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Autokäufer steigen um Der Diesler ist ein Auslaufmodell

Legende: Audio «Verkäufe gehen zurück» abspielen. Laufzeit 3:32 Minuten.
3:32 min, aus Rendez-vous vom 18.05.2017.

Das Wichtigste in Kürze

  • Personenwagen mit Dieselantrieb verkaufen sich immer schlechter.
  • Als erster Hersteller zieht Volvo die Konsequenzen: Der schwedische Autobauer zieht sich ganz aus der Entwicklung von neuen Dieselmotoren zurück.
  • Auch wenn das die anderen Hersteller so noch nicht sagen: Die Entwicklung von neuen Dieselmotoren ist praktisch zum Erliegen gekommen.

Vor allem bei grösseren, schwereren Fahrzeugen kommt der Vorteil der Dieselmotoren zum Tragen: «Der Verbrauch steht dort im Fokus», sagt Andreas Burgener, Chef der Vereinigung der Schweizer Auto-Importeure, Auto-Schweiz.

Das Ende des Dieslers ist absehbar

Bei kleineren, leichteren Autos steigen die Fahrzeughalter in grosser Zahl auf andere Motoren um. In Deutschland ist der Rückgang bei Privatfahrzeugen sogar so gross, dass sich der deutsche Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer absolut sicher ist: «Der Dieselmotor nähert sich in den nächsten Jahren seinem Ende.»

Bereits jetzt habe der Diesler den Zenit überschritten. Der Ausstieg von Volvo aus der Entwicklung von Dieselmotoren sei lediglich ein klar sichtbarer Schritt in einer seit längerem andauernden Entwicklung, so Dudenhöffer.

Volvo entwickelt keine neuen Dieselmotoren mehr

Volvo will keine neuen Dieselmotoren mehr entwickeln, wie Konzernchef Hakan Samuelsson in der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» sagte. Der finanzielle Aufwand für eine Neukonstruktion sei zu hoch, begründete er den Schritt. Die chemische Nachbehandlung zur Eindämmung der Stickoxidemissionen lohne sich auch in grösseren, teureren und profitableren Fahrzeugen nicht mehr. Den erst 2013 eingeführten, aktuell verbauten Dieselmotor werde man jedoch weiterentwickeln. (sda)

Die Zahlen sind eindeutig und zeigen eine Entwicklung auf, die schon vor dem Diesel-Skandal um VW ihren Anfang nahm: Gemäss dem Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg hat in den fünf grössten europäischen Ländern der Anteil an Dieselautos stark abgenommen. War dort 2007 noch mehr als die Hälfte aller Autos mit Diesel unterwegs, ist es in Kürze nur noch jedes dritte.

Tanken mit Diesel.
Legende: Diesel-PKWs verlieren an Attraktivität. Keystone Archiv

Deutsche sind verunsichert

Im vergangenen April war in Deutschland sogar nur noch jeder vierte an eine Privatperson verkaufte Neuwagen ein Dieselfahrzeug. Für ein Land, in dem dieser Antrieb immer noch stark subventioniert wird, seien das dramatische Werte, sagt Dudenhöffer: «Es gibt eine riesige Verunsicherung.» Die Leute fragten sich, ob sie ihren Diesler weiterhin fahren dürften und wie gross das Risiko sei, jetzt ein neues Dieselfahrzeug zu kaufen.

Tatsächlich ist der Wiederverkaufswert von Dieselfahrzeugen seit dem VW-Abgasskandal stark gesunken, ausserdem wird in mehreren deutschen Städten darüber diskutiert, Dieselfahrzeugen die Zufahrt in die Innenstadt künftig zu verbieten.

Diesel-Entwicklung praktisch gestoppt

Nach Einschätzung Dudenhöffers ist Volvo nicht die einzige Autofirma, die den Dieselmotor aufgegeben hat: «Es gibt keine neuen Entwicklungen bei den Dieselmotoren.» Allerdings wollten die Autobauer die Kunden auch nicht verunsichern und betonten, dass man die Motoren weitere optimiere.

Trotzdem: Ganz von der Strasse verschwinden werden die Dieselfahrzeuge noch lange nicht. Auch wenn der Rückgang spürbar ist – alleine im April wurden in der Schweiz fast 9500 neue Dieselautos von Privaten gekauft. Und bei Lastwagen und landwirtschaftlichen Fahrzeugen ist der Dieselmotor sowieso weiterhin klar die Nummer Eins.

Firmen kaufen weiterhin Diesler

Anders als Private kaufen Firmen immer noch vorwiegend Dieselautos. Sie verbrauchen auf langen Strecken weniger Sprit und sind deshalb kostengünstiger. Weil aber auch die Firmen letztlich auf den Wiederverkaufswert ihrer Flottenwagen schauen, könnten sie sich schon bald von Dieselmotoren abwenden, so Burgener. Diese Entwicklung könnte auch Hybrid- oder Elektromotoren Aufwind geben, glaubt Automobilexperte Dudenhöffer. Denn alternative Antriebe würden immer konkurrenzfähiger und bei den Kunden beliebter. Ausserdem würden die Firmen bei ihrer Flotte zunehmend aus Imagegründen auf nachhaltigere Antriebe setzen.

14 Kommentare

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  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Ich bin zwar kein Liebhaber der knatternden Dieselmotoren, aber es gibt da schon den einen oder andern Vorteil, wie das massiv höhere Drehmoment (1200 U/min bei 120km/h... einfach genial). Fakt ist aber auch, dass Diesel in Europa massiv subventioniert wird, nicht zuletzt deswegen, weil europäische Automobilkonzerne bei den Benzinmotoren den technologischen Anschluss an die Japaner verpasst hatten. Der Diesel dürfte als höherwertiger Treibstoff bei den Brennstoffzellen ein Revival erfahren.
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  • Kommentar von Tom Duran (Tom Duran)
    Es wäre sinnvoller, anstelle Diesel mit Pflanzenölen und Gas weiter zu fahren. So können alte Dieselmotoren, also ohne den elektronischen Schnickschnack, sogar mit altem Fritieröl fahren. Das selbst der Erfinder Diesel einen Motor für Pflanzenöl entwickeln wollte, ist vielen unbekannt. Was jedoch bleibt, ist der fürchterliche Russ und Feinstaub. Dieser wird auch durch den Partikelfilter nicht ganz eliminiert. Die Elektrofahrzeuge brauchen genau so viel Energie oder mehr. Also keine Alternative.
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    1. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      Pflanzenöle sind in Zeiten, wo immer noch Millionen von Menschen Hunger leiden und Urwälder zu Gunsten von Palmöl abgeholzt werden, ein No-Go. Altöle wie Frittieröl können sie grad vergessen, ist viel zu teuer (Reinigung). Erdgasmotoren beruhen auf Ottomotoren, sprich "Benzinern". Sie sind sogar effizienter (sparsamer), da sie mit höherer Verdichtung betrieben werden, haben allerdings den Nachteil einer erheblich verkürzten Lebensdauer, da im Erd/Biogas keine Additive beigemischt werden können.
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  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    In den letzten 20 Jahren hat es revolutionäre Entwicklungen im Bereich der kleinen Dieselmotoren gegeben. z.B. wurde die früher grossen Motoren vorbehaltene Common Rail Technologie so verfeinert dass sie plötzlich (auch) in Personenwagen auftauchte. Solche Schritte gibt es nicht alle paar Jahre. Als Laie ist es mir nicht möglich zu sagen ob es in den Kommenden Jahren, es wäre dann langsam Zeit, einen grossen Schritt geben wird. Die Aussage dieses Artikels könnte aber bald überholt sein.
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