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Der Gigant und seine Töchter Blackrock – bei Beteiligungen eine Blackbox

  • Blackrock verwaltet weltweit rund 6300 Milliarden Dollar. Der US-Vermögensverwalter soll zudem an über 17'000 Unternehmen beteiligt sein. Darunter sind auch viele Schweizer Firmen.
  • Ein Team von europäischen Journalisten schreibt nun, Blackrock sei über diverse Tochtergesellschaften sogar noch stärker bei Schweizer Unternehmen investiert als bisher angenommen.
  • Während die EU-Kommission eine genauere Prüfung dieser Beteiligungen ankündigt, wartet die Schweizer Wettbewerbsbehörde noch ab.

Wie stark ist Blackrock eigentlich an welchem Unternehmen beteiligt? Dieser Frage sind neun Journalisten aus acht europäischen Ländern im Netzwerk «Investigate Europe» in aufwändiger Detailarbeit nachgegangen. Der Befund: Blackrock hält teils grössere Aktienpakete, als bisher bekannt war.

Das rührt daher, dass Blackrock in Firmen investiert, an denen auch zahlreiche Tochtergesellschaften von Blackrock Beteiligungen halten. Addiere man die Aktienpakete, ergebe das grössere Beteiligungen als auf den ersten Blick erkennbar, schreibt das Recherchenetz unter anderem im «Tages-Anzeiger» und dem «Tagesspiegel». Dort sind verschiedene Beteiligungen aufgelistet.

Grossaktionär von Lonza, Sika und Basler Versicherung

Demnach hält Blackrock direkt oder indirekt über elf Prozent am Chemiekonzern Lonza, über neun Prozent am Baustoffkonzern Sika oder über acht Prozent am Versicherer Bâloise. Blackrock hält auf Anfrage von SRF News fest, dass man sich an das Gesetz halte, grössere Beteiligungen zu melden.

Wie gross die Beteiligung von Blackrock an den jeweiligen Unternehmen ist, ist relevant. Denn der US-Finanzgigant übt seine Stimmrechte an den Generalversammlungen stets aus und bestimmt so den Kurs der Unternehmen als gewichtiger Aktionär mit. Bei knapp zehn Prozent der Firmen pflegt Blackrock zudem direkte Gespräche mit dem Topmanagement.

Blackrock dementiert Einfluss auf Wettbewerb

Wenn ein grosser Investor an mehreren Unternehmen derselben Branche Beteiligungen hält, stellt sich die Frage, ob dadurch der Wettbewerb beeinträchtigt wird. Blackrock sagt Nein. Man habe weder die Absicht noch die Möglichkeiten, den Wettbewerb zu beeinflussen. Dennoch will dies die EU-Kommission mit einer vertieften Studie überprüfen.

Eine mögliche Verzerrung des Marktes sei auch für die Schweizer Wettbewerbskommission nicht neu, erklärt deren stellvertretende Direktor Patrik Ducrey: «Dieses Thema wird in wettbewerbsrechtlichen Kreisen schon längere Zeit diskutiert. Wir haben das zur Kenntnis genommen.»

Die Weko habe auch gesehen, dass die EU-Kommission dies nun näher abklären wolle. «Das ist aber für die Schweizer Wettbewerbsbehörde als relativ kleine Behörde im Vergleich zur europäischen im Moment kein Thema.»

Weko sieht keinen Grund für Nachforschungen

Derzeit gebe es keinen Anlass, der solche zeit- und finanzintensiven Nachforschungen rechtfertigen würde, sagt Ducrey. «Wir haben im Moment auch keine konkreten Hinweise, dass zum Beispiel eine Tätigkeit wie jene von Blackrock in diesem Sinne den Wettbewerb beeinflussen würde.»

Wenn die EU-Kommission jedoch zu entsprechenden Ergebnissen komme, gehe er davon aus, «dass wir allenfalls auch etwas unternehmen müssen», so Ducrey. Der Wettbewerbshüter ist überzeugt, dass die Recherchen der EU-Kommission deutlich länger als ein paar Monate dauern werden.

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Michael Räumelt (Monte Verita)
    So ist es, so bleibt es.."Geld ist scheu wie ein Reh... aber Geil wie ein Bock!
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  • Kommentar von Michael Räumelt (Monte Verita)
    Larry Fink ist der mächtigste Mann der Welt. Sein Finanzimperium Blackrock verwaltet vier Billionen Dollar. Auch in Deutschland ist seine Firma an fast allen Konzernen beteiligt, von neun Dax-Unternehmen ist sie der größte Einzelaktionär. Mit ihren Entscheidungen beeinflusst Blackrock das Schicksal ganzer Städte und Länder. Blackrock ist unvorstellbar groß, größer als die Deutsche Bank, Goldman Sachs oder JP Morgan zusammen.
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  • Kommentar von Ivo Muri (Ivo Muri)
    Globalisieren, Deregulieren, Privatisieren hiess die Devise. Frei sollten wir Menschen werden, wenn Privatbanken Geld schöpfen. Nun erkennen wir: Frei sind die Märkte und die Menschen sind nur noch das Zubehör für Herrn Markt und Frau Wirtschaft. Glücklich wer noch gebraucht wird. Pech für den, der bereits ausgesteuert wurde. Höchste Zeit für demokratisches Vollgeld.
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