Das sagen die Verbände

Die Sprecher von Swissmem und Interpharma über die Reaktionen auf den SNB-Entscheid zur Aufhebung des Mindestkurses.

Swissmem: «Zurzeit wird jeder Rappen zweimal umgedreht»

Ivo Zimmermann, Sprecher des Verbandes der Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie (Swissmem), über die Reaktionen auf den SNB-Entscheid zur Aufhebung des Mindestkurses.

  • Zu möglichen Lohnkürzungen «In der zurzeit äusserst angespannten Situation prüfen die Unternehmen in der Branche sämtliche Möglichkeiten, um ihre Kosten zu senken. Das Thema Lohn ist nur eines von vielen. Erfahrungsgemäss sind die Unternehmer aber sehr zurückhaltend, wenn es um Lohnsenkungen geht. Swissmem hat seit dem 15. Januar 2015 täglich Anfragen von Mitgliedfirmen. Sie informieren sich in einem ersten Schritt über die bestehenden Möglichkeiten. Die Mehrheit der Anfragen dreht sich um die Handhabung des Artikel 57 des GAV der MEM-Industrie (Arbeitszeitverlängerungen).
  • Zu möglichen anderen Massnahmen «Den bereits erlittenen Margenverlust auf allen vor dem 15.1.15 fakturierten und noch nicht bezahlten Rechnungen kann man nicht mehr ausgleichen. Diese Erträge sind verloren. Als Sofortmassnahmen haben viele Firmen einen sofortigen Einstellungsstopp verfügt sowie sämtliche Investitionsentscheide sistiert. Zudem werden die Jahresbudgets aufgrund der neuen Währungssituation vollständig revidiert. Zurzeit wird in den Betrieben einfach jeder Rappen zweimal umgedreht. Vereinzelte Unternehme werden versuchen, ihre Preise zu erhöhen. Das gelingt aber nur jenen, die eine Alleinstellung im Markt haben. Ansonsten suchen die Unternehmen auf der gesamten Wertschöpfungskette nach Einsparpotenzial. Das beginnt beim Einkauf, geht über Effizienzsteigerungen in der Lagerbewirtschaftung, der Produktion und der Administration. Je nach dem kommt aber der Produktionsstandort Schweiz unter Druck. Es dürfte einige Firmen geben, die Teile der Produktion ins Ausland auslagern werden – mit entsprechendem Verlust der Arbeitsplätze in der Schweiz.

Interpharma: «Der starke Franken birgt auch Chancen»

Sara Käch, Sprecherin des Pharmaverbandes Interpharma, zu den möglichen Auswirkungen des SNB-Entscheids in ihrer Branche.

  • Zu den Problemen, die die Aufhebung des Mindestkurses für die Pharmabranche mit sich bringt «Auch für uns war der Entscheid der SNB ein Schock. Die Aufgabe des Mindestkurses stellt auch die Pharmaindustrie vor Probleme, denn die Exporterlöse werden durch den starken Franken schrumpfen, während sich die Kosten am Standort im Vergleich zur Eurozone massiv erhöht haben. Während die Firmen auf globaler Ebene gegen Währungsschwankungen gut abgefedert sind, weil sie auch im Ausland forschen und produzieren, ist der Währungsschock am Standort Schweiz nicht so einfach abzufedern.
  • Zu den Möglichkeiten der Unternehmen «Mittel- und längerfristig bieten sich jedoch auch Chancen, denn der starke Franken zwingt dazu, sich noch stärker auf produktive, innovative Sektoren mit hoher Wertschöpfung zu konzentrieren. Dies ist schon in der Vergangenheit in Zeiten eines starken Frankens gut gelungen, jetzt ist es aber noch wichtiger geworden, die Attraktivität des Standorts Schweiz zu erhalten.»
  • Zu den Forderungen an die Politik «Wichtiger als die aktuellen Währungsschwankungen seien für die Pharmabranche eine pragmatische Umsetzung der Masseneinwanderungs-Iinitiative und der Unternehmenssteuerreform III. «Im Moment sind Themen wie Lohnkürzungen oder Stellenabbau kein Thema. Uns interessieren vor allem der Erhalt der forschungsfreundlichen Rahmenbedingungen, die Rechtssicherheit sowie die erfolgreiche Rekrutierung von hochqualifizierten Fachkräften.»