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Wirtschaft Das grosse Buhlen um das digitale Telefonbuch

Wem gehört in Zukunft das öffentliche Schweizer Telefonbuch? Tamedia und Swisscom werben beide um das Telefonverzeichnis local.ch der Publigroupe. Im Gegensatz zum Medienhaus will der Telecomanbieter allerdings nur einzelne Teile kaufen.

das Icon local.ch
Legende: Kann zwischen zwei grossen Anbietern wählen: local.ch Keystone

Nachdem der Werbevermarkter Publigroupe anfangs Monat mit Publicitas das Anzeigengeschäft und damit sein historisches Kerngeschäft verkauft hat, buhlen nun Swisscom und Tamedia um die besten Resten. Beide Unternehmen haben es auf den 50-Prozent-Anteil der Publigroupe an der Plattform local.ch abgesehen.

Das Interesse von Tamedia kommt nicht von ungefähr, sagt SRF-Wirtschaftsredaktor Klaus Bonanomi: In den letzten zehn Jahren sind die gedruckten Zeitungsinserate massiv eingebrochen. Die Einnahmen daraus sind weggeschmolzen. Tamedia hat viel ins digitale Geschäft investiert, so etwa in Plattformen zum Immobilienkauf, zu Autoinseraten oder Stellenangeboten. Tamedia besitzt bereits 75 Prozent am local.ch-Konkurrenten search.ch. «Zusammen mit local.ch könnte Tamedia hier klar zum Marktleader werden», sagt Bonanomi. Tamedia will die gesamte Publigroupe für 350 Millionen Franken kaufen.

Bieterkampf um Filetstück

Nun meldet aber auch die Swisscom ihr Interesse an der Plattform an. Im Gegensatz zu Tamedia will Swisscom nicht die gesamte Publigroupe übernehmen, sondern einzig deren 50 Prozent an local.ch. Der Telekommunikationsriese hält bereits die andere Hälfte an der Plattform. Seit 1998 ist local.ch im gemeinsamen Besitz von Swisscom und der Publigroupe.

Mit dem Telefonverzeichnis lasse sich viel Geld verdienen, sagt Bonanomi. Das Geld verdiene man in erster Linie mit den Geschäftskunden: Dem Coiffeur, dem Handwerker und den Restaurants. Die inserieren in den gelben Seiten oder eben auf den online und mobilen Angeboten. Auf letzteres setzt die Swisscom. Sie weiss ja bereits, wo die Handykunden sind. So könnte die Swisscom ihnen entsprechend auch örtlich nahe gelegene Restaurants auf das Smartphone spielen, sagt Bonanomi. In Zukunft sei es vielleicht auch möglich, darüber auch direkt einen Tisch in einem Restaurant reservieren. Das gäbe Zusatzeinnahmen für die Swisscom, ist Bonanomi überzeugt.

Qual der Wahl haben die Aktionäre

Local.ch ist nach eigenen Angaben die Nummer eins der Schweizer Telefonverzeichnisse. Drei von vier Menschen in der Schweiz nutzten immer noch das gedruckte Telefonbuch. Immer wichtiger werden aber online und mobile Angebote. Die App von local.ch ist mit drei Millionen heruntergeladenen Apps eine der meistverwendeten in der Schweiz. Und mit vier Millionen Zugriffen pro Monat online wird local.ch auch online sehr stark genutzt.

Die Qual der Wahl haben nun die Aktionäre der Publigroupe: Sie müssen entscheiden, ob die Publigroupe als eigenständiges Unternehmen überhaupt noch eine Zukunft hat. Übernimmt Tamedia, bedeutet es das Ende des Unternehmens. Das Angebot der Swisscom würde dagegen bedeuten, dass man nur local.ch aus der Publigroupe herausverkauft. Es zeichne sich ein langwieriger Kampf mit ungewissem Ausgang ab. Vielleicht gäbe es am Ende auch eine Art von Kooperation zwischen Tamedia und Swisscom, was unternehmerisch wohl am sinnvollsten wäre, sagt Bonanomi.

Freuen durften sich die Aktionäre aber bereits. An der Börse sorgte das Angebot der Swisscom am Freitagmorgen für einen Höhenflug der Publigroupe-Aktien. Bei Handelsbeginn lag der Kurs der Aktien bei 171 Fr. und damit 7,8 Prozent im Plus. Im Verlauf des Vormittags stieg der Kurs weiter an.

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1 Kommentar

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  • Kommentar von Ch. Gerber, Basel
    Eigendlich egal, da die eh die Stern Einträge immer mal wieder löschen. Oder warum wohl sollten Terror anrufe von Callcenter täglich bis zu 2x Anrufen? Wir mussten schon mehr fach den Sterneintrag erneut erstellen. Besten dank auch.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen