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Wirtschaft «Der Franken ist noch immer überbewertet»

Seit Juli gehört Andréa Maechler zum Dreier-Direktorium der SNB, der Schweizerischen Nationalbank. Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt zog sie Bilanz nach einem Jahr ohne Mindestkurs. Dabei hat die Neue klar gemacht: Ein Ende der Negativzinsen ist noch lange nicht in Sicht.

Legende: Video Die erste Frau der SNB abspielen. Laufzeit 01:47 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 20.11.2015.

Rund 300 Banker und einige wenige Bankerinnen waren der Einladung der Nationalbank nach Genf gefolgt. In einem Nobelhotel trat Andréa Maechler erstmals in ihrer neuen Funktion als Mitglied des Direktoriums der Schweizerischen Nationalbank SNB ans Mikrofon und präsentierte ihre Sicht der Dinge.

Franken ist rund 15 Prozent zu teuer

Seriös und bestimmt erklärte sie, die Nationalbank hätte Anfang Jahr keine andere Wahl gehabt, als den Mindestkurs aufzugeben. Sonst hätte die Nationalbank noch mehr Euro und andere Währungen aufkaufen müssen und ihr ohnehin bereits grosser Devisenberg wäre noch grösser geworden.

Der Wechsel zu Negativzinsen sei richtig gewesen, unterstrich Maechler. Wegen den Strafzinsen hätten Investoren im zweiten Quartal wieder vermehrt Gelder ausserhalb der Schweiz investiert. In der Folge habe sich der Franken zwar abgeschwächt, allerdings weniger als erhofft: «Der Franken ist noch immer überbewertet.»

Rund 15 Prozent sei der Franken zu teuer. Obwohl die Schweizer Wirtschaft überraschend widerstandsfähig sei, bleibe das Umfeld sehr anspruchsvoll, warnte Andrea Maechler die Banker. Sorgen macht ihr insbesondere die Europäische Zentralbank, EZB.

Neue Notenbankerin lässt sich nicht in die Karten blicken

Sollte die EZB Anfang Dezember die Zinsen weiter senken, dann könnte der Franken erneut in die Höhe schnellen. Was man in einem solchen Fall tun würde, wollte jemand aus dem Publikum wissen. «Für uns ist es wichtig, alle Optionen offen zu halten und uns dann für die beste Lösung in Bezug auf die entsprechende Situation zu entscheiden», sagte Maechler und erntete Applaus. Das Publikum hatte keine konkretere Antwort erwartet. Denn die Banker wissen, dass die Verantwortlichen der Nationalbank sich nicht in die Karten blicken lassen.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von Walter Starnberger (Walter Starnberger)
    Solange die meisten europäischen Staaten so massiv verschuldet sind, können die EZB und damit auch die SNB ihre Zinsen gar nicht erhöhen. Jedenfalls nicht solange den Zentralbanken die direkte Staatsfinanzierung verboten ist. Und dass die Staaten ihre Schulden abbauen ist mehr als unwahrscheinlich, im Gegenteil, die werden bei den meisten immer noch höher. Damit ist auch eine allfällige Immobilienblase mittelfristig kein Problem und die Hypozinsen bleiben niedrig.
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  • Kommentar von N. Schmid (Schmid)
    Somit wird sich die Immobilienblase weiter aufblasen. Die SNB könnte ausnahmsweise auch in Europäische Infrastruktur investieren (Hochgeschwindigkeitsnetze, NEAT-Anbindung, ÖV, Windfarmen, Brücken, Tunnels). Da die Schweiz ihren Kontinent nicht wechseln kann und weil sie von der Reduktion der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus aussereuropäischen Krisengebieten zwangsläufig profitiert (Wirtschaftswachstum in Europa, stabile, günstige Energiepreise, Kriegstreiber werden ausgehungert etc.)
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  • Kommentar von Bruno Vogt (b.vogt)
    Viele Optionen hat die Nationalbank nicht, sie kann probieren die Zinsen weiter ins negative zu drücken, begibt sich dabei aber immer mehr in einen Schattenbereich der Geldpolitik, so etwas gab es eben noch nie. Kapital wird immer schlechter angelegt, auf der Suche nach Renditen kriegen Firmen Geld, welche unter normalen Umständen dies nicht mehr tun würden. Oder sie interveniert erneut, schwächt den Franken und bläht ihre Bilanz noch weiter auf. Sehr viele Risiken mit wenig Aussicht auf Erfolg.
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