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Renminbi-Hub Schweiz Der chinesische Gigant hat Grosses vor

Die Schweiz ist Drehscheibe für die chinesische Währung. Ein Treffen mit Weiyang Gong von der China Construction Bank.

Legende: Audio Die China Construction Bank und der Schweizer Finanzplatz abspielen. Laufzeit 4:26 Minuten.
4:26 min, aus Echo der Zeit vom 25.08.2017.
  • Die China Construction Bank besitzt als erstes chinesisches Geldinstitut eine Banklizenz für die Schweiz.
  • Der hiesige Finanzplatz ist Drehscheibe für die chinesische Währung Renminbi.
  • Was das der Schweiz bringen soll – und natürlich auch China – erklärt der Chef der Zürcher Niederlassung.

Etwas scheu sitzt der chinesische Banker in der Lobby des Hotels Hyatt in Zürich. Er ist stolz, Englisch zu reden. Seit gut zwei Jahren lebt Weiyang Gong in Zürich – nach 28 Jahren Schanghai. Als die Zentrale seiner Bank entschieden habe, in der Schweiz eine Niederlassung zu gründen, habe er sofort reagiert, erzählt er: «Ich bin zu meinem Boss gegangen und habe gesagt: Bitte gib mir diese Chance!»

Sein Chef gab sie ihm. «Nun bin ich sehr glücklich, dass ich diese Chance erhalten habe, weil ich die Schweiz und die Schweizer sehr gut mag.» Natürlich begeistert Gong auch, dass die Schweiz einen mächtigen Finanzplatz besitzt. Und deshalb interessiert sich auch China für die kleine Schweiz:

Die Schweiz steht im Zentrum der internationalen Finanzströme. Das Land ist stabil und hat eine starke Währung. Wir können hier viel lernen. China wächst rasant, die Chinesen haben Geld, das sie anlegen möchten.

Die Filiale seiner Bank in Zürich ist erst gut ein Jahr alt. Trotzdem führt Gong in Zürich bereits 31 Mitarbeiter, zwei Drittel sind Chinesen, ein Drittel Schweizer. Noch bietet die chinesische Bank nur Dienstleistungen für Firmen an.

Die Niederlassung sei für Schweizer und chinesische Unternehmen im Geschäftsalltag wertvoll, meint Gong: «Wir sind in der Schweiz wie eine Brücke, die beide Seiten verbindet. Chinesischen Firmen helfen wir, in der Schweiz zu investieren.»

Umgekehrt können Schweizer Firmen auch davon profitieren, dass die chinesische Bank alle Regeln und Gesetze in China kennt: «Viele lokale Firmen haben heute schon Tochterfirmen in China. Wir können Schweizer also beraten oder helfen, neue Tochterfirmen zu gründen.»

Die momentan wichtigste Dienstleistung der Bank ist ihre Funktion als chinesische Währungsdrehscheibe. Im Fachjargon redet man von Renminbi-Hub. China vergibt diese Aufgabe gezielt an chinesische Banken im Ausland. Denn der Renminbi ist nicht wie andere Währungen frei handelbar.

Dass die Schweiz mit der Bank nun eine Drehscheibe ist für die chinesische Währung, macht für Schweizer Firmen das Geschäften mit China günstiger: «Schweizer Firmen und Banken können nun direkt über uns in den chinesischen Markt investieren», so Gong.

Wir suchen immer nach Gelegenheiten, lokale Banken und Unternehmen beider Länder miteinander in Kontakt zu bringen.
Autor: Weiyang GongChef der Zürcher Niederlassung der China Construction Bank

Das bedeutet: Schweizer Unternehmen müssen Renminbi nicht mehr in London oder Hongkong kaufen, sondern können dies in Zürich tun. Zudem können sie die Renminbi, die sie aus dem Verkauf von Produkten nach China erhalten, behalten und später für andere Geschäfte mit China wiederverwenden.

Die chinesische Währung sei aber nicht nur für den Handel wichtig. Indem Schweizer Unternehmen in den Renminbi investierten, könnten Firmen ihr Anlage-Portfolio breiter diversifizieren, sagt Gong.

Grosse Pläne

Bis jetzt sind sieben Finanzinstitute eine Renminbi-Vereinbarung mit der chinesischen Bank eingegangen. Und auch die grossen Schweizer Unternehmen seien sehr an einer Zusammenarbeit mit seiner Bank interessiert.

Müssen wir nun mit noch mehr Übernahmen von Schweizer Firmen durch finanzkräftige Chinesen rechnen? «Wir suchen immer nach Gelegenheiten, lokale Banken und Unternehmen beider Länder miteinander in Kontakt zu bringen», sagt Gong diplomatisch. Soviel ist klar: Die China Construction Bank hat in der Schweiz viel vor.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Ivo Muri (Ivo Muri)
    Das nannten wir früher "Ausverkauf der Heimat". Man muss kein Experte sein, um zu erkennen, dass wir unsere politische und wirtschaftliche Selbstbestimmung konsequent an Herrn Markt und Frau Wirtschaft ausgelagert haben. Die Konsequenzen daraus sind unvermeidlich und bereits heute unübersehbar. Plutokraten übernehmen die Verantwortung für unser Wohlergehen. Direkte Demokratie war einmal. Aristoteles sagte hierzu: "Viele Regierungen begehen den Fehler, den Reichen zu viel Macht zu geben..."
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    1. Antwort von Henriette Rub (ehb)
      Da kann ich nur zustimmen. Ausverkauf det Heimat und Keiner merkt etwas davon. Hallo Jungsters, ich kann euch nur bedauern für eure Gleichgültigkeit, die euch durchaus irgendwann leid tun kann. Die Dominanz fremder Herren wird schwer zu verdauen sein.
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    2. Antwort von Fritz Frei (Fritz Frei)
      Ach so, wenn ein Ami, der einfach Geld (gesammelt) hat eine CH Firma übernimmt und dann deren Tafelsilber verscherbelt, ist das eine Rettung, und wenn Chinesen eine Firma tatsächlich retten, ist das Ausverkauf der Heimat? Vielleicht ist es an der Zeit, nicht die gleichen Fehler zu machen, wie seinerzeit mit Japan, nämlich auch dann noch bemitleidend auf die "Kopierer" herabzuschauen, wenn diese schon längst die technische Führung übernommen hatten. Wie jetzt in vielen Bereichen China.
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