Das grosse Buhlen um Hypothekarkunden

Die erste Anlaufstelle für eine Hypothek ist die Bank. Doch dem Kunden bieten sich Alternativen, nur wissen das die wenigsten. Denn auch Lebensversicherer wie Swiss Life weibeln um Hypothekarkunden.

Baustelle für Ferienwohnungen in Laax.

Bildlegende: Platz für eine Hypothek? Baustelle für Ferienwohnungen in Laax. Keystone

Patrick Frost verwaltet deutlich über 100 Milliarden Franken für die Swiss Life. Als Anlage-Chef will er die Versicherungsprämien, die der Konzern von seinen Kunden etwa für Lebensversicherungen einkassiert, möglichst gewinnbringend und sicher anzulegen.

Langfristig anlegen

Rund fünf Milliarden dieser Summe vergibt er inzwischen in Form von Hypotheken – und es sollen mehr werden: «Wir können die Gelder unserer langfristig orientierten Kunden für 10 Jahre als Festhypotheken anlegen», sagt Frost.

Er vergibt vor allem langfristige Hypotheken an Privatkunden. Der Anlagechef gibt unumwunden zu, dass er dabei im hart umkämpften Hypotheken-Geschäft auch schon mal die Konkurrenz unterbietet, um einen Kunden zu gewinnen; dass er auch schon mal einen Häuserkredit zu tieferen Zinsen offeriert, als das die Banken tun.

«Für uns lohnt es sich, am langen Ende etwas kompetitiver zu sein als die Banken. Wir sind interessiert an dieser Anlageklasse. Es gibt eine Mehrrendite gegenüber beispielsweise Staatsanleihen», sagt Frost.

So verdient er – salopp gesagt – wenigstens ein bisschen was mit seinem Kapital. Denn mit anderen Anlagen ist momentan kaum noch etwas zu verdienen. Das gilt auch für die beliebten, und als sicher geltenden Staatsanleihen.


Hartumkämpftes Hypothekengeschäft

3:06 min, aus Rendez-vous vom 14.08.2013

«Qualität im Vordergrund»

So wie Swiss Life denken auch die meisten anderen Lebensversicherer. Das beobachtet Lorenz Heim. Er ist Hypothekar-Experte beim Vermögenszentrum VZ. «Praktisch alle Lebensversicherungen haben das als Teil als Anlagegelder definiert. Das sind je nach Gesellschaft etwa 5 bis 10 Prozent der Anlagesummer, die in Hypotheken investiert werden», sagt Heim

Dass die Lebensversicherungen teilweise tiefere Zinsen anbieten als die Banken, muss laut Lorenz Heim nicht zwingend gefährlich sein. Denn bei den Versicherungen ist das Hypothekar-Geschäft nur eines von vielen. «Sie sind interessiert, die Gelder langfristig anzulegen. Das heisst, sie suchen weniger als die Banken das schnelle Wachstum. Sie stellen die Qualität in den Vordergrund.»

Ein Risiko bleibt

Überprüfen lässt sich diese Aussage allerdings nicht. Es ist schwierig von aussen zu beurteilen, ob die Versicherungen tatsächlich genügend Vorsicht beim Vergeben von Hypotheken walten lassen, und ob sie tatsächlich genügend auf die Zahlungsfähigkeit ihrer Kunden achten.

Ansonsten könnte letztlich das Unterbieten der Konkurrenz auch die Versicherer teuer zu stehen kommen, sollten die Immobilienpreise in der Schweiz dereinst ins Rutschen geraten.