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ABB verkauft Traditionssparte
Aus Rendez-vous vom 17.12.2018.
abspielen. Laufzeit 07:28 Minuten.
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Deal mit Hitachi Ein weitsichtiger, aber gewagter Schritt

ABB verkauft mit dem Bereich Stromnetze einen Teil seines historischen Erbes. Die Übertragung von Strom über die Distanz war Ende des 19. Jahrhunderts der Grundstein für den Aufstieg von BBC – der Vorgängerin von ABB.

Und bis heute spielt die Stromübertragung eine zentrale Rolle im Unternehmen: Der Bereich Stromnetze war das umsatzmässig wichtigste Standbein. Mit dem Verkauf verliert ABB nun auf einen Schlag einen Drittel seines Geschäfts.

Dass sich ABB wandelt, zeugt von Weitsicht. Es gibt genügend Beispiele von Firmen, die einen solchen Schritt nicht rechtzeitig geschafft haben.

Trotzdem sind beim Vorgehen der ABB Fragezeichen angebracht: Zwar war der Bereich der Stromnetze bis vor wenigen Jahren ein Sorgenkind des Unternehmens. Inzwischen jedoch hat das Unternehmen die Sparte wieder auf Vordermann gebracht und verdient heute damit gutes Geld. ABB sprach noch im Frühling selber davon, dass die Sparte «gut unterwegs» sei.

Auf Verkauf gedrängt

Die Marge war bis zuletzt nie so gut wie in den übrigen Sparten, etwa den Industrierobotern. Das Geschäft mit Infrastrukturprojekten wie Stromleitungen ist volatil und bringt wenig verlässliche Einnahmen.

Deshalb drängte der zweitgrösste Aktionär, die schwedische Investment-Firma Cevian, seit einigen Jahren auf einen Verkauf dieser Sparte. Lange ohne Erfolg. Seit letztem Jahr hat Cevian allerdings einen eigenen Vertreter im Verwaltungsrat von ABB und ist jetzt bei der Führungsspitze offensichtlich mit seinem Anliegen durchgedrungen.

Hinter die Verwendung des Verkaufserlöses von knapp 8 Milliarden Dollar für die Aktienrückkäufe kann ebenfalls ein Fragezeichen gemacht werden. Selbstredend kann ein Unternehmen mit diesem Geld tun und machen, was es will: Die Aktionäre entschädigen – so wie das ABB jetzt plant – ist ein legitimes Ziel.

Angesichts dessen, dass ABB in Zukunft deutlich kleiner sein wird und sich als Unternehmen neu aufstellen muss, stellt sich trotzdem die Frage, ob das Geld nicht besser im Unternehmen investiert wäre. Letztlich kämen neue Investitionen mittel- und langfristig auch den Aktionären zugute.

Matthias Heim

Matthias Heim

Wirtschaftsredaktor, SRF

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Matthias Heim hat Wirtschaftsgeschichte studiert. Seit 2007 arbeitet er für Radio SRF, seit 2016 ist er Wirtschaftsredaktor. Seine Spezialgebiete sind Aviatik, Tourismus, Verkehr, Detailhandel und Energie.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von J. Losi  (J.Losi)
    Also ich weiss ja nicht, aber von "weitsicht" scheint diese eigen-beteicherungs-strategie nicht zu strotzen. V.a. in einer Zeit wo alles von Dekarbonisierung und Elektrifizierung spricht und die Entwicklung dort hin läuft.
    Hauptsache die Führungsettage kann sich jetzt bereichern und wenn das Geld weg ist, dann aus den Überresten der Firma glorreich austreten, da der Aktienkurs (die allllessagende Grösse) wegen den Rückkäufen zünftig gestiegen ist.
    Unser System ist echt kaputt :(
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  • Kommentar von Simon Reber  (kokolorix)
    Toll wie sich Aktionäre und Manager wieder einmal auf Kosten der Gesellschaft bereichern. Man könnte angesichts solcher Raubzüge schon auf den Gedanken kommen der Kommunismus wäre am Ende die zwar weniger effiziente, aber doch gerechtere Einrichtung. Selbst wenn sich die Parteikader auch bereichern, derart schamlose und selbstzerstörerischer Bereicherung käme wohl einem Sozi nicht in den Sinn. Holdings sind Wirtschaftsschädlinge und sollten endlich mit griffigen Gesetzen gebändigt werden
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  • Kommentar von Martin Hess  (MH)
    Sehr schade. Die Käufer werden die nächsten Jahre "Konsolidieren" und die meisten der 2800 CH-Mitarbeitenden können sich was Neues suchen. Und der Investor ist glücklich und hat schöne Weihnachten.
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