Das Samsung Galaxy Note 7 ist Geschichte

Samsung beendet die Produktion seines problembehafteten Smartphones Galaxy Note 7. Das Modell, dessen Akkus mehrfach zu brennen begannen, werde nicht mehr auf den Markt kommen, teilte der Marktführer mit.

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Samsung: Ein beispielloses Debakel

0:49 min, aus Tagesschau am Mittag vom 11.10.2016

Samsung stoppt die Produktion seines problembehafteten Smartphones Galaxy Note 7. Das Modell werde nicht mehr auf den Markt kommen, teilte ein Sprecher des südkoreanischen Smartphone-Marktführers mit.

Das Gerät war erst im August eingeführt worden und sollte dem iPhone von Apple Konkurrenz machen. Anfang September hatte Samsung allerdings nach Berichten über in Flammen aufgegangene Handys einen Austausch aller weltweit bis dahin ausgelieferten 2,5 Millionen Geräte angekündigt.

Vor wenigen Tagen war dann an Bord eines Flugzeugs ein «Note 7» in Brand geraten, das nach Angaben der Besitzer bereits getauscht worden war.

Aktienkurs brach ein

Nach den Berichten von brennenden Erst- und Ersatzgeräten hatten die Mobilfunk-Betreiber AT&T, T-Mobile US und Verizon angekündigt, keine «Note 7» mehr an ihre Kunden auszugeben.

Medienberichte vom Montag, wonach Samsung den Verkauf von Galaxy Note 7 stoppen und die Produktion auf Eis legen wolle, frustrierten schliesslich auch Anleger. Der Aktienkurs von Samsung Electronics brach am Montag zu Handelsbeginn an der Börse in Seoul um rund fünf Prozent ein. Zum Börsenschluss notierte das Papier mehr als sieben Prozent im Minus.

Akku zu gross fürs Gehäuse?

Samsung hatte noch Anfang September eine weltweite Umtauschaktion für rund 2,5 Millionen Geräte des Galaxy Note 7 lanciert. Anfang Oktober hatte das Unternehmen den Verkauf in Südkorea wiederaufgenommen. Der Verkaufsstart in Europa war für den 28. Oktober geplant.

Nach früheren Angaben der US-Konsumentenschutzbehörde könnte ein Grund für die Probleme beim ursprünglichen Note 7 gewesen sein, dass die Akkus etwas zu gross für den Platz im Gehäuse geraten seien und es dadurch beim Einbau zu Kurzschlüssen in den Batterien kommen könne.

Wie Samsungs Problem mit dem Galaxy Note 7 immer grösser wurde

2. AugustSamsung stellt das «Phablet» mit der Bildschirm-Diagonale von 5,7 Zoll vor. Das Vorzeigemodell soll im oberen Preissegment punkten, in dem Apple mit seinen iPhones stark ist. Der Finanzdienst Bloomberg berichtet später, Samsung habe sich beeilt, es deutlich vor dem September-Marktstart des iPhone 7 auf den Markt zu bringen.
19. AugustDas Galaxy Note 7 kommt in mehreren Ländern in den Handel. Nach und nach gibt es Berichte von Nutzern über brennende oder zumindest überhitzte Telefone.
2. SeptemberSamsung gibt wenige Tage nach Verkaufsstart in Europa eine weltweite Rückrufaktion bekannt. Zunächst ist von 35 bestätigten Zwischenfällen die Rede.
8. SeptemberDie US-Flugaufsicht FAA und dann auch ihr europäisches Pendant EASA verbieten, Geräte des Modells in Flugzeugen zu nutzen oder aufzuladen. Sie dürfen auch ausgeschaltet nicht ins aufgegebene Gepäck.
16. SeptemberIn den USA gibt es auch einen offiziellen Rückruf. Dabei werden deutlich mehr Fälle bekannt. Allein in dem Land seien demnach 26 Brände und 55 Fälle von Sachbeschädigung gemeldet worden.
19. SeptemberSamsung leitet den Austausch der Geräte ein. Zugleich wird der Verkauf von Beteiligungen an anderen Tech-Unternehmen im Wert von rund einer Billion Won (etwa 800 Millionen Euro) bekannt. Die Kosten des Rückrufs für Samsung werden auf mindestens rund 900 Millionen Euro geschätzt.
22. SeptemberDie südkoreanische Behörde für Technologie und Standards (KATS) fordert von Samsung vor der Wiederaufnahme des Verkaufs zusätzliche Sicherheitsprüfungen. Unter anderem solle jede Batterie für das Gerät einem Röntgentest unterzogen werden.
27. SeptemberSamsung kündigt an, dass das Note 7 in Europa am 28. Oktober wieder regulär in den Handel kommen soll.
5. OktoberEin gerade ausgeschaltetes Note 7 gerät in einem Flugzeug, das vor dem Abflug noch am Gate steht, in Brand. Nach Darstellung des Besitzers ist es bereits ein Austauschgerät.
9. OktoberEs werden vier weitere Fälle bekannt, in denen US-Verbraucher von Bränden mit Ersatzgeräten berichten. Zwei davon füllten demnach in der Nacht ein Schlafzimmer mit Rauch. Ein Telefon soll sich in den Händen eines 13-jährigen Mädchens in einer Schule entzündet haben. Die Mobilfunk-Anbieter AT&T, Verizon und T-Mobile US geben an ihre Kunden gar keine Note 7 mehr heraus.
10. OktoberMehrere Medien berichten, Samsung setze die Produktion des Geräts erneut aus. Vom Unternehmen heisst es dazu nur, die Produktionsplanung werde «vorläufig angepasst».
11. OktoberSamsung stoppt den Verkauf des Note 7 erneut. Kunden werden aufgefordert, auch die Ersatzgeräte nicht mehr zu benutzen. Samsung ermutigt sie zudem, ihre Geräte gegen andere Modelle einzutauschen oder sich den Kaufpreis zurückerstatten zu lassen.

Kunden in der Schweiz

Von der weltweiten Rückrufaktion sind in der Schweiz wenige hundert Kunden betroffen. Bei Swisscom erhalten die rund 200 Kunden ihr Geld zurück oder können ein anderes Gerät wählen. Sunrise hat den Verkauf ebenfalls gestoppt. Angaben zu den betroffenen Kunden macht das Unternehmen nicht. Salt hat bislang keines der Geräte verkauft.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Rennen um immer bessere Handy-Akkus birgt Gefahren

    Aus 10vor10 vom 11.10.2016

    Samsung hat heute den Rückruf von sämtlichen Galaxy-Note-7-Geräten bekanntgegeben. Die Brände bei den Akkus des Handy-Modells zeigen die Grenzen von Produktionstechnik und Physik auf.