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Wirtschaft Das intransparente Geschäft mit der Spezialmilch

Nicht nur das Milchsortiment ist vielfältig – auch die Preise sind es. Spezialmilch kostet im Laden gerne einen Drittel mehr als Billigmilch. Daran scheinen vor allem die Grossverteiler zu profitieren. Bauern erhalten für Berg- und Wiesenmilch oder Milch aus der Region kaum einen Zuschlag.

Legende: Video Neue Milchsorten für eine bessere Marge abspielen. Laufzeit 3:52 Minuten.
Aus 10vor10 vom 26.08.2015.

Wiesenmilch, Standardmilch, Regionalmilch, Bergmilch – von billig bis teuer hat der Kunde die Qual der Wahl. Die Grossverteiler haben ihr Milch-Sortiment stark ausgebaut. Damit erfülle sie die Bedürfnisse der Kunden, sagt etwa die Migros.

Kundenwunsch oder Profitsteigerung?

Der Kundenwunsch sei ein Grund, sagt Martin Flüeler, Leiter der Molkerei Davos und Zulieferer der Pro Montagna- Milch von Coop. Mit teureren Milchsorten steige aber auch die Marge und damit der Profit: «Nur mit der Billigmilch wäre die Marge so tief, dass kaum jemand seine Kosten decken könnte.»

Die Lösung dazu sei, das Milchsortiment zu diversifizieren, so Flüeler. Diversifiziert wurde auch bei den Preisen: Während eine billige Milch im Laden gut einen Franken kostet, bezahlt der Kunde für Spezialmilch knapp zwei Franken.

Bauern erhalten kaum Zuschläge

Marc Tobler produziert im Berner Jura Bergmilch für die Heidi-Linie der Migros. Für einen Liter bekommt er rund 55 Rappen. Im Laden kostet der Liter 1.70 Franken. Tobler nimmt an, dass die Migros diesen Mehrwert selber einnimmt: «Ich wüsste nicht, wer sonst.»

Für Hanspeter Kern, Präsident der Schweizer Milchproduzenten ist klar, dass «ein grosser Teil von den Zwischenhändlern aufgefressen wird.»

Die beiden Aussagen verdeutlichen, wie intransparent die Margen der Spezialmilch verteilt sind. Klar ist jedoch: Die Milchbauern profitieren von den teuren Ladenpreisen kaum:

  • Für die Bio-Milch bekommt der Bauer rund einen Drittel mehr als für eine Standard-Milch. Gleichzeitig hat er aber Mehrkosten für die biologische Produktion.
  • Bei der Wiesenmilch bekommt der Landwirt einen Zuschlag. Allerdings sind die Produktionskosten höher – nur wenig Kraftfutter und Mais sind erlaubt.
  • Am wenigsten bekommen die Bauern bei der Bergmilch. Einen Zuschlag für Milch aus den Bergen gibt es nicht.

Profitieren vor allem Grossverteiler?

Zu Milchpreisen und Margen will sich die Migros nicht äussern. Sie sagt nur, dass die Kosten für den Transport, die Verarbeitung und für das Marketing bei der Heidi-Bergmilch höher seien als bei einer normalen Milch.

Auch bei Coop gibt es keinen Zuschlag für die Berg-Bauern der Pro Montagna-Linie. Teilweise bekommen die Milchbauern der Coop-Bergmilch von ihren Molkereien aber etwas mehr Geld als die Bauern der Heidi-Bergmilch.

Die Idylle trügt, das Geschäft mit der Milch ist hart – und intransparent. Es scheint, als würden vor allem die Grossverteiler von der Milchvielfalt profitieren.

Wertschöpfungskette Bergmilch

Wertschöpfungskette Bergmilch

Recherchen von SRF haben ergeben, dass die Wertschöpfungskette von Coops Linie "Pro Montagna" in etwa so aussieht:

Im Laden kostet der Liter Bergmilch 1.70 Franken. Coop bezahlt der Molkerei 1.25. Der Bauer wiederum erhält von der Molkerei 60 Rappen.

13 Kommentare

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  • Kommentar von Hermann Dettwiler (Alapeller)
    Die Händler sind die Treuhänder zwischen Produzenten und Konsumenten. Um die Preise zu rechtfertigen, sollten sie mal die Buchhaltung offenlegen und für uns Konsumenten die Kalkulationen der Milchbauern ehrlich nachrechnen und uns zeigen, wie gerecht sie mit ihrer Macht umgehen. Die Verantwortung für die Existenzsicherheit der Bauern liegt einzig und allein bei den Händlern.
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  • Kommentar von Mike Steiner (M. Steiner)
    Wer hätte das gedacht... Im ernst: Wer nicht schon längst weiss, dass die Grossverteiler mit ihrer Gier die Bauern in Ihrer Existenz kaputtmachen, der sollte beispielsweise seine Für-dich-und-mich-Brille oder die Generation-M-Blende endlich mal abnehmen.
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    1. Antwort von Jürg Baltensperger (Baltensperger)
      Die Bauern bringen sich selbst um die Existenz indem sie im grossen Stil am Markt vorbei produzieren. Die Selbstversorgung der Schweiz mit Milchprodukten (was kein Grundnahrungsmittel ist) beträgt 118% und kostet den Steuerzahler deshalb Milliarden jährlich. Umdenken liebe Bauern, umdenken! Produziert bitte Produkte, die nachgefragt werden. Innovation ist kein Schimpfwort sondern überlebenswichtig für jeden Wirtschaftszweig - auch für die Landwirtschaft.
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  • Kommentar von Roli Bolli, Dübendorf
    Eine riesige Sauerei ist das! Ich kaufe immer die Heidimilch, zahle fast sfr. 2.00 und der Bauer bekommt nicht mehr, liebe MIGROS und COOP ihr solltet euch schämen!
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    1. Antwort von Hans Frei, Regensdorf
      Sagt euch das Konzept "freie Marktwirtschaft" etwas? Inkompetente "Nachrichten" und noch unqualifiziertere Kommentare scheinen hier an der Tagesordnung zu stehen. Wenn der Kunde offenbar bereit ist für ein besseres Produkt mehr zu bezahlen, dann ist der Preis gerechtfertigt. Wer davon den meisten Profit nehmen kann, hängt davon ab wer die strategisch wichtigste Position in der Wertschöpfunskette besitzt. Wäre es euch lieber wenn der Staat entscheidet wohin der Profit geht? Marx lässt grüssen.
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