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Swissness-Gesetz Das Schweizerkreuz gibt es nicht gratis

  • Am 1. Januar 2017 tritt das Swissness-Gesetz in Kraft. Es regelt die Anforderungen, welche Firmen erfüllen müssen, damit sie ihre Produkte mit Schweizer Symbolen, «Schweizer Produkt», «Made in Switzerland» oder Ähnlichem bewerben dürfen.
  • Für die Schweizer Uhrenindustrie ist die Marke Schweiz besonders wichtig. Sie investierte darum in den letzten Monaten, um die neuen Auflagen zu erfüllen.
  • Viele Lebensmittelhersteller kritisieren das neue Gesetz. Es schütze vor allem die Schweizer Landwirtschaft, nicht aber die Schweizer Qualität, sprich die Innovation, Kreativität oder die Zuverlässigkeit der Fabrikation.

Schweizerkreuz lohnt sich nicht für alle

Der Nahrungsmittelmulti Nestlé beispielsweise entschied sich, bei einigen Produkten vom Schweizerkreuz abzulassen. Auch dem Schokoladehersteller Gysi Chocolatier Suisse aus Bern-Bümpliz bringt das neue Gesetz nichts. Denn dieses basiert allein darauf, dass verarbeitete Schweizer Lebensmittel zu 80 Prozent aus Schweizer Rohstoffen hergestellt werden. Und dies macht Gysi bereits jetzt so. Doch die ausländischen Kunden würden sich nicht deshalb für seine Produkte entscheiden.

Es ist die handwerkliche Qualität, die den höheren Preis rechtfertigt – und nicht die Tatsache, dass wir teureren Schweizer Zucker einsetzen.
Autor: Thomas GysiChef Gysi Chocolatier Suisse
Legende: Video Wieviel Swissness ist zuviel? abspielen. Laufzeit 3:25 Minuten.
Aus 10vor10 vom 27.12.2016.

Für Gysi heisst das: Auch in Zukunft wird er einzelne Produkte mit dem Schweizerkreuz bewerben. Andere, etwa Praliné-Konfektionen für die britische Premium-Supermarktkette Waitrose, kommen ohne das Schweizerkreuz in den Handel. Unter dem Strich bedeuten die neuen Regeln für Gysi also vor allem eines: mehr administrativen Aufwand, um zu belegen, dass er die Swissness-Regeln erfüllt.

Nützen die Swissness-Regeln den Richtigen?

Gysi und andere Lebensmittel-Hersteller kritisieren, dass das Swissness-Gesetz vor allem die Schweizer Landwirtschaft schütze. Der Herkunft der Rohstoffe mache aber nur einen kleinen Teil der Swissness aus, so Firmenchef Gysi.

Wir punkten mit Innovation, Flexibilität und Kreativität. Und gerade diese Faktoren werden durch das neue Swissness-Gesetz nicht geschützt.
Autor: Thomas GysiChef Gysi Chocolatier Suisse

Die Schweizer Bauern werden mit dem neuen Gesetz aber definitiv die Zutaten für die Lebensmittelindustrie, wie Zucker oder Milchpulver, einfacher loswerden.

Uhrenindustrie braucht «Swiss Made»

Für die Uhrenindustrie ist es besonders wichtig, die sogenannte Swissness vermarkten zu können. Denn bei Luxusuhren sind Konsumentinnen und Konsumenten bereit, mehr als doppelt so viel zu bezahlen für eine Schweizer Uhr, als für eine Uhr anderer Herkunft. Das besagt eine Studie, Link öffnet in einem neuen Fenster. Darum hat die Uhrenindustrie in den letzten Monaten aufgerüstet.

Um die Swissness-Bedingungen zu erfüllen, hat die Uhrenindustrie wieder vermehrt in der Schweiz investiert.
Autor: Jean-Daniel PaschePräsident Uhrenverband

Um die Swissness-Regeln zu erfüllen, müssen die Uhren komplett in der Schweiz entwickelt werden und die Mehrheit der Teile muss aus inländischer Produktion stammen. Mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten sollen so in der Schweiz anfallen. Das ist eine Verschärfung - bisher waren es 50 Prozent.

Die neuen Regelungen sind vor allem für die Uhrenhersteller im billigeren und mittleren Segment eine Herausforderung, jene Firmen die Gehäuse, Zifferblätter und Zeiger importieren. Die Verschärfung der Regeln bedeutet, dass die Herstellungskosten steigen, weil die hierzulande produzierten Teile teurer sind. Damit sinkt die Marge der Fabrikanten. Für einige Firmen sind die neuen Regeln deshalb eine grosse Herausforderung.

Lockere Regelung im Vergleich

Im Vergleich zu den USA sind die Swissness-Regeln für die Uhrenindustrie allerdings ziemlich liberal. Dort müssen die Uhrenhersteller alle Bestandteile in den USA herstellen, sonst dürfen sie die Bezeichnung «Made in USA» nicht verwenden.

Swissness-Gesetz

Per 1. Januar 2017 tritt das Swissness-Gesetz in Kraft. Es regelt, welche Anforderungen Unternehmen erfüllen müssen, um Schweizer Symbole oder den Begriff «Schweizer Produkt» nutzen zu dürfen. Dafür müssen die Produkte zu einem hohen Prozentsatz in der Schweiz oder mit Schweizer Zutaten hergestellt werden. Dies ist für jedes Produkt exakt geregelt.

