Tagesschau solche Beiträge bringt. Im letzten Satz verrät aber die Sprecherin, dass es noch ein langer Weg für SRF zur Gleichstellung ist. "Mehr Aufträge hat Thomas Elli zwar nicht, aber dafür den Dank der Mitarbeiter." Was haben die Männer in dem Betrieb vom Zertifikat? Es ist ja wohl der Dank der Mitarbeiterinnen oder zumindest Mitarbeitenden. Es ist an der Zeit, vor der eigenen Tür zu kehren.
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  • Kommentar von D. Zeller (jaro)
    8 oder 9 Berichte und Filmchen über den Weltfrauentag. Unsere Journalisten haben wahrscheinlich gerade nicht viel anderes zu berichten gehabt. Unseren Frauen geht es sehr gut. Gleich wie Männer werden sie aber niemals, auch wenn sich die Medien und die Feministinnen das seit Jahren wünschen. Das geht einfach nicht.
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    1. Antwort von Thomas Mann (Freidenkerin)
      Das wollen weder die Medien noch die Feministinnen. Wogegen sie sich jedoch wehren, sind genau solche Kommentare wie der von Ihnen
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