13 Kommentare

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  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Man könnte auch sagen, das Schweizer Kreuz gibt es nicht mehr. Auch das hat man mit WischiWaschi zunichte gemacht. Es kann nur etwas das Schweizer Kreuz tragen, das komplett in der Schweiz gemacht wurde, so wie früher. Die Spitzfindigkeiten sind kaum zu glauben. Es würde auch mit gesundem Menschenverstand gehen! Wahrscheinlich haben wir kaum mehr gesunde Menschen mit Verstand!
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    1. Antwort von Niklaus Bächler (Brücken- statt Mauerbau!)
      Ich möchte ihnen zu ihrem Votum zu bedenken geben,dass die Unternehmungen selbst diese Entwicklungen mitzuverantworten haben.Gier & Gewinnoptimierungen haben u.a. dazu geführt,dass selbst die gestandenen CH-Unternehmungen im Ausland begannen,Komponenten herzustellen.Traditionsreiche Firmen wie Lindt & Sprüngli, Stadler Rail,+GF+,Nestle, Roche, Swatch uva. haben längst erkannt,dass sich mit dem CH-Kreuz Geld verdienen lässt & man trotzdem Komponenten/Prozesse im Ausland fertigen/auslagern kann.
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  • Kommentar von Franz NANNI (Aetti)
    Wenn man bedenkt dass Staaten wie Suedafrika zB das weisse Kreutz im roten Feld, die Schweizer Fahne nota bene als....ROTKREUTZ-Emblem missbrauchen... (die CH-Botschaft.. ja da kann man nichts machen) und da fuehrt man nun eine solche Schutzklausel in der CH selbst ein.. da muss ich Herrn Baechler mal Recht geben, wenn auch mit Widerwillen
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    1. Antwort von Niklaus Bächler (Brücken- statt Mauerbau!)
      Dieses Gesetz ist deshalb so wirkungslos,wie sie dies übrigens an einem schönen Bsp. beschreiben, weil es keine Möglichkeit gibt,dieses auch durchzusetzen. Ich kommen gerade von einer Geschäftsreise aus Südostasien zurück.An beinahe jeder Strassenecke lachten mich CH-Kreuze an & sobald dieses Kreuz zu sehen ist, kaufen die Menschen diese Produkte.Der Markt ist geschwemmt von Plagiaten & kein Kopierer schert sich drum.Solche Gesetze sind gut für's nationale Gewissen,bringen letztlich aber nichts!
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  • Kommentar von Armin Hug (Hugi)
    Erwartet man bei Schokolade und Swiss Made dass die Kakao-Bohnen und der Zucker aus der Schweiz stammen? Wohl kaum - tatsächlich steht die Fertigung im Fordergrund. Letzthin kaufte ich an einem Flughafen in Deutschland ein Geschenk und wählte Lindt & Sprüngli. Bei der Geschenkübergabe an den Deutschen Freund dankte er mir für ein DEUTSCHES Produkt, da hergestellt in Aachen!!! Ich konnte es kaum glauben aber es stimmte! Wo hilft da dieses Gesetz?
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    1. Antwort von marc rist (mcrist)
      Abgesehen von der Schweiz produziert Lindt & Sprüngli mittlerweile ebenfalls in Deutschland, Italien, Frankreich, Österreich und in den USA. Die Aufzählung ist möglicherweise nicht abschliessend. Irgendwoher muss die Ware ja kommen, mit der die Regale in den weltweiten Duty Free Shops geflutet werden.
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    2. Antwort von Niklaus Bächler (Brücken- statt Mauerbau!)
      Nun frage ich sie,was dieses Gesetz soll? Es dient einzig den Initianten, wie SR Minder,der seine Tribol-Zahnpasta besser verkaufen will. Letztendlich nützt diese Gesetz gar nichts,da die Plagiatsproduzenten in aller Welt sich einen Deut darum scheren.Wenn sie dies nicht glauben,dann empfehle ich ihnen einmal zu einem Markt in Asien,Afrika oder sogar im arabischen Raum zu pilgern.Sie erkennen dann die Lachhaftigkeit dieses Gesetzes.Und,es verteuert die eigene,heimische Produktion! Rohrkrepierer!
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    3. Antwort von W Streuli (Wernu)
      Das wusste ich gar nicht, das Lindt & Sprüngli auch Schokolade in anderen Ländern herstellt, also auf den Tafeln steht dann nicht mehr made in Switzerland, oder?schmeckt eigentlich eine Lindt Schokolade z.B in Deutschland anders?Bei der Schoggi Cailler ist wie ich es in Erinnerung habe, die Produktion ausschliesslich in Broc / FR
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    4. Antwort von Niklaus Bächler (Brücken- statt Mauerbau!)
      Ja, ja, so kann man sich irren, W. Streuli. Lindt & Sprüngli produziert an 12 Standorten! Sogar in Grossbritannien & Deutschland. Die Expansion läuft weiter. Bald werden wohl unsere tollen «Schwiizer-Schoggi-Tafeln» in China, Japan, Australien, Südafrika oder sogar aus dem mittleren Osten angeliefert.Die «Swiss-Made-Saga» schrumpft immer mehr!Auch diese Firma hat sich eigentlich schon von der CH verabschiedet & profitiert nur noch vom guten alten Ruf.Das Geld lockte auch hier!
